Im Sommer 2015 wurden die berühmten Tempel von Palmyra in Syrien durch den "Islamischen Staat" zerstört. Die meisten Menschen begriffen nicht, dass nun ein viel größeres Verbrechen begann: das Assad-Regime bombardierte rücksichtslos die direkt daneben liegende moderne Stadt Tadmor und machte die Familien, die von den Denkmälern gelebt hatten, zu Flüchtlingen in Europa. In dem engagiert-politischen Film "Palmyra" ergreift Hans Puttnies die Partei dieser Menschen. Er filmte als Einziger vor dem Krieg das Nachleben der Antike in Palmyra: Archäologie und Diktatur im Einklang mit Bildungstourismus. Sein abendfüllender Essayfilm zeichnet kritisch den Weg nach, der zu dem überhöhten "Weltkulturerbe" führte, das im Krieg allen Parteien als Propaganda dienen konnte - und das doch die geliebte Heimat vieler Menschen war. (Quelle: Verleih)
Es ist eine Überraschung, wenn jetzt ein Film in die Programmkinos kommt,
der die vom IS zerstörte antike Stadt Palmyra noch einmal in der ganzen Schönheit
zeigt, die sie so berühmt gemacht hat. Niemand wußte bisher, daß der deutsche
Autor und Regisseur Hans Puttnies vor dem Krieg, der nun schon seit Jahren
Syrien verwüstet, zwei Wochen lang in Palmyra alles filmte, was ihn menschlich
berührte: die grandiosen Tempel und Grabtürme, die Skulpturen im Museum,
aber auch die Menschen, die von der einzigartigen Ruinenlandschaft lebten.
Sein abendfüllender Essayfilm »Palmyra« ist kein sentimentaler Touristenfilm
geworden. Ganz im Gegenteil. Puttnies verwendet das einmalige Filmmaterial dazu,
das „Weltkulturerbe“ von Palmyra gegen den Strich zu bürsten. Er zeigt mit
faszinierenden Ergänzungsbildern, wie die Europäer seit dem achtzehnten
Jahrhundert aus den vergessenen Ruinen von Palmyra eine antike Kunstkolonie
gemacht haben, in der die arabischen Bewohner nur noch als Souvenirhändler
überlebten. Die archäologischen Forschungen führten zu Restaurierungen,
die teilweise in Neubauten wie dem antiken Theater endeten, mit denen das
Terror-Regime von Assad sich als Kulturnation feierte.
»Palmyra« wirbt am Beispiel der zerstörten Denkmäler für einen anderen
Kulturbegriff. Nicht die seltenen Dinge sind wertvoll, sondern die Menschen,
die sie mit ihrem Leben überliefern. Besonders bewegend ist in dem Film das
Gespräch mit dem fünfzehnjährigen Souvenirhändler Mohamad. In seinen
Worten erfährt man die tiefe emotionale Bindung, die er zu seiner Heimat,
zu den Ruinen hatte. Mohamad, der vom IS gefoltert wurde, weil er seine
Schwester beschützte, gelang letztes Jahr die Flucht nach Dänemark.
- Veröffentlichung06.09.2018
- RegieHans Puttnies
- ProduktionDeutschland (2018)