East of Wall - The New West

97 minDrama, WesternFSK 12
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In den Badlands von South Dakota rettet die junge, rebellische Rancherin Tabatha Pferde und verkauft sie weiter. Sie muss schwierige Entscheidungen treffen, um mit ihrer zerrütteten Familie, der finanziellen Unsicherheit durch den Verlust ihrer Ranch und ihrer unbewältigten Trauer umzugehen. Gleichzeitig bietet sie einer Gruppe von aufsässigen Jugendlichen aus der Nachbarschaft Zuflucht und vermittelt ihnen die Fähigkeiten des Pferdehandels.

Was man in diesem Film alles finden kann! In langen Totalen wird die Weite von South Dakota eingefangen, das Land voller Wolkenschatten, der Wind im hohen Gras. Dahinter stehen als Kontrast die Berge, die Badlands mit ihren schwarzen Felskanten. Die Naturbetrachtung wird zusammengebracht mit Menschen und Ereignissen, ähnlich wild, aber aus großer Nähe: Fingerringe, Sonnenbrillen, Rodeoreiter, Pferde, alles erstaunlich unglamourös. „The New West“ verbindet die Schönheit des Landes mit der Härte des Lebens dort, die so detailliert angesehen wird wie möglich. „South Dakota will make you humble“ heißt es gegen Anfang einmal, und die Kamera tut ihr Bestes, um jeden Aspekt dieses Satzes ins Bild zu setzen.

Regisseurin Kate Beecroft begleitet mit ihrem Film eine Bande von Reiterinnen. Es ist die Familie von Tabatha Zimiga, die in South Dakota auf Zimigas Ranch lebt. Darunter sind vor allem Teenager, nicht nur zwei Kinder von Tabatha selbst, sondern meist vier oder fünf mehr, die bei ihr auftauchen, weil ihre Eltern sich nicht kümmern oder einfach verschwinden. Das macht Tabathas prekäre finanzielle Situation nicht besser, dafür bringt es mehr Zusammenhalt; es baut einen Wall gegen die Melancholie, die nicht nur generell beim Blick auf den Horizont einsetzt, sondern in dieser Familie ganz konkret durch die Abwesenheit von Tabathas Mann John. Der liegt auf dem Friedhof der Ranch, aber man erfährt viel über ihn: was er konnte, was er wusste, was er den Kindern beigebracht hat.

Sie glättet die Wogen allein durch ihre Coolness

„The New West“ ist Dokufiction, ein Film, der dokumentarisch das Leben der Zimigas herzeigt, angereichert mit einer erfundenen Geschichte. Protagonisten sind die Bewohner der Ranch, dazu kommen zwei Schauspieler, Scoot McNairy als Pferdehändler aus Texas und Jennifer Ehle als Großmutter Tracey. Nötig ist der fiktionale Zusatz nicht, man könnte seine Zeit gut damit verbringen, bloß dem Alltag der Zimigas zu folgen. Aber trotzdem sorgt Tracey für höllisches Vergnügen, immer Kippe im Mund, immer ein Marmeladenglas mit Schwarzgebranntem in der Hand. Wenn Streit herrscht zwischen Tabatha und ihrer Tochter Porshia, und der herrscht oft, dann glättet sie die Wogen manchmal allein durch ihre Coolness.

Der dokumentarische Teil erzählt vom neuen Westen, im Gegensatz zum alten. Er beschreibt wöchentliche Pferde-Events zwischen Zelten und Trailern, bei denen Tabatha Pferde versteigert, die von ihr trainiert wurden, er zeigt Rodeos oder Pferderennen, bei denen ihre Jugendlichen gewinnen. Die haben unter Tabathas Anleitung gelernt, sie wissen alles über den Umgang mit Pferden. Sie können auf ihnen turnen, auf ihnen herumliegen und im Handy scrollen, sie können in einem Tempo übers Grasland reiten, dass kaum ein Auto mitkommt. Aber das beschwört noch nicht den neuen Westen – der zeigt sich stattdessen in Müll und Rost, in der Vergänglichkeit, die überall in den verstreuten Ortschaften nistet. Da liegt der Gegensatz: die sichtbare Abwesenheit des Aufbruchs, den der alte Westen einst versprach.

Armut, Trauer, täglicher Spaß

Die Armut gehört zu den Geschichten des Films, sie ist wohl Teil von South Dakota, sicher von Tabathas Alltag. Die Pferde bringen ihr nicht genug ein, egal wie gut trainiert. Sie wären mehr wert, das sagt jeder Auktionator, aber viel Geld ist bei diesen Versteigerungen nicht vorhanden, das sieht man schon den Cowboys an, die hier einkaufen. Eine andere Geschichte ist die stete Trauer im Leben der Zimigas, die Erinnerung an die Geister der Toten. Die wird allerdings, trotz aller Sentimentalität, die den Film durchzieht, vom täglichen Spaß der Teenager meist davongeblasen. Wobei die gute Laune der Jugendlichen nichts am Ärger zwischen Porshia und ihrer Mutter ändert. Der gleicht dem Ärger aller Heranwachsenden mit ihren Müttern, da verliert der dokumentarische Teil seine Exotik und wird erfreulich vertraut.

Die Fiktion wiederum holt einen Mann ins Spiel, einen reichen Kerl aus Texas. Der bietet den Frauen auf der Ranch eine Lösung ihrer Probleme an, und diese Lösung ist natürlich Geld. Nicht, dass die Geschichte sonderlich kohärent erzählt würde, immer zeigt Beecroft nur Momentaufnahmen zwischen Ranchroutine, Rodeos, komplizierter Pferdedressur. Aber sie nutzt die Korruptionsversuche des Texaners, um zu klären, wie hilfreich Geld tatsächlich wäre. Dabei denunziert sie ihn nicht als Geschäftemacher, höchstens ein bisschen, sie bringt mit ihm hauptsächlich das Patriarchat auf die Ranch. Das ist eine kluge Idee, denn erst im Vergleich zum Kommandoton, der mit dem Texaner einzieht, realisiert man, wie entspannt es vorher zuging. Es ist keine neue Erkenntnis, aber eine, die gut hervortritt: Frauen brauchen weniger Hierarchie, sind freundlicher zueinander, und, in diesem Milieu, auch zu ihren Pferden.

Der Trost der Pferde

Das Schönste, was man in dem Film findet, ist das rare, unordentliche Heranwachsen der Teenager, mit mehr Einschränkungen als in Städten, dafür mit anderen Freiheiten. Von ihren Konflikten erfährt man wenig, aber man kann vermuten, dass sie sie nicht alleine lösen müssen, und den Trost der Pferde gibt es auch. Sie wirken ziemlich glücklich, was sich auf den Film überträgt – er bietet, trotz Leid und Problemen, kein Bild reiner Düsternis. Zwar werden die Zimigas zu wenig eingeordnet zwischen andere Familien in South Dakota, um im Vergleich womöglich Rückschlüsse auf einen neuen Westen zuzulassen. Aber Kate Beecroft zeigt mit ihnen auf alle Fälle ein Amerika, das den Optimismus noch nicht aufgibt.

Veröffentlicht auf filmdienst.deEast of Wall - The New WestVon: Doris Kuhn (26.5.2026)
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