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We Bury the Dead

95 minThriller, HorrorFSK 18
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Nachdem der verheerende Test einer neuen Massenvernichtungswaffe des US-Militärs vor der Küste Tasmaniens eine halbe Million Menschen das Leben gekostet hat, erwachen einige der Todesopfer wieder zum Leben. Den Behörden zufolge geht von ihnen keine Gefahr aus. Zu den Freiwilligen, die das betroffene Gebiet auf der Suche nach Leichen durchkämmen, gehört auch Ava (Daisy Ridley), deren Ehemann seit dem Vorfall vermisst wird. In der Sperrzone wird das Bergungsteam allerdings schon bald mit der grausamen Realität konfrontiert: Die angeblich harmlosen Untoten werden nicht nur immer mehr, sondern mit jeder Stunde gewalttätiger, unerbittlicher und aggressiver ...
  • Veröffentlichung10.09.2025
  • Zak Hilditch
  • 6/10 (134) Stimmen

Das Zombie-Genre wurde in der jüngeren Vergangenheit jenseits der ausgetretenen Schocker-Pfade auch als meditative Auseinandersetzung mit Sterben und Verlust genutzt. Filme wie „Handling the Undead“ spielen bewusst mit Genreelementen, um persönliche Schicksalsschläge zu visualisieren. Der Tod fungiert hier als allgegenwärtige Zäsur, die potenzielle Rückkehr der Verstorbenen als Hoffnung in hoffnungslosen Zeiten. So transformiert sich ein Subgenre, das filmhistorisch auf gesellschaftliche Schieflagen und kollektive Verunsicherung reagiert hat (wie in Genrepionier „Dawn of the Dead“) zur individuellen Verlustgeschichte.

„We Bury the Dead“ beginnt mit einer Retrospektive, die sich leitmotivisch durch den Film zieht. Ava (Daisy Ridley) und Mitch (Matt Whelan) feiern ihre Hochzeit, getaucht in rotes Licht, als wäre die blutrünstige Katastrophe schon unheilschwanger in sie eingeschrieben. Jahre später wird diese dann Wirklichkeit, als eine experimentelle Waffe durch das US-Militär auf Tasmanien ausgelöst wird und auf einen Schlag über eine halbe Millionen Menschen sterben. Zu den vermissten, mutmaßlich verstorbenen Personen zählt auch Mitch, der auf Geschäftsreise im Süden der australischen Insel unterwegs war.

Eine Frau auf der Suche nach ihrem verschollenen Ehemann

Daraufhin meldet sich Ava freiwillig für Bergungsarbeiten in der Hauptstadt Hobart, in der verzweifelten Hoffnung, ihren Mann zu finden. Bereits im Flugzeug wird sie durch die verqueren Worte ihrer Sitznachbarin indirekt gewarnt: Manche Tote erwachen wieder zum Leben, erlangen gar ihre motorischen Funktionen zurück. Von ihnen gehe keine Gefahr aus, so die Behörden – ein Trugschluss in Filmen, deren Titel mit „(Un-)Dead“ enden.

In Australien angekommen, soll sie nun Leichen finden und identifizieren. Dafür schließt sie sich Clay (Brenton Thwaites) an, der mit beinah unheimlicher Freude und einem Vorschlaghammer in die verwaisten Häuser steigt. Ihre Gegensätzlichkeit wird schon bei der ersten Begegnung allzu offensichtlich; seine grobe Umtriebigkeit bestärkt die rationale Ava darin, ihn auf einem Motorrad gen Süden in die evakuierte Sperrzone zu begleiten, um ihren Mann zu finden.

Menschlichkeit in den Augen?

Immer wieder verweilt die Kamera auf den Augen von Ava, wie um in den „Spiegeln der Seele“ die Verzweiflung der Figur sichtbar werden zu lassen. Wenn sie den regungslosen „Rückkehrern“ gegenübersteht, um in ihren untoten Gesichtern und in ihren blutunterlaufenen Augen nach Resten der Menschlichkeit zu suchen, dann spiegeln sich ihre Fassaden ineinander.

Avas emotionale Talfahrt wird zusätzlich durch die zahlreichen Rückblenden akzentuiert, in denen sukzessive enthüllt wird, dass die Beziehung zu ihrem Ehemann vorbelastet war und Worte unausgesprochen blieben. Was spannungsdramaturgisch etwas unelegant wirkt: Wenn man sich schon des Zombie-Genres bedient, um von Verlustschmerz und Reue zu erzählen, sollte man den Genre-Parametern zwischen postapokalyptischer Tristesse und zunehmend aggressiv werdenden Kreaturen vertrauen und sie nicht mit Ehedrama-Rückblicken versetzen, die Avas inneren Konflikte etwas allzu eindeutig ausbuchstabieren. Dabei ist Daisy Ridleys Spiel durchaus eindringlich genug, um auch ohne diese Exkurse in die Vorgeschichte die Gefühlswelt der Figur zu transportieren.

Den Tod umgehen

Dass die Situation irgendwann eskaliert, scheint in der chaotisch-verwüsteten Umgebung als gegeben, zumal die Zombies ihre aufkommende Aggressivität mit unangenehmem Zähneknirschen ankündigen – ein gelungener Einfall auf der Soundebene. Regisseur Zak Hilditch, der mit dem Endzeit-Thriller „These Final Hours“ bereits einen stringenten Genrebeitrag vorgelegt hat, schafft es aber nicht, die drohende Gefahr konsequent zu verdichten. Originelle Bilder findet Kameramann Steve Annis nur partiell, etwa in einer fulminanten Verfolgungsjagd zwischen Ava und einem Zombie durch das Wrack eines Busses, die aus der Vogelperspektive gezeigt wird.

Stattdessen gerinnt „We Bury the Dead“ streckenweise zu einem reinen Drama um unausgesprochene Gedanken, Verlustängste und Abhängigkeiten, die menschliche Abgründe freilegen. Wie so oft geht die eigentliche Gefahr in Zombiefilmen und -serien weniger von den Untoten als von den Lebenden aus. Das bekommt auch Ava zu spüren, als sie von dem Soldaten Riley (Mark Coles Smith) genötigt wird, das Kleid seiner infizierten Ehefrau zu tragen, um ihm einen letzten Tanz zu ermöglichen. Ein verzweifelter Akt, um die Toten nicht begraben zu müssen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deWe Bury the DeadVon: Felix Knorr (20.4.2026)
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