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Paris Murder Mystery

107 minDrama, KrimiFSK 12
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Die amerikanische Psychiaterin Lilian Steiner lebt schon lange in Paris und hat sich dort über die Jahre einen Namen gemacht. Als eine ihrer langjährigen Patientinnen unter mysteriösen Umständen stirbt, ist sie tief schockiert. War es wirklich Suizid, wie die Polizei vermutet? Hat sie ihrer Patientin nicht ausreichend zugehört und die Zeichen übersehen? Zusammen mit ihrem Ex-Mann (Daniel Auteuil) stellt sie eigenmächtige Ermittlungen an und versucht auch mit Hilfe von Hypnose, Antworten zu finden. Doch spätestens, als in ihre Praxis eingebrochen wird, gerät auch ihr eigenes Leben außer Kontrolle.
  • Veröffentlichung16.04.2026
  • Rebecca Zlotowski
  • Frankreich (2025)
  • 6.3/10 (426) Stimmen

Jodie Foster spricht im neuen Film von Rebecca Zlotowski ziemlich akzentfrei und fließend Französisch. Doch das ist vor allem für diejenigen interessant, die „Paris Murder Mystery“ – der im Original „Vie privée“ heißt – in der ursprünglichen Version sehen. Jodie Foster spielt darin die US-Amerikanerin Lilian Steiner, die vor Jahrzehnten nach Paris emigriert ist. Sie ist von Beruf Psychoanalytikerin, hat einen französischen Ex-Mann (Daniel Auteuil), der Augenarzt ist, und mit ihm einen erwachsenen Sohn, der vor kurzem selbst Vater geworden ist. Ihr Ex-Gatte heißt Gabriel, ihr Sohn Julien, das Enkelkind Joseph. Lilian haust in einem schicken Altbauappartement am Boulevard de Courcelles.

Ihre Praxis und das Behandlungszimmer befinden sich hinter einer drehbaren Bücherwand in ihrer Wohnung. Doch am Tag, an dem die Erzählung von „Paris Murder Mystery“ einsetzt, bleibt eine der Patientinnen, die Lilian seit Jahren betreut – ihr Name ist Paula Cohen-Solal, gespielt wird sie von der einmal mehr wunderbar warmherzigen Virginie Efira, – dem üblichen Sitzungstermin bereits zum dritten Mal unentschuldigt fern.

Sorgen, Ärger und laute Musik

Lilian sitzt an ihrem großen Schreibtisch. Sie macht sich Sorgen und ärgert sich zugleich. Auch über die laute Musik, die aus der Wohnung der einige Stockwerke über ihr hausenden Wohngemeinschaft zu ihr dringt. Sie stapft die Treppe hoch, reklamiert, kehrt zurück in ihre Wohnung und hinterlässt der ferngebliebenen Patientin eine Telefonnachricht. Danach taucht bei Lilian unverhofft und unangemeldet ein anderer ihrer Patienten auf, den sie seit acht Jahren behandelt. Er hat vor kurzem eine Hypnotiseurin besucht und nach einer einzigen Sitzung bei dieser das Rauchen spontan aufgegeben. Er erzählt Lilian aufgeregt von seinem Erlebnis, wirft ihr Unvermögen vor und fordert von ihr alles Geld zurück, das er für seine bisherigen Behandlungen bezahlt hat.

Als ob dies nicht genug wäre für einen lausigen Tag, erfährt Lilian schließlich durch Paulas Tochter Valérie, dass ihre Mutter plötzlich und aus scheinbar unerklärlichen Gründen verstorben ist. Valérie lädt Lilian zur Totenwache ein. Ihr Vater Simon aber – er wird impulsiv gespielt von Mathieu Amalric – verbannt Lilian am nächsten Tag, kaum dass sie eingetroffen ist, wieder aus der Wohnung. Denn er ist nicht sicher ist, ob Paulas Tod – man vermutet Suizid – nicht doch etwas mit ihren Besuchen bei Lilian zu tun hat.

Fortan tränen Lilians Augen. Und damit beginnt in diesem Film, der seine Protagonistin anfänglich als scharfe Analytikerin und eine rigoros auf ihre Rechte pochende, nicht mehr junge Frau vorstellt, die im Umgang mit sich selber und ihren eigenen Gefühlen noch um einiges härter erscheint als im Umgang mit anderen Personen, eine ganz andere Geschichte. Diese ist mehrschichtig angelegt. Sie arbeitet mit Versatzstücken unterschiedlicher Genres, nimmt mehrmals auch eine überraschende Wende und entpuppt sich letztlich als so bizarrer wie immer auch wieder unerwartet humorvoller Selbstfindungstrip seiner Protagonistin.

Endgültig alarmiert

Im Zentrum von „Paris Murder Mystery“ stehen vorerst kriminalistische Nachforschungen. Kurz nach ihrem Besuch bei Paulas Familie erfährt Lilian, dass ihre Patientin an der Überdosis eines Beruhigungsmittels verstorben ist, das sie ihr wegen Schlafproblemen verschrieben hat. Die Verschreibung solcher Medikamente ist Psychiatern und Psychiaterinnen in den USA erlaubt, in Frankreich aber verboten, wie Lilians psychiatrischer Supervisor – er wird in lässiger Schnodderigkeit gespielt von Frederick Wiseman – ihr erklärt. Das alarmiert Lilian endgültig. Sie muss unbedingt herausfinden, ob sie an Paulas Tod mitschuldig ist. Hat sie Hinweise auf Paulas Suizidgefährdung übersehen? Oder ist ihr bei der Ausstellung des Rezepts ein Fehler unterlaufen?

Hinweise darauf könnten sich in der Aufzeichnung der letzten Sitzung finden, die Lilian – wie bei all ihren Patientinnen und Patienten – mit einem altmodischen Diktiergerät aufgenommen und auf Minidisc archiviert hat. Doch nach einem Einbruch in Lilians Wohnung ist die bewusste Minidisc verschwunden. Und das von Lilian für Paula ausgestellte Rezept, das weitere Hinweise enthalten könnte, scheint manipuliert worden zu sein. Da sowohl der Einbruch in Lilians Wohnung wie der Diebstahl der Minidisc den Verdacht auf ein Verbrechen verstärken, beginnt Lilian mit Unterstützung ihres Ex-Mannes zu ermitteln.

Doch richtig viel Spannung kommt bei diesem Erzählstrang nicht auf. Vielmehr scheint es, als ob Rebecca Zlotowski sowie die Drehbuchautorinnen Anne Berest und Gaëlle Macé daran bloß insofern interessiert waren, als er ihnen erlaubt, Lilian und ihren Ex-Mann Gabriel nach Jahren der Trennung in gegenseitiger Unterstützung einander – auch körperlich – wieder näherkommen zu lassen. Ähnliches gilt für die anfänglich distanzierte Beziehung zwischen Lilian und ihrem Sohn beziehungsweise ihrem Enkelkind, in die sich gegen Ende von Lilians Seite plötzlich auch Gefühle einschleichen.

Unter kundiger Anleitung der Hypnotiseurin

Dazu kommt auf einer dritten Ebene das im „deutschen“ Verleihtitel angedeutete und durch Lilians zweiten Patienten in seiner Erzählung über den Besuch bei der Hypnotiseurin eingebrachte Mysteriöse. Lilian, die in der Analyse ihrer Patientinnen und Patienten immer sehr klar ist, kommt mit der Analyse ihres eigenen Verhältnisses zu Paula alleine nicht klar. In ihrer Ausweglosigkeit wendet sie sich an dieselbe Hypnotiseurin wie ihr Patient. Unter deren kundiger Anleitung findet sie zu traumhaften Erinnerungen – oder Visionen –, die sie und Paula als Liebespaar zeigen und als Mitglieder eines von Paulas Mann dirigierten Orchesters zu Kriegszeiten mitten während eines Konzerts fliehen lassen.

Diese Aufsplitterung der filmischen Erzählung auf drei unterschiedliche Ebenen, die auf drei verschiedene Genres verweisen, ist per se spannend, vermag in der ineinander verschachtelten Art und Weise des Erzählens allerdings nicht ganz zu überzeugen. Zu vieles wird aufgegriffen und angedeutet, danach aber nur noch lose verfolgt und verläuft sich schließlich im Sand. Auch gelingt es der Regisseurin nicht wirklich, die drei Stränge in einem straffen Spannungsbogen zu vereinigen.

Was nicht heißt, dass „Paris Murder Mystery“ nicht unterhaltsam und zwischendurch sogar feinhumorig und lustig wäre. Vor allem die Szenen, in denen sich Jodie Foster und Daniel Auteuil in den Rollen von Lilian und Gabriel im Wissen um (liebe) alte Gewohnheiten und der Wiederentdeckung der (nie ganz erloschenen) gegenseitigen Zuneigung einander wieder näherkommen, sind oft sehr berührend. Und auch wenn sich darüber nicht der aufregende Hauch einer ersten Verliebtheit legt, sondern bloß das Wissen um eine beruhigende alte Vertrautheit, wirken diese Szenen einladend menschlich.

Starkes Zusammenspiel

Tatsächlich trumpft „Paris Murder Mystery“, der das letzte Geheimnis des Titels übrigens nie ganz klärt, vor allem mit seiner bis in die Nebenrollen prominenten Besetzung sowie dem starken Zusammenspiel aller Beteiligten auf. Er überzeugt zudem durch den feinen Sinn der Regisseurin für das bildlich augenfällig Komische sowie seinen immer wieder mitreißenden und schwungvollen Score. Das Beste an „Paris Murder Mystery“ ist allerdings tatsächlich Jodie Fosters großartige Darstellung der anfänglich gefühlskalt erscheinenden Mittfünfzigerin Lilian, die in der Originalversion des Filmes französisch parlierend und englisch fluchend im wirren Strudel und Trubel der Ereignisse wieder zu ihrem lange Zeit verschütteten Gefühlsleben findet.

Veröffentlicht auf filmdienst.deParis Murder MysteryVon: Irene Genhart (17.12.2026)
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