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Die Krähe

102 minAction, Fantasy, ThrillerFSK 18
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Rockmusiker wird zusammen mit seiner Geliebten getötet. Er kehrt aus dem Reich der Toten zurück, um sich an den Gangstern zu rächen. Eine Krähe hilft ihm, die Mörder zu stellen und zur Strecke zu bringen. Doch deren Boß überzieht den "Toten" mit Krieg.
  • Veröffentlichung26.07.1994
  • Alex Proyas
  • 10 -
  • 7/10 (140294) Stimmen

Zu einer Zeit, die wohl die Zukunft sein muß - der 30. Oktober heißt "Devil's Night" statt "Halloween" und ist nicht mehr das Fest des sanften Schreckens -, werden in einer namenlosen, düster-verregneten Großstadt zwei Menschen getötet. Der junge Rockgitarrist Eric, der seiner von Gangstem bedrohten Geliebten zu Hilfe eilt, wird von ihnen überwältigt und aus einem Dachfenster gestürzt, bevor sie die Frau vergewaltigen und ebenfalls ermorden. Die Täter, brutale Killer im Sold eines pseudo-philosophischen Drogenbosses, kommen straflos davon. Das himmelschreiende Unrecht läßt Eric in seinem Grab keine Ruhe finden: genau ein Jahr nach der Tat kehrt er zurück, um blutige Rache zu nehmen. Unterstützt wird er vom sagenhaften Boten des Todes, einer Krähe, die ihn ins Jenseits geleiten soll, dem zwischen den Welten gefangenen Eric nun aber Schutz- und Späherdienste leistet. Eric spürt die Mörder auf und bringt sie mit ihren eigenen Waffen zur Strecke.

In der ersten, ungewöhnlich langen Einstellung erschließt eine "fliegende" Kamera dem Betrachter den Ort des Geschehens aus der Perspektive der Krähe, die gerade am Schauplatz erscheint, um die Seele des sterbenden Eric in Empfang zu nehmen. So erlebt man den ersten Mord "live", während man das sofort danach an seiner Geliebten verübte Verbrechen im Lauf des Films erst aus den Erinnerungen der geständigen Täter und Erics Visionen der Tat rekonstruieren muß. In diesem Einstieg, in vielen folgenden "Flashbacks" und in einigen gewagten Montagen zeigt sich die starke visuelle Orientierung des jungen australischen Regisseurs, der seine bisherigen Erfahrungen mit Werbeclips und Musikvideos gemacht hat und diesen Hintergrund in seinem Kinoerstling nicht leugnen kann. Leider vernachlässigt Proyas über den handwerklich versierten Augenkitzel seine Geschichte und ihre Charaktere. Als denkbar schwaches dramaturgisches Grundgerüst muß die mechanische Eliminierung der Gangster nach dem Motto "Zehn kleine Negerlein" herhalten, und die Charakterisierung der Figuren kommt über platte Abziehbilder nicht hinaus. (Der Nachname Erics lautet beispielsweise 'Draven'.) Daß weder die wenigen Guten noch die vielen Bösen Konturen gewinnen, ist bei einem Comic Strip als Drehbuch-Vorlage nicht einmal erstaunlich, daß aber der titelgebende, immerhin mit übernatürlichen Fähigkeiten ausgestattete Held selbst blaß und austauschbar wirkt, ist ein schlimmes Manko. Zum einen liegt seine Profillosigkeit wohl daran, daß vor lauter Zutaten und Zitaten aus Kino, Literatur und Musik kein stimmiges Ganzes entstehen will, in das die in der Figur angelegte Mischung aus melancholischem Rebellen und maskiertem Rächer passen würde. Zum anderen hat der noch junge, bei den Dreharbeiten durch sträflichen Leichtsinn der Requisiteure ums Leben gekommene Hauptdarsteller - eine Feuerwaffe war mit scharfen Patronen geladen worden - weder genügend Charisma noch genügend Erfahrung, um die wütende Trauer des Toten um das verlorene Leben glaubhaft zu machen. Allein das Wissen um den wirklichen, tragischen Tod Brandon Lees verleiht der Produktion jene unheimliche Note, die sie auch als bloße Filmfantasie hätte entwickeln müssen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deDie KräheVon: Frank Klubertz (14.4.2026)
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