







- Veröffentlichung08.01.2026
- RegieCraig Brewer
- ProduktionVereinigte Staaten (2025)
- Cast
- IMDb Rating6.9/10 (173) Stimmen
Vorstellungen
Filmkritik
Er war, so steht es in Rowohlts „Rock-Lexikon“ zu lesen, „der erfolgreichste Entertainer der USA“, deutsche Musikjournalisten bezeichneten ihn als „größten Schlagersänger der Welt“: Neil Diamond. Auch wer keine seiner millionenfach verkauften Platten oder CDs besitzt, kennt viele seiner Songs, „Sweet Caroline“ natürlich, „Song Sung Blue“, „Forever In Blue Jeans“ und „I Am… I Said“. Um Neil Diamond geht es in diesem Film von Regisseur und Co-Autor Craig Brewer allerdings nicht, sondern um Mike und Claire Sardina, die in den späten 1980er- und 1990er-Jahren als Diamond-Cover-Band namens „Lightning and Thunder“ durch Wisconsin tourten.
Mit Cover-Bands ist das so eine Sache: Sie haben nicht die Ausstrahlung der Stars, auf die sie sich beziehen, sie haben nicht die Songs geschrieben, die sie singen, sie sind im Gegensatz zu ihren Vorbildern keine originären Künstler, die Eigenes geschaffen hätten. Ihre Auftritte funktionieren nur, weil sie sich so eng an die musikalischen Darbietungen der Stars halten. Abweichungen vom Vorgegebenen, Improvisationen gar, würde das Publikum nicht goutieren. Tribute-Sänger stehen im Schatten ihrer Idole, das müssen sie akzeptieren. Das wussten auch Mike und Claire Sardina. Sie waren einfach gut in dem, was sie taten. Bereits 2008 legte die gleichnamige Dokumentation, umgesetzt von Greg Kohs, davon lebhaftes Zeugnis ab.
Wo Amateure musikalische Legenden imitieren
Als der Film beginnt, kommt Mike Sardina, perfekt dargestellt von Hugh Jackman, zu einem Treffen der Anonymen Alkoholiker, holt seine Gitarre raus und singt „Song Sung Blue“. Mike versucht, von seiner Alkoholsucht loszukommen, er ist Vietnam-Veteran und arbeitet eigentlich als Automechaniker. Doch seine wahre Liebe gilt der Musik und seinem großen Idol Neil Diamond. 1987 lernt er auf der Wisconsin State Fair, wo Amateure musikalische Legenden imitieren, die lebensfrohe Claire (Kate Hudson) kennen. Sie tritt hier als Patsy Cline auf, jene berühmte Country-Sängerin, die Loretta Lynn, Dolly Parton oder Emmylou Harris beeinflusste. Schnell funkt es zwischen den beiden. Mike ist geschieden, Claire ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder, beide heiraten also zum zweiten Mal.
Dann haben sie die Idee, sich als Duo zusammenzutun, um fortan Neil-Diamond-Songs zu performen. Als „Lightning and Thunder“ tingeln sie durch Bars, Clubs und kleinere Hallen. Immer beliebter werden sie, sogar „Pearl Jam“-Sänger Eddie Vedder ruft an und möchte – in einer urkomischen Szene – die beiden als Vorgruppe verpflichten. Doch dann ereilen Mike und Claire zwei Schicksalsschläge, die ihre Karriere abrupt aufhalten.
Zwei Menschen mit Wunden auf der Seele
Die erste Hälfte des Films funktioniert wunderbar als Mischung aus Biopic und Musikfilm, in dem zwei Menschen mit Wunden auf der Seele noch einmal die große Liebe erleben und ihrer Leidenschaft, nämlich den Liedern ihres Idols, frönen. Man muss kein Neil-Diamond-Fan sein, um die Begeisterung von Sängern und Musikern nachzuvollziehen. Besonders die Darstellungen von Hugh Jackman und Kate Hudson sind spektakulär. Jackman kommt nicht nur der außergewöhnlichen Stimme Sardinas sehr nahe, mit Verve und Perfektion empfindet er auch die Manierismen und das Pathos des Tribute-Sängers nach, der sie sich wiederum von Neil Diamond, dem „Herrscher über die ganz große Geste, (dem) Meister des verzögerten, triumphalen, nicht enden wollenden Abgangs von der Bühne“ (Arne Willander) abgeschaut hat. Auch Kate Hudson überzeugt mit großer Stimme und viel Temperament, Haarschnitt und Kostüme sind akkurat dem Aussehen von Claire Sardina abgeschaut. Sie ist die eigentliche Lokomotive hinter dem Duo. Die Auftritte vor Publikum sind mit viel Sinn für Nostalgie und die Stimmung jener Jahre perfekt inszeniert.
Mit den beiden Schicksalsschlägen, die sich kein Drehbuchautor hätte ausdenken können, ändert sich die Stimmung des Films, aus „Song Sung Blue“ wird ein Melodram, in dem es um den Erhalt der Liebe geht, um den Zusammenhalt der Familie, um die Überwindung von Hindernissen, um einen Neuanfang. Eine Geschichte, die das Leben schrieb, und genau deswegen wirkt die starke Emotionalität am Ende des Films nicht etwa übertrieben, sondern angemessen. Hier kämpfen zwei Menschen ums Überleben.
