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Teufelskicker

111 minFamilienfilm
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Szenebild von Teufelskicker 1
Szenebild von Teufelskicker 2
Moritz liebt Fußball über alles und kann sich ein Leben ohne das runde Leder gar nicht vorstellen. Als sich seine Eltern trennen und er mit seiner Mutter zu dem etwas eigenwilligen Opa Rudi ziehen muss, sieht es für den sportbegeisterten Jungen aber leider genau danach aus. Zum Glück lernt er jedoch in der Schule Alex und Catrina, Niko, Mehmet und Enes kennen. Denn die sind nicht nur echte Straßenfußballer, sondern mit ihm zusammen schon bald auch die Teufelskicker. (j.b.)

Er ist der Hauptdarsteller, der durch die Träume „Wilder Kerle“ und im WM-Sommer durch südafrikanische Stadien rollt: der Fußball. Seine Fans sind in der Mehrzahl männlich, die literarische Vorlage der „Teufelskicker“ wurde aber von einer Frau geschrieben. In die bereits zwölfte Verlängerungsrunde ging Frauke Nahrgangs Romanreihe; demnächst erscheint die 21. Hörspiel-Folge. Die Verfilmung war angesichts dieses Erfolgs wohl nur eine Frage der Zeit, ihre berechnende Umsetzung scheint eine des Zeitgeists zu sein: In „Teufelskicker“ untergräbt die Zielgruppen-Optimierung gnadenlos das Potenzial, das die sozial problematischen Familienkonstellationen der kleinen Kicker eigentlich bereithalten. Scheidung, Patchwork-Familie und Vernachlässigung treffen auf eine coole Parcours-Gang; ein Einkaufszentrum fungiert als anarchische Trainingsstätte für ein aufgeblasenes Lokalturnier. Für dieses „castet“ sich der kleine Fußballnarr Moritz in seinem neuen Heimatort ein StreetSoccer-Team zusammen, mit dem der Dauerkonkurrent VfB Epplaken mitsamt dem unsympathischen Trainer Rothkirch endlich ausgegrätscht werden soll. In das Kaff und zu seinem grantigen Großvater, ehemals großer Fußballer und nun Nachtwächter in eben diesem Einkaufszentrum, wurde Moritz unfreiwillig verpflanzt, als sich seine Mutter vom untreuen Ehemann, Vater und ehemaliger Trainer von Max, trennte. Diese Mutter, die in unfreiwilliger Trainer-Funktion mittels Kochrezepten ein Spielkonzept hervorzaubert, soll nicht zuletzt durch ihr Fußball-Desinteresse die Ehekrise beschworen haben. Die Emanzipationsleistung einer weiteren Mutter (die der einzigen weiblichen Teufelskickerin) besteht darin, sich für das verbotene Fußballspiel ihrer Tochter zu begeistern. Mit von der Partie sind zudem zwei türkischstämmige Jungs, von denen einer zur labernden Witzfigur stilisiert wird. „Schnauze Enes“, tönt es einige Male zu oft, als dass dieses scheinbar engagiert gemischte Team wirklich für das stehen könnte, für das es stehen sollte. Der Anführer der über die Dächer jumpenden „Rooftopkids“ wiederum wird nur der „Freak“ genannt, weil er seinen kleinen Bruder umgebracht haben soll. Zwei Stunden hätte Alex das Kleinkind für ein Fußball-Turnier allein gelassen, alles Besteck weggeräumt, und dann war doch noch eine Gabel für die Steckdose übrig – aber das Spiel sei super gewesen, er hätte Glanzleistung gezeigt, unterbricht er unvermittelt sein tränenreiches Geständnis an Moritz. Es ist, als ob diese eigentlich so traurige Szene für das Dilemma eines ganzen Films stehen würde, der sich zwischen Schauwerten und zwischenmenschlichen Problemen nicht entscheiden kann. Der Aufstieg von einigen Underdogs und die Botschaft von Teamgeist und Toleranz sind zwar da; dennoch dribbelt „Teufelskicker“ narrativ uninspiriert in Richtung Finale wie seine kleinen Hauptfiguren. Die fragilen Beziehungen untereinander nimmt man weder ihnen noch ihren Erziehungsberechtigten ab, die akrobatischen Bolz-Qualitäten müssen ohnehin bis zum Endspiel warten. Das Product-Placement von McDonald’s und der darstellerische Mini-Einsatz von Lukas Podolski und Philipp Lahm im Rahmen des „DFB & McDonald’s Fußballabzeichens“ geben die Spieltaktik vor. Die unfreiwillig komische „Gang-isierung“ einer Gruppe Elfjähriger, die Kampf-Rhetorik von Moritz’ Opa über „Mut und Männlichkeit“ in Verbindung mit den unterentwickelten Frauenbildern lassen „Teufelskicker“ in der Kinderfilmlandschaft ins Abseits geraten, auch wenn sich seine Elemente noch so trendig in den Vordergrund spielen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deTeufelskickerVon: Kathrin Häger (24.6.2026)
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