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Filmplakat von What happens later

What happens later

103 min | Komödie, Lovestory | FSK 12
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Zwei ehemalige Liebende, Bill (David Duchovny) und Willa (Meg Ryan), werden über Nacht auf einem regionalen Flughafen eingeschneit. Da ihr Flug unbestimmt verschoben ist, finden sich Willa, eine verträumte Denkerin, und Bill, ein katastrophaler Denker, genauso von- und zueinander hingezogen und genervt wie Jahrzehnte zuvor. Doch während sie das Rätsel ihrer gemeinsamen Vergangenheit entschlüsseln und ihre Leben mit den einstigen Träumen vergleichen, fragen sie sich, ob ihre Wiedervereinigung bloßer Zufall ist oder etwas Verzaubertes.

Filmkritik

Im Vorspann zu „What Happens Later“ umschmiegen sich tänzelnd zwei animierte Schneeflocken. Sie versprechen einen Gefühlstaumel, von dem die beiden Protagonisten noch weit entfernt sind. Willa (Meg Ryan) und Bill (David Duchovny) waren vor langer Zeit ein junges Paar, das sich schließlich unschön trennte. Als sie sich nun auf einem Provinzflughafen sehen, auf dem beide wegen eines Schneesturms notlanden mussten, verstecken sie sich erstmal instinktiv voreinander. Es gibt auch gerade Wichtigeres zu tun, etwa einen Anschluss für das Handy-Ladegerät finden. Bill steckt dafür skrupellos eine elektronische Anzeigetafel aus, die für eine neue Romantic Comedy wirbt.

Mit Filmen wie „Harry und Sally“ zählte Meg Ryan ab den späten 1980er-Jahren dank ihrer quirlig kauzigen, manchmal auch etwas enervierenden Art zu den Stars der romantischen Komödie. Ihre zweite Regiearbeit hat Ryan nun der verstorbenen Regisseurin Nora Ephron gewidmet, für die sie in „Schlaflos in Seattle“ und „E-mail für Dich“ vor der Kamera stand. Allerdings knüpft „What Happens Later“ nicht direkt an jene Erfolge an, sondern verschiebt die Erzählperspektive und bleibt konzentrierter. Denn während sich das Genre meist um jüngere Paare und ihre vielleicht glorreiche Zukunft dreht, steht bei dem Wiedersehen von Ryans über 60-jährigen Protagonisten vor allem das Vergangene im Mittelpunkt.

Demonstrative Ablehnung, brennende Neugier

Umso klassischer ist die Figurenkonstellation, bei der Gegensätze zunächst ordentliche Reibungen verursachen, bevor sie sich anziehen. Willa ist ein bisschen verplant, esoterisch und vergesslich, weswegen sie als Gedächtnisstütze auf ihren Schuh kritzelt. Bill ist dagegen rational und kontrolliert. Wie ein typischer Geschäftsmann könnte man meinen, wäre da nicht das verstrubbelte Haar als letztes Überbleibsel einer verhinderten Rockstar-Karriere. Als sich die beiden doch in die Arme laufen, winden sie sich regelrecht während des Gesprächs. Sie versuchen sich in Small Talk, sticheln ein wenig, machen sich gegenseitig Vorwürfe und lassen hinter der demonstrativen Ablehnung doch eine brennende Neugier für den anderen erkennen.

Obwohl der Film auf einem Theaterstück von Steven Dietz basiert, wird der Kammerspiel-Charakter zumindest in der ersten Hälfte geschickt kaschiert. Zwischen den vorbeihuschenden Silhouetten anderer Fluggäste sind Willa und Bill zwar die einzigen Figuren des Films, aber ihre Kabbeleien und Geständnisse verleihen den Gesprächen eine charmante Dynamik. Zudem sind es oft kleine, aber hilfreiche Regieeinfälle, die der Geschichte die Statik nehmen: mehrmalige Sitzplatzwechsel, bei denen sich die beiden immer näher kommen, Spaziergänge durch den Flughafen oder ein allegorisches Bild für das flüchtige Wiedersehen, bei dem Bill auf einer Rolltreppe konsequent in die falsche Richtung läuft, um bei Willa bleiben zu können.

Nur wegen eines Missverständnisses

Die Story bleibt insgesamt ein wenig schematisch und die Protagonisten werden manchmal holprig zueinandergeführt. Beide haben etwa Probleme mit ihren Töchtern und erfahren nach und nach, dass sie sich damals nur wegen eines Missverständnisses getrennt haben. Ryan und Duchovny verkörpern die Anziehung jedoch mit weiser Souveränität als natürlich und unvermeidbar. Die Ex-Geliebten haben den Vorteil, den anderen trotz oberflächlicher Veränderungen gut zu kennen. Bills Tick, sich sorgenvoll am Kinn zu kratzen, ist für die wissende Willa wie ein Schlüssel zu seiner Seele.

Je mehr die Handlung voranschreitet, desto verlassener wird auch der Flughafen. Wegen des irrealen Settings und der sonderbaren Atmosphäre fragt man sich gar, ob die beiden nicht vielleicht im Fegefeuer gelandet sind, wo sie auf ewig mit ihren Fehlern von einst ringen. Dazu passen auch die göttlich anmutenden Durchsagen, die als Running Gag auf rhetorische Fragen antworten oder auch mal hilfreiche Hinweise geben. Im Gegensatz zu Nora Ephrons Filmen gibt es hier keine Nebenfiguren oder ein spezifisches Milieu, das porträtiert wird. Die Protagonisten sind ganz für sich allein, auch wenn es ihnen nicht über die gesamte Spielzeit gelingt, den Film problemlos zu tragen.

Die Vergangenheit hat ihre Narben hinterlassen

Als Schlussbild sind zwei Flugzeuge zu sehen, die in entgegengesetzte Richtungen fliegen, dabei aber mit ihren Kondensstreifen ein Herz bilden. Romantik steht in „What Happens Later“ für eine Sehnsucht, die nicht mehr zwangsläufig mit der Hoffnung verknüpft ist, erfüllt zu werden. Die Vergangenheit hat ihre Narben hinterlassen, Reue und Ernüchterung haben sich mit den Jahren ausgebreitet. Und doch inszeniert der Film die Zweisamkeit mit schneeverhangener Kulisse, leuchtenden Augen und einem gelösten Tanz fast wie im Märchen. Der Unterschied liegt jedoch in der Lebenserfahrung. Statt noch einmal in falschen Träumen für die Zukunft zu schwelgen, genießen Willa und Bill lieber ihren zauberhaften Moment.

Erschienen auf filmdienst.deWhat happens laterVon: Michael Kienzl (15.5.2024)
Vorsicht Spoiler-Alarm!Diese Filmkritik könnte Hinweise auf wichtige Handlungselemente enthalten.
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