









- Veröffentlichung20.07.2023
- RegieJan Philipp Weyl
- ProduktionDeutschland (2022)
- Cast
Vorstellungen
Filmkritik
Folge deinem Traum: So lautet das Motto von idealistisch angehauchten Filmen, in denen junge Protagonisten sich selbst verwirklichen wollen. Dieses Erzählprinzip beherrscht auch das in Äthiopien spielende Drama von Jan Philipp Weyl, das zwei Kindheitsfreunde in ihren unterschiedlichen Werdegängen begleitet.
Solomon und Abdi sind zwölf Jahre alt und wachsen in einem Dorf in der Wüste wie Brüder auf. Sie spielen, hüten Ziegen und teilen alles miteinander. Eines Tages kommt ein Entwicklungshelfer ins Dorf und macht ein Foto von ihnen und den Einwohnern. Er plant eine Schule im Ort. Nachdem er die beiden Kinder für ein paar Tage in die Hauptstadt Addis Abeba mitgenommen hat, steht für Solomon fest: Er will Fotograf werden. Abdi dagegen hat im Fernsehen seinen Landsmann, den Leichtathletik-Champion Haile Gebrselassie, gesehen und nimmt sich vor, wie er Langstreckenläufer zu werden.
Nachdem der Vater von Solomon gestorben ist, hält den Jungen nichts mehr in seinem Heimatdorf. Er macht sich heimlich auf in die Stadt und wird von einer jugendlichen Straßenbande aufgenommen.
Zehn Jahre später
Zehn Jahre später ist Solomon (Mikias Wolde) in Addis Abeba kein Fotograf, sondern Müllsammler, der Mühe hat, seine Frau und die gemeinsame Tochter zu ernähren. Durch seine Freunde im Slum gerät er an einen skrupellosen Gangster, für den er zwielichtige Jobs übernimmt. Auch Abdi (Ashenafi Nigusu) hat es mittlerweile in die Hauptstadt verschlagen. In seinem Dorf hat er fleißig trainiert und gehört nun zu jungen Läufern, die als Kandidaten für die äthiopische Nationalmannschaft ausgesucht wurden. Er wohnt in einem Wohnheim für Sportler und hat nie die Hoffnung aufgegeben, Solomon wiederzufinden. Schließlich gelingt es ihm, einen Freund aufzuspüren. Die Wiedersehensfreude ist groß, und bald arbeitet Solomon als Assistent und später auch als offizieller Fotograf für die Läufermannschaft. Doch die Gangster wollen Solomon nicht so einfach ziehen lassen.
Die ersten Sequenzen nehmen die Geschichte symbolisch vorweg und bestechen durch Bilder von beeindruckenden Landschaften. Ein junger Mann läuft durch die Wüste, bis er von einem Sandsturm erfasst wird. Ein anderer schreitet durch eine von Trockenheit zerfurchte Einöde, deren Farbe sich stetig ändert, und wirft einen Bumerang in die Luft, den er schließlich wieder auffängt. Die Macht der schönen, aber gefährlichen Natur wird mit den Unwägbarkeiten des Schicksals gleichgesetzt und prophezeit beiden Protagonisten eine ungewisse Zukunft.
Erhebliche Hindernisse stehen im Weg
Die Originalität des Anfangs behält der Film allerdings nicht bei, sondern beschwört mit allzu bekannten Erzählmitteln vor allem die Unverbrüchlichkeit einer Freundschaft. Obwohl Solomon und Abdi sich zehn Jahre aus den Augen verloren haben, verstehen sie sich auf Anhieb wieder. Der Odyssee Solomons im Großstadtdschungel wird dabei aber deutlich mehr Leinwandzeit beigemessen als den eher eintönigen Abläufen in Abdis Trainingsalltag. Dass ein ungebildeter Junge ohne jegliche Kontakte in der Hauptstadt nicht reüssieren kann, erscheint logisch. Zwar nimmt man Solomon sein Bemühen um einen anständigen Lebensstil ab, doch seine Leidenschaft für die Fotografie wirkt behauptet. Auch der Rest ist vorhersehbar. Beide jungen Männer müssen gemeinsam zum Teil erhebliche Hindernisse aus dem Weg räumen, bevor sie endgültig wieder vereint sind. Ihre Lebensträume erscheinen angesichts dieses starken Bandes zwischen ihnen ab einem gewissen Punkt nebensächlich.
Von Addis Abeba sieht man nur wenig: Baustellen, eine Straße in den Slums oder die austauschbare Szenerie eines gefährlichen Nachtlebens. Zwar werden Disziplin und der Wille, Erfolg zu haben, mit dem Abrutschen in die Kriminalität kontrastiert. Doch an eine dramatische Eskalation glaubt man nie. Zu klischeehaft sind die jeweiligen (sozialen) Milieus gezeichnet.
Als musikalische Untermalung werden oft afrikanische Ethno-Klänge bemüht, die allerdings keine Authentizität erzeugen, sondern eher die Erwartungen westlicher Zuschauer bedienen. Jan Philipp Weyl hat zwar drei Jahre in Äthiopien verbracht, um Land und Menschen kennenzulernen. Doch sein Blick wirkt immer noch mehr wie der eines staunenden Beobachters, nicht wie der eines Insiders.
Szenen aus dem Dorfleben
Unfreiwillig bevormundend wirkt zudem, dass weiße Männer die Weichen im Leben der beiden jungen Äthiopier stellen. Zuerst ist es der Entwicklungshelfer, dann ein europäischer Fotograf (gespielt vom Regisseur), der in Äthiopien aufgewachsen ist und Solomon unter seine Fittiche nimmt. Immerhin überzeugt die anfängliche Schilderung des Dorflebens. Die Beobachtung einfacher Lebensabläufe in einer abgeschiedenen Ortschaft sagt mehr über Land und Leben aus als die zwar zu Herzen gehende, aber im Grunde austauschbare Geschichte zweier Freunde in der großen gefährlichen Stadt.
