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Star Wars: The Mandalorian and Grogu

132 minAbenteuer, Science Fiction, ActionFSK 12
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Das Dunkle Imperium ist gefallen und die imperialen Kriegstreiber sind weiterhin über die Galaxis verstreut. Während die Neue Republik daran arbeitet, alles zu schützen, wofür die Rebellion gekämpft hat, sichern sie sich die Unterstützung des legendären mandalorianischen Kopfgeldjägers Din Djarin und seines jungen Lehrlings Grogu.
  • Veröffentlichung20.05.2026
  • Jon Favreau
  • Vereinigte Staaten (2026)

„Messy“, nennt Colonel Ward (Sigourney Weaver) im Lauf des neuen „Star Wars“-Films gleich mehrmals die Vorgehensweise des Mandalorianers Din Djarin (Pedro Pascal). Was als sanfter Tadel gemeint ist, dürfte in den Ohren der „Star Wars“-Fans eher wie ein Kompliment klingen. „Messy“ ist gut in einem Erzähluniversum, in dem „Order“ vor allem eine Sache des tyrannischen Imperiums mit seinem steril-technokratischen Kontroll- und Machtapparat ist.

Zu der Zeit, in der „The Mandalorian and Grogu“ spielt, ist dieser Apparat zwar dank der Allianz der Rebellen weitgehend zerschlagen (als Fortsetzung der aus drei Staffeln bestehenden „Mandalorian“-Serie spielt der Film zwischen dem Fall des Imperiums in „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ und dem Erstarken des „First Order“-Regimes in „Star Wars: Das Erwachen der Macht“). Doch diverse Funktionäre des Imperiums sind noch aktiv, schmieden in einem Schattenrat Ränke und arbeiten daran, die alte Despoten-Ordnung wieder herzustellen. Gut also, dass jemand bereitsteht, um sie gründlich aufzumischen: Der Mandalorianer, der am Ende von Staffel 3 der Serie beschlossen hatte, als Freelancer für die Neue Republik zu arbeiten, macht zusammen mit „Baby Yoda“ Grogu, den er mittlerweile offiziell zu seinem Sohn und Schüler erklärt hat, im Auftrag von Colonel Ward Jagd auf untergetauchte imperiale Warlords.

Der Sprung auf die große Leinwand ist nur konsequent

Als 2019 die erste Staffel von „The Mandalorian“ startete, konnte man sich als „Star Wars“-Fan ein bisschen wieder fühlen wie damals, als Luke Skywalker in „Krieg der Sterne“ den Weltraumhafen von Mos Eisley betrat, mit großen Augen all die Kreaturen dort bestaunte und mit dem Millennium Falcon zum ersten Mal in die Weiten des Weltraums aufbrach: Die Serie atmet ungefiltert den guten, alten, enthusiastischen Space-Opera-Geist. Emotional geerdet durch die mit Herz erzählte Geschichte einer sich entwickelnden Vater-Sohn-Bindung zwischen dem toughen, einzelgängerischen Söldner Din Djarin und seinem drolligen Findelkind, das im Lauf der Handlung immer mehr vom Schutzbedürftigen zum Gefährten wird, waren die Abenteuer in immer neuen, fremden Welten voll wunderlicher Lebensformen und exotischer Kulturen prächtiges Spektakel-Material.

Dass in den USA nach ersten Screenings von „The Mandalorian and Grogu“ teils als Kritik ins Feld geführt wurde, der Film sei nichts anderes als eine aufgeplusterte Serienepisode, ist entsprechend ein kaum überzeugender Einwand: Mehr braucht es in diesem Fall eben auch nicht, um einen respektablen Sommerblockbuster zu liefern.

Steilvorlage für kuriose Begegnungen & actionreiche Clashs

Zugegeben: Erzählerisch versuchen die Autoren Jon Favreau und Dave Filoni gar nicht erst, Neuland zu betreten, die Charaktere in unerwartete Richtungen weiterzuentwickeln oder ein thematisches Fass aufzumachen, aus dem sich engere Verbindungslinien der „Mandalorian“-Saga zu der jüngsten „Star Wars“-Trilogie („Das Erwachen der Macht“, „Die letzten Jedi“, „Der Aufstieg Skywalkers“) ergeben könnten. Sondern sie beschränken sich darauf, ihre Helden auf eine neue Quest zu schicken, bei der es letztlich nur darum geht, eine Steilvorlage für immer neue kuriose Begegnungen und actionreiche Auseinandersetzungen zu haben.

Nach einer bombastischen „In medias res“-Exposition startet das Duo auf eine heikle Mission, bei der es gilt, einen mysteriösen imperialen Warlord aufzuspüren, dessen Identität unbekannt ist. Um an ihn heranzukommen, muss sich Din Djarin zunächst auf einen Deal mit dem verbrecherischen Hutt-Syndikat einlassen: Er soll einen entführten Neffen der Hutt-Bosse, den Sohn des von Luke Skywalker getöteten Jabba the Hutt, befreien und in die waldig-sumpfige Heimatwelt der Hutts, Nal Hutta, zurückbringen, um im Gegenzug die gewünschten Informationen zu bekommen. Ein Abenteuer, das sich völlig anders entwickelt als geplant, einmal mehr „messy“ eskaliert und letztlich dazu führt, dass Mando sich Feinde macht, die ihn schließlich in höchste Bedrängnis bringen. Wodurch Grogu genötigt ist, mehr denn je selbstständig zu agieren, um seinem Ziehvater zu Hilfe zu kommen.

Statt der großen Spannungsbögen trumpft der szenische Überfluss

Jon Favreaus Inszenierung macht aus diesem recht schlichten Gerüst einen Budenzauber, der merklich von der Liebe zum 1980er-Science-Fiction-Genrekino im Allgemeinen und den Ursprüngen des „Star Wars“-Franchises im Besonderen befeuert wird. Zu dem fulminanten Soundtrack von Ludwig Göransson, in dem typischer Sternenoper-Orchesterbombast auf 1980er-Synthie-Klänge trifft, gleiten Raumschiffe durchs All, die das liebenswerte „Hilfe, die Mühle ist ja nur Schrott!“-Flair des Millennium Falcon haben. Eine außerirdische Metropole erstrahlt in düster-maroder „Blade Runner“-Grandezza und Hintergrundlandschaften auf Nal Hutta in so schöner Matte-Painting-Künstlichkeit, dass man sie sich am liebsten sofort an die Wand hängen möchte. Und im Vordergrund wuseln Kreaturen herum, die einmal mehr nicht rein virtuell zum Leben erweckt wurden, sondern die solide Körperlichkeit von Stop Motion und Animatronik ausstrahlen.

Statt der großen Spannungsbögen trumpft der szenische Überschuss auf: Einige Gefechte gegen gleich drei imperiale Allterrain-Angriffstransporter auf einem schwindligen Passweg in eisiger Gebirgshöhe, ein Schwätzchen mit einem Street-Food-Verkäufer, der sein Essen gleich mit vier Armen zubereitet und in der Originalfassung mit der Stimme von Martin Scorsese spricht, eine Stippvisite in einer Droiden-Kneipe, ein unfreiwilliges Bad mit einer gewaltigen Seeschlange, ein Gladiatorenkampf mit Gegnern, die aussehen, als wären die Monster von Chewbaccas Holoschachspiel plötzlich lebendig geworden – und, und, und. Selbst die bisher wohl absurdeste Figur des Star-Wars-Universums, der Hutt-Neffe Rotta Hutt, der nicht nur den spezifischen Hutt-Look eines übergroßen Darmparasiten mit Glubschaugen hat, sondern auch noch Sixpack-Bachmuskeln, Gladiatoren-Ambitionen, einen Vaterkomplex und die Stimme von Jeremy Allen White, wirkt in diesem Umfeld irgendwie ganz natürlich.

Wo das wilde Leben wuchert

In einer der schönsten Sequenzen sitzt der kleine Grogu zusammen mit seinem bewusstlosen Vater in einer Sumpflandschaft fest, muss sich und den Verwundeten vor Häschern verstecken und auf dem fremden Terrain irgendwie am Leben halten. Gerade in solchen ruhigeren Momenten, in denen keine Action-Höhepunkte anstehen, sondern einfach nur gefährlich-schön das wilde Leben leinwandfüllend vor sich hin wuchert, freut man sich besonders, das Ganze tatsächlich als Kinoerlebnis goutieren zu können. Ihre ganze immersive Kraft entwickelt die „Star Wars“-Welt eben seit 1977 so am besten.

Veröffentlicht auf filmdienst.deStar Wars: The Mandalorian and GroguVon: Felicitas Kleiner (17.12.2026)
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