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TULLY

95 minDrama, Komödie, MysteryFSK 12
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Marlo (Charlize Theron) hat gerade erst ihr drittes Kind bekommen, als ihr Bruder ihr ein besonderes Geschenk macht: Eine "Night nanny", die sich nachts um die Kinder kümmern soll. Marlo ist zunächst skeptisch gegenüber dem Gedanken, Hilfe von einer fremden Person anzunehmen, doch als sie die junge, schlaue und witzige Nanny namens Tully kennenlernt, entwickelt sich eine einzigartige Freundschaft zwischen den beiden Frauen. (Quelle: Verleih)
  • Veröffentlichung31.05.2018
  • Jason Reitman
  • Vereinigte Staaten (2018)
  • 7/10 (41924) Stimmen

Eigentlich hat Marlo, eine Mittelschichtsangehörige aus einer US-amerikanischen Vorstadt, schon mit zwei Kindern genug: Jonah, der mit seinem autistischen Verhalten in der Schule für Unruhe sorgt, und Sarah, die im Schatten ihres älteren Bruders steht, der alle Aufmerksamkeit absorbiert. Doch nun ist auch noch ein drittes Kind unterwegs, und das macht den Alltag noch schwerer. Marlos Ehemann Drew ist keine große Hilfe. Beim abendlichen Videospielen entflieht er nur zu gern den häuslichen Verpflichtungen. Immerhin hat Marlos ebenso wohlhabender wie arroganter Bruder einen Vorschlag: Warum sie nicht eine „Night Nanny“, also ein Kindermädchen für die Nacht, engagieren, um wenigstens durchschlafen zu können? Marlo lehnt zunächst entrüstet ab. Eine fremde Frau komme ihr nicht ins Haus. Doch kaum ist das neue Baby auf der Welt, greift die verzweifelte Mutter auch schon zum Telefon. Noch am selben Abend steht Tully vor der Tür: jung, schön, freundlich, schlau und witzig. Keine Mühe ist ihr zu groß, keine Aufgabe zu abwegig. Liebevoll achtet sie auf das Baby, macht sauber und backt Plätzchen für die Kinder – all das, während Marlo schläft. Auch für eine gemeinsame Kneipentour hat sie Zeit. Marlo blüht förmlich auf. Plötzlich macht das Leben wieder Spaß, und auch ihr Sexleben mit Drew erhält neuen Auftrieb. „Tully“ ist nach „Juno“ (fd 38 618) und „Young Adult“ (fd 40 913) bereits die dritte Zusammenarbeit von Regisseur Jason Reitman und der Drehbuchautorin Diablo Cody. Man kann sich also auch hier darauf verlassen, dass die Dinge des Lebens ebenso humorvoll wie menschlich verhandelt werden. Im Rückblick entsteht sogar das Bild einer Trilogie, in der es um weibliche Selbstvergewisserung geht, ums Erwachsenwerden und der damit einhergehenden Verantwortung für andere. Schon in „Juno“ hatten die Filmemacher den Mythos der Schwangerschaft hinterfragt. Hier gehen sie noch einen Schritt weiter: Schwanger zu sein ist anstrengend, macht hässlich und schlapp. Charlize Theron veranschaulicht diese Prämisse als Marlo sehr deutlich. Einmal mehr nach „Monster“ (fd 36 452) beweist sie Mut zur Hässlichkeit und nimmt die Herausforderung einer extremen Körperlichkeit an. Schwerfällig steigt sie gleich zu Beginn die Treppe hinab, verschnauft mit kugelrundem Bauch und dicken Pausbacken auf dem Sofa. Das Bedauern über die verlorene Jugend verbindet den neuen Film mit „Young Adult“, in dem Theron ebenfalls schon die Hauptrolle spielte. Als sie nach der Schwangerschaft beim Joggen im Wald von einer jungen Frau überholt wird, versucht sie mitzuhalten, was nur kurz gelingt: Marlo ist älter geworden, ihr Körper will nicht mehr so wie früher, und er sieht auch nicht mehr so wie früher aus. Das ändert aber nichts an der aufopferungsvollen Liebe für ihre Kinder, insbesondere für Jonah, den sie seines Autismus wegen immer wieder verteidigen muss. Reitman/Cody setzen hier vor allem auf verhaltene Situationskomik mit witzigen Dialogen und popkulturellen Anspielungen. Genüsslich dekonstruieren sie den Alltag der Filmfigur, um ihr dann aus der Patsche zu helfen. Tully erscheint dabei mit ihrer Attraktivität und Energie, ihrem Elan und Ideenreichtum, ihrem Charme und ihrer Lebenstüchtigkeit wie das komplementäre Gegenstück zu Marlo und wird so zur Titelfigur des Films. Sie ist all das, was Marlo nicht ist. Oder besser: was Marlo gerne wäre. Für die sonst so gestresste Mutter kündigt sich ein neues Leben an, und das bemerkt auch Drew: „Ich liebe uns“, sagt er am Schluss – der vielleicht schönste Satz des Films.

Veröffentlicht auf filmdienst.deTULLYVon: Michael Ranze (10.5.2026)
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