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Die Schatzsuche im Blaumeisental

77 minAnimation, FamilieFSK 0
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Endlich Ferien! Die 9-jährige Lucie fährt allein aufs Land – zu ihrer Mutter Caro, die in ihrem Heimatdorf eine spannende Ausgrabung leitet. Doch zwischen Hügeln, Wäldern und einer echten Burgruine entdeckt Lucie mehr als frische Landluft: Ein altes Familiengeheimnis wartet auf sie! Gemeinsam mit ihrem neuen Freund Yann, der frechen Gans Zerbinette und zwei plaudernden Blaumeisen stürzt sie sich kopfüber in ein aufregendes Abenteuer. Vom dunklen Burgkeller bis zu einem verlassenen Wohnwagen am Waldrand steckt ihre Schatzsuche voller Rätsel und Überraschungen.
  • Veröffentlichung26.03.2026
  • Antoine Lanciaux
  • Belgien (2025)
  • ab 6

Überall sind Tiere: Raupen, ein Dachs, Kühe, Bienen, die Gans Cerbinette und auch das Blaumeisenpaar, das Lucie am Bahnhof von Becoile empfängt. Das neunjährige Mädchen ist frisch auf dem Land angekommen; mit einem Koffer voller Bücher. Ihre Mutter Caro leitet hier eine archäologische Ausgrabung an der Burg, nicht weit von dem Ort, an dem sie aufgewachsen ist. Damals hat sie in einer Mühle gelebt, die irgendwann niedergebrannt ist; noch immer fühlt sie sich selbst mit dem Feuer einer Kerzenflamme nicht wohl.

Lucie will hier die Ferien verbringen, während Caro mit ihrem Freund Pierrot an der Grabung forscht; unter der Burg soll eine alte Krypta sein, in der sich lokalen Legenden zufolge sogar ein Schatz befindet. Das Mädchen spielt deshalb mit Pierrots Hund Mandrin und freundet sich mit dem 13-jährigen Yann an, der auch bei der Ausgrabung hilft.

Das Geheimnis der alten Mühle

Bis sie in der Burgruine einen uralten Schlüssel mit dem Symbol zweier Vögel findet. Ob die Tiere etwas mit dem Blaumeisenpaar zu tun haben, das immer wieder auftaucht? Lucie ist neugierig und folgt den Vögeln überallhin – auch in den Wald, wo angeblich ein gefährlicher Zauberer lebt. Oder in die Überreste der alten Mühle. Immer mehr verdichten sich die Erlebnisse in der Heimat ihrer Mutter zu einer Geschichte. Was ist damals wirklich passiert, als die Mühle brannte? Und was hatte ihr Großvater mit der alten Burg zu tun?

Die Schatzsuche im Blaumeisental“ deutet schon im Titel an, dass die junge Protagonistin auf Geheimnisse stößt; der französische Originaltitel „Le Secret des mésanges“ (wörtlich: „Das Geheimnis der Meisen“) bleibt etwa vager, trifft aber den Kern genauer: Denn die Meisen, als Vögel wie als Signet, ziehen sich durch den ganzen Film. Sie sind das Geheimnis und zeigen wie eine magische Vorsehung den Weg zu seiner Auflösung, in der Caros und Lucies Familiengeschichte nachhallt und mit der Geschichte des Ortes tief verknüpft ist.

Scherenschnitt & Legetechnik

Der Animationsfilm von Antoine Lanciaux eröffnet damit einen Blick auf die Verbindung von Menschen und Raum, Trauma und Heilung, und ist dennoch zuallererst ein kluger und sehr witziger, brillant erzählter und wunderschön anzusehender Kinderfilm.

Die Bilder sind mit Scherenschnitt entstanden, die Animation von Sophie Roze und Samuel Ribeyron ist eine Art zweidimensionaler Legetrick, die am Computer zu unterschiedlichen Ebenen zusammengefügt und gelegentlich mit kleinen Effekten wie Nebel ergänzt wird; die Figuren erscheinen auf diese Weise plastisch und lebendig innerhalb einer stimmigen Welt, in der sogar die Saiten einer Gitarre zur Musik schwingen.

So vermitteln die Papieranimationen den Eindruck, in ein Kinderbuch zu blicken, in dem alles in Bewegung gerät. Aber ganz ohne jede Hektik. Das Drehbuch von Lanciaux und Pierre-Luc Granjon lässt sich viel Zeit, die verschiedenen Stränge zu etablieren, die Figuren vorzustellen und schließlich alles miteinander zu verbinden.

Es gibt im ganzen Film keinen falschen Ton, keine überflüssige Szene, keinen misslungenen Scherz. Die Tiere ermöglichen visuelle Gags und zum aufregenden Finale hin beschleunigt sich das Tempo des Films, als ein heftiger Sturm erst die Ausgrabung und dann sogar das Leben von Caro und Pierrot gefährdet.

Eine große Bereicherung

Mit „Die Schatzsuche im Blaumeisental“ kommt nach „Die fabelhafte Reise der Marona“ ein zweites Meisterwerk in die deutschen Kinos, das große Fragen mit bescheidenen Mitteln in einem für Kinder passenden Rahmen und vor allem mit handwerklich perfekter Animation auf die Leinwand bringt. Schön wäre es, wenn noch mehr Entdeckungen dieser Art ins Kino gelangten; es wäre eine große Bereicherung des Kinderprogramms.

Veröffentlicht auf filmdienst.deDie Schatzsuche im BlaumeisentalVon: Rochus Wolf (15.9.2026)
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