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Filmkritik
Der heilige Christophorus, im englischen Saint Christopher, gilt als der Schutzpatron der Reisenden und Pilger. Viele gläubige Menschen statten ihr Armaturenbrett oder den Vorderspiegel im Auto mit einem Anhänger des Heiligen aus, um stets sicher ans Ziel zu kommen.
So auch die Protagonisten von André Øvredals neuen Horrorfilm: Tyler (Jacob Scipio) und Maddie (Lou Llobell) verlassen New York, um ihr Leben fernab des hektischen Stadtlebens neu zu ordnen. Gleich zu Beginn von „Passenger“ wartet Tyler mit dem zum Camper umgebauten Transporter vor der leergeräumten Wohnung und lässt ungeduldig die markante Hupe aufheulen. Doch bereits der Filmtitel verrät, dass sie nicht nur Christophorus auf ihren Trip in einen neuen Lebensabschnitt begleiten wird.
Ein ständiger Begleiter
Das Leben auf den Straßen lässt sich durchaus als uramerikanischer Mythos begreifen: von den historischen Siedlern, die Nordamerika ab dem 16. und 17. Jahrhundert erschlossen, bis zu heutigen Nomaden, die mit ihren Wohnwagen, Vans und Bullys in den zahlreichen Trailerparks wohnen. Beim Film gilt das Road Movie als geläufiges Subgenre und auch der Horrorfilm eignet sich diese Motivik an: sei es als paranoide Verfolgungsjagd des Unbekannten wie in „Duell“ oder als Jagdgebiet von Serienkillern wie in „Jeepers Creepers“ oder der „Wolf Creek“-Reihe.
„Passenger“ schreibt diese Tradition fort, indem er die Straße selbst gewissermaßen zum dämonischen Antagonisten erhebt. Als das reisende Paar eines Nachts einem Unfallopfer helfen möchte, das sie kurz zuvor beinahe von der Straße gedrängt hätte, fallen Maddie ungewöhnliche Kratzspuren am verunglückten Fahrzeug auf. Dass dieselben Markierungen wenig später auch an ihrem eigenen Camper auftauchen, kündigt die Präsenz eines ungebetenen Mitfahrers an.
Vertraute Mittel auf den Straßen
Der Grusel wird dabei mit vertrauten Mitteln erzeugt: abrupte Jumpscares samt audiovisueller Übersteuerungen, Horrorfolklore und die schrittweise Enthüllung seines Mysteriums. Als Maddie und Tyler nämlich beim „Burning Van“, einem Festival für Camper, aufschlagen, erzählt ihnen die alteingesessene Vagabundin Diana (Melissa Leo) von einer alten „Hobo-Saga“, wobei Maddie Parallelen zu den eigenen Erlebnissen entdeckt. Ihre Nachforschungen werden jedoch immer wieder von den übernatürlichen Schockmomenten und brutalen Morden unterbrochen.
Horrorfilm-Regisseur Øvredal beweist, dass er zwar ein Gespür für atmosphärische Schauerszenen und kreative visuelle Ideen in der Umsetzung hat – zu nennen ist insbesondere eine Szene mit einem Projektor, der in die Düsternis des Waldes leuchtet –, tonal bleibt „Passenger“ aber zu brüchig; die partiell dichte Atmosphäre wird von Leerstellen unterbrochen, die narrativ nicht gefüllt werden. Das liegt auch daran, dass seine Protagonisten, ein normschönes Paar, dessen einziges Problem zu sein scheint, ob sie tatsächlich für das Leben auf den Straßen geschaffen sind, zu glatt bleiben.









