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Primate

89 minThriller, HorrorFSK 16
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In PRIMATE entwickelt sich der tropische Urlaub einer Freundesgruppe in eine erschütternde Horrorgeschichte und wird zu einem puren Überlebenskampf.

Für den Tierarzt ist es noch ein Routinebesuch im Gehege: Der Schimpanse Ben ist krank und soll eine Spritze bekommen. Der Film um ihn herum hat unterdessen längst von Alltagsroutine auf Horror gewechselt. Bevor der Arzt den Schimpansen überhaupt in seinem Unterschlupf ausmachen kann, hat dieser ihn schon gepackt – und reißt ihm, um doppelt und dreifach zu unterstreichen, in welches Genre die Reise in „Primate“ führt, die Haut vom Gesicht.

Ben, der nicht animiert, sondern von dem kostümierten Darsteller Miguel Torres Umba gespielt wird, ist tollwütig. Bevor sich das in aller blutigen Konsequenz offenbart, springt der Film einige Stunden zurück. Denn der eigentlich zahme, liebevolle Schimpanse lebt mit seiner Pflegefamilie auf Hawaii. Familienvater Adam (Troy Kotsur) ist Biologe. Die jüngste Tochter Erin (Gia Hunter) lebt noch bei ihm, die älteste, Lucy (Johnny Sequoyah), ist das erste Mal seit Beginn ihrer College-Zeit zu Besuch.

Wichtiger als Affe und Töchter

Eigentlich sollte der gehörlose Vater für den Schimpansen und seine Töchter da sein. Doch der Biologe ist weder besorgt darüber, dass sein Haustier nach einem Wildtier-Biss eine offene Fleischwunde hat, noch nimmt er sich den Tag frei, um Zeit mit der ältesten Tochter zu verbringen. Seine Karriere ist ihm wichtiger. Er will sein neuestes Buch vorstellen. Um Ben wird er sich im Anschluss kümmern, und die Töchter können ja erst mal ohne ihn die Zeit genießen.

Wie im Genre üblich, geht es auch in „Primate“ nicht nur um einen mordenden Schimpansen, sondern auch um das Umfeld, das zulässt, dass sich der niedliche Ben in einen Killer verwandelt. Der Vater lässt die Töchter für die Buchvorstellung zurück. Lucy und ihre Freundinnen interessieren sich vor allem für Drinks, den luxuriösen, direkt an einer Felsklippe gelegenen Infinity-Pool, die verführerischen Boys aus dem Flieger oder - in Lucys Fall – für den Kindheitsfreund Nick (Benjamin Cheng). Der verwundete Ben ist bald vergessen.

Die Exposition lässt wenig Zweifel daran, dass „Primate“ in erster Linie ein generischer Tier-Slasher ist, denn der tollwütige Schimpanse Ben crasht die Poolparty mit Schaum vorm Mund. Eine große Überraschung ist das nicht, denn der Filmemacher und Horror-Veteran Johannes Roberts ist ohnehin nicht darauf aus, das Rad neu zu erfinden.

Technologie als verräterische Falle

„Primate“ vermag dennoch einiges aus den klassischen Topoi herauszuholen. Nachdem der Pool mehr und mehr die Farbe von Teenager-Blut annimmt, bewegt sich der Film Richtung Luxusvilla. Im Dauerschein des hässlichen blauen Kunstlichts und zu den Klängen des an John Carpenter erinnernden Synthie-Soundtracks lässt der Film die Überlebenden um den Affen schleichen. Das angepeilte Ziel ist das in Panik fallengelassene oder schlicht vergessene Smartphone. Die moderne Technologie ist hier jedoch nie Lebensretter, sondern immer verräterische Falle. Das Smartphone klingelt im falschen Moment, der Fernseher springt unverhofft an, und die per Funk bedienbare Zentralverriegelung des Autos lässt sich auch von Schimpansen steuern.

Johannes Roberts spielt das clever aus, bastelt um die Zentralverriegelung, unerwartete Anrufe und einen Fehltritt auf die Fernbedienung kleine, gemeine Sequenzen. Auch Gehörlosigkeit und Gebärdensprache verlängern die Halbwertszeit des ansonsten standhaft generischen Szenarios. Wenn trotz oder wegen der erwähnten Hilfsmittel und Fähigkeiten eine der Figuren das Ende ereilt, fällt das ähnlich drastisch wie in der Exposition aus. Das Schockhandwerk hat „Primate“ gut verinnerlicht.

Killer-Affe ohne Tragik

Was dem Film fast gänzlich abgeht, ist die dazugehörige Tragik. Ben ist bereits im Prolog infiziert und somit seines Daseins als Familienmitglied beraubt. Auch die Zeit vorher, die ihm als fühlendes Lebewesen eingeräumt wird, fällt im Vergleich zu den Minuten, die der Film mit Teenager-Routine auf dem Weg nach Hawaii verplempert, denkbar kurz aus. „Primate“ will und bekommt seinen Killer-Affen – auf Gedeih und Verderb.

Veröffentlicht auf filmdienst.dePrimateVon: Karsten Munt (2.10.2026)
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