Vorstellungen
Filmkritik
Top Gun ist der respektvoll, aber auch selbstgefällig ausgesprochene Spitzname der 1969 gegründeten „Fighter Weapons School“ im kalifornischen Miramar, eine Eliteschule, an der die besten Piloten der USA ausgebildet werden. Die jungen Männer, die hierhin eingeladen werden, sind bereits die Besten, aber die theoretischen und praktischen Übungen im Luftkampfmanöver sollen sie noch besser machen. Top Gun ist, so der Ausbildungsleiter zu seinen Schülern, kein Ort, an dem Politik gemacht wird: „Wir sind die Instrumente der Politik.“
Der junge Pilot Pete „Maverick“ Mitchell (Tom Cruise) kennt denn auch nur einen Ehrgeiz: er will der beste Pilot der Navy und auf der Elite-Tafel der Schule eingetragen werden. Nach einem tollkühnen Manöver, mit dem er und sein Co-Pilot Goose einen Kollegen vor dem drohenden Absturz retteten, dürfen die beiden ihren Stationierungsort, einen Flugzeugträger im Indischen Ozean, für einen fünfwöchigen Top-Gun-Lehrgang verlassen.
Jede Begegnung wird zur Machtprobe
Bald hat sich Maverick in Miramar Respekt verschafft, wird aber gleichermaßen kritisiert, weil er durch sein Draufgängertum gegen die festgelegten Regeln des Kampfes verstößt, Vorschriften missachtet und mehr seinem Instinkt und seiner Tollkühnheit folgt als den Anweisungen der Vorgesetzten. Jede Begegnung mit den Mitschülern wird zur Machtprobe, zur Provokation, zum Kräftemessen.
Während Maverick mit Erfolg bei einer attraktiven Zivilausbilderin für Astrophysik „landet“, stockt der Weg nach oben wegen seiner Impulsivität. Erst als Co-Pilot Goose bei einem Testflug-Unfall ums Leben kommt, beginnt die innere Wandlung. Er hört auf seinen Vorgesetzten Viper, der einst mit seinem Vater in Vietnam flog und Maverick vor Augen hält, welch ein Held sein Vater war. Anfänglich zaghaft und zaudernd, besteigt er wieder sein Kampfflugzeug. Der Beste bei Top Gun kann er zwar nicht mehr werden, aber bei seinem ersten ernsten Feindeinsatz im Indischen Ozean kann er sich bewähren: Er schießt die feindlichen MiG-28-Jäger gleich reihenweise ab.
Darth Vader in der MIG-28
„Top Gun“ von Tony Scott ist im Kern die Initiationsgeschichte eines jungen Mannes, der seine Sturm-und-Drang-Phase bewältigen muss, um ein sinnvolles und brauchbares Mitglied einer Gemeinschaft zu werden. Dass es sich hierbei um das Stahlbad für kriegerische Tüchtigkeit handelt, weiß der Film geschickt zu umschreiben. Kampfpilot ist nicht nur ein Job, es ist vielmehr ein fulminantes Abenteuer, das der Selbstbestätigung dient und obendrein ein ästhetisches Erlebnis ist.
Die Kamera löst die Flugeinsätze, zumeist im güldenen Morgengrauen, in verführerisch ästhetisierte Bildkompositionen auf, kriecht förmlich in die glühenden Antriebsraketen der Flugzeuge, schwebt über Wolkenteppichen und dem kupferfarbenen Meer, Direkt und völlig ungebrochen wird die „Schönheit“ des Jobs vermittelt; eine Moral besteht allein in der Devise, ihn so gut wie möglich auszuführen. Dementsprechend besteht auch kein Unterschied zwischen Ausbildungsprogramm und „realem“ Feindeinsatz: Im Gegenschnitt verschwinden die feindlichen MiG-Piloten hinter schwarzen „Darth Vader“-Masken und werden zur anonymen Bedrohung, gleichzusetzen mit einer Computersimulation.
Dass sich dieses Konzept in seiner schillernden Oberflächlichkeit selbst aus den Angeln hebt, wenn es eine private Komponente einflicht, wird gar ins Tugendhafte verkehrt: selbstgefälliges Männlichkeitsgehabe und Aufsteigermentalität (nach der auch der weibliche Ausbilder mit dem männlichen Namen Charlie „funktioniert“), Liebesbeziehungen und Familiengeist werden in geradezu abstoßender Plakativität weitergegeben. Die physische Direktheit des Films überspielt jegliche Rationalität, die verführerische Sinnlichkeit eines todbringenden Jobs triumphiert über das Menschliche, das zum Abziehbild verkommt.










