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Wild Foxes

94 minDramaFSK 12
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In einem Sportinternat im ländlichen Frankreich träumt der junge talentierte Boxer Camille von einer Zukunft im Profisport. Camille ist ehrgeizig, gilt als unschlagbar im Ring – und füttert heimlich Füchse im angrenzenden Wald. Als er bei einem seiner Waldausflüge von einem Felsen abstürzt, überlebt er nur deshalb knapp, weil ihn sein bester Freund Matteo rettet. Nach schneller Genesung wird Camille zunehmend von unerklärlichen Schmerzen heimgesucht, die sein Training beeinträchtigen und seinen Traum von einer Karriere bedrohen. Auch die Beziehung zu seinem Team verschlechtert sich, denn in der Welt der jungen Boxer gibt es für Schwäche keinen Platz. Als ein wichtiges Turnier in Brüssel ansteht, setzt Camille alles auf eine Karte – und setzt dabei auch seine Freundschaft mit Matteo aufs Spiel…
In Valéry Carnoys dynamischem Spielfilm brilliert Frankreichs Jungstar Samuel Kircher (IM LETZTEN SOMMER) in der Rolle eines aufstrebenden jungen Sportlers, der lernen muss, dass sich in der Männerwelt des Boxsports das Gesetz des Stärkeren gegen einen selbst wenden kann. Ein packender Film über Freundschaft, Mut und die Kraft, für sich einzustehen.

Cam (Samuel Kircher) hat nur wenige Quadratmeter, aber die gehören ihm. Er tänzelt, teilt aus, steckt ein, weicht geschmeidig harten Hieben aus. Nie hängt er lange in den Seilen, immer findet er seinen Weg aus der Ecke. Er hat Ausdauer, kann deshalb seinen Gegner zermürben und auf den richtigen Moment für den K.o.-Schlag warten. Das ist seine bewährte Strategie und dafür wird Cam im Sportinternat gefeiert. Bald finden die Schulwettkämpfe statt, danach soll er in Brüssel bei den Europameisterschaften im Ring stehen. Sein Trainer Bogdan (Jean-Baptiste Durand), die Jungs im Team, der Schuldirektor setzen auf ihn. Cam ist der Champ und sein Glanz strahlt auf alle ab. „Dein Sieg ist mein Sieg!“, sagt sein bester Freund Matteo (Faycal Anaflous) und ist in diesem Moment so stolz, als hätte man ihm die Medaille um den Hals gehängt.

Eine fundamentale Erschütterung

„Wild Foxes“, der im Original den schönen Titel „La danse des renards“ – „Der Tanz der Füchse“ trägt, ist kein klassischer Sportfilm, auch wenn sich Cam, der eigentlich Camille heißt, über das Boxen definiert und die Geschichte auf einen finalen Kampf hinausläuft. Es geht vielmehr um eine fundamentale Erschütterung: Bei einem Streifzug durch den nahegelegenen Wald stürzt Camille in einen Abgrund. Er reißt sich dabei den rechten Unterarm auf und überlebt, weil Matteo ihn findet und ins Krankenhaus schleppt. Die Wunde ist schnell verheilt, die lange Narbe wird wie eine Trophäe bewundert. Doch obwohl physiologisch alles in Ordnung ist, plagen ihn fortan heftige Schmerzen – und bald auch Panikattacken. Sie packen ihn, drücken ihn zu Boden, schnüren ihm die Kehle zu. Er fühlt sich „wie ein Lappen“.

Camille leuchtet nicht mehr und das wird ihm nicht verziehen. Die Jungs halten ihn für einen Simulanten, der um Aufmerksamkeit buhlt. Sein Trainer erklärt ihm, dass man als Spitzensportler den Schmerz überwinden muss. Und Matteo schämt sich für seinen Kumpel, der plötzlich Kämpfe abbricht und die Anfeindungen seiner Mitschüler wortlos erträgt, statt sich handfest zu wehren.

Starke Körperlichkeit, die noch erprobt werden muss

Natürlich geht es hier auch um Männlichkeit, die ihren Ausdruck in einer starken Körperlichkeit findet, aber auch noch erprobt werden muss. Und wen haben Camille und die anderen Jungen als Vorbilder? Trainer Bogdan ist fair, aber er will Erfolge und setzt auf Disziplin. Der Vater ist abwesend und offenbar auch der Grund, warum Camille mit dem Boxen anfing. Eine Narbe an seinem Knie stammt von ihm. Halt findet er nur bei Yasmine (Anna Heckel), die neu an der Schule ist, Trompete spielt und ihm zeigt, dass man Sport und das Leben auch anders angehen kann, und beim Hausmeister, der dem angstgeschüttelten Jungen nachts eine Tasse Tee in die klammen Hände drückt.

Der Körper ist also alles. Seine Kraft, Widerstandsfähigkeit, seine Resilienz gegenüber Schmerz. Die Kamera klebt bei den Kämpfen an den jungen Boxern, blickt dabei immer wieder in die noch weichen Gesichter. Und wenn sie in der Umkleide ihre Siege feiern, kann man das Testosteron fast sehen. Sie posieren vor der Handykamera und üben sich in halbstarken Ritualen. Doch mitunter scheint etwas Zartes und Weiches durch, vor allem bei Camille, etwa wenn er im Wald den kleinen Fuchs beobachtet, den er und Matteo regelmäßig mit Fleischbrocken anlocken. Die Begegnungen mit dem wilden Tier sind ihr Geheimnis. Seit Kindheitstagen sind sie Freunde, sie vertrauen aneinander.

Sie teilen das Schicksal der Füchse im Wald

Einmal spielt Matteo „Via del Campo“ des italienischen Liedermachers Fabrizio De André vor, ohne zu wissen, wovon es handelt. Das Lied, erklärt er, erinnere ihn an seinen Vater, der es geliebt und manchmal beim Zuhören geweint habe. Camille und Matteo wissen viel voneinander, doch sie teilen in Bezug auf ihre Verbundenheit das Schicksal der Füchse im Wald, die irgendwann zur Jagd freigegeben werden.

Und so erzählt der belgische Regisseur Valéry Carnoy in seinem ebenso dicht und sensibel inszenierten wie auch spannungsgeladenen Debütfilm vor allem eine Geschichte über das Erwachsenwerden, in der ein junger Mann mit seiner eigenen Verletzlichkeit konfrontiert wird. Camille gerät an seine Grenzen, treibt sich mit allem, was er hat, darüber hinaus, um schließlich seinen eigenen Weg zu finden.

Veröffentlicht auf filmdienst.deWild FoxesVon: Kirsten Taylor (14.5.2026)
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