Vorstellungen
Filmkritik
Sie werden so schnell groß. Kaum haben die Gestaltwandler im ersten „Woodwalkers“-Film ein paar Abenteuer bestanden, sind im zweiten Teil alle Probleme verschwunden, die ihre duale Existenzform zwischen Mensch und Tier so mit sich brachte – und so interessant machte. Carags Zimmergenosse Brandon verwandelt sich nachts nicht mehr unwillkürlich in einen Bison, und sogar die Streitigkeiten und Rivalitäten zwischen Pflanzen- und Fleischfressern spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. „Woodwalkers 2“ legt seinen Schwerpunkt unter der Regie von Sven Unterwaldt jr. vielmehr auf die Suche nach Zugehörigkeit in den Familien, auf den Konflikt der Freundinnen rund um den Puma-Gestaltwandler Carag (Emile Chérif) und seinen ehemaligen Mentor, den machthungrigen Andrew Milling (Oliver Masucci).
Ein durchsichtiges Spiel
Milling kann Carag davon abhalten, vor dem Woodwalker-Rat gegen ihn auszusagen, weil er ihm als Gegenleistung verspricht, ihn zu seiner „eigentlichen“ Familie im Nationalpark Yellowstone zu führen. Brandon, Holly (Lilli Falk) und Lou (Sophie Lelenta) haben Carag zuvor gewarnt. Zu durchsichtig ist Millings Spiel, der doch nur seine eigenen Interessen verfolgt. Carags Freude beim Kontakt mit seinen Puma-Eltern fällt allerdings zurückhaltend aus, denn sein Vater will immer noch nicht akzeptieren, dass Carag unter Menschen oder wenigstens unter Woodwalkers in Menschengestalt leben möchte. Später führt eine Verletzung dazu, dass die beiden sich doch noch annähern. Gleichzeitig leidet Holly darunter, dass sie nie eine Pflege- oder Adoptivfamilie gefunden hat. Als ihr Vormund (Tom Schilling) auch noch droht, sie von der Clearwater High School zu nehmen, wo sie unter den anderen Woodwalkers sein kann, wird die Lage für sie richtiggehend bedrohlich.
Die Fortsetzung hält sich nicht lange mit Erklärungen auf. Wer oder was die Woodwalkers sind, wird weitgehend vorausgesetzt; die wichtigsten Punkte aus dem ersten Film werden aus dem Off oder etwas ungelenk in den Dialogen noch einmal zusammengefasst.
Echte Konflikte kommen nicht auf
Allerdings werden auch die Dynamiken zwischen den Figuren als bekannt und geronnen vorausgesetzt. Die Freundschaft zwischen Carag, Holly und Brandon lässt sich zwar aus ihrem gemeinsamen Vorgehen gegen Milling erschließen, in der direkten Interaktion wird sie jedoch nie glaubhaft. Dafür müsste man sie auch mal streiten sehen, doch echte Konflikte kommen gar nicht erst auf. Der Vertrauensbruch von Carag durch sein Verhalten vor dem Woodwalker-Rat wird zwar von Lou thematisiert, aber alle scheinen nur milde genervt zu sein. Stattdessen verschwindet Lou narrativ im Hintergrund, während Tikaani (Olivia Sinclair) als „Love Interest“ an ihre Stelle tritt. Dieser Wechsel scheint den anderen Freundinnen von Carag allerdings kaum einen Kommentar wert zu sein.
Was sind denn das für Freundschaften? Und was für Familien? Die Auseinandersetzung mit seiner Familie reicht bei Carag gerade mal für eine knappe Minute Konversation, in der Plattitüden ausgetauscht werden. Und Väter haben anscheinend stets nur wenig Verständnis für ihre Söhne, während die Mütter sich nach dem emotionalen Wohlergehen erkundigen. Familie ist gewiss kein unwichtiges Thema, aber „Woodwalkers 2“ handelt es noch sträflicher ab als die späteren „Fast & Furious“-Filme.
Es fehlt auch jede Leichtigkeit. Immerhin geht es um Teenager, die doch Quatsch machen und über die Stränge schlagen sollten, nicht unbedingt durch das Übertreten von Schulregeln, sondern einfach nur, indem sie auch mal ein wenig impulsiv oder gerne auch leidenschaftlich sein dürften. Doch nichts davon hat der Film. Stattdessen trocken-hölzerne Dialoge, denen man die Mühe förmlich anmerkt, sie mit gebotenem Ernst auszusprechen.
Kaum Dynamik oder Verbundenheit
Wenn es dann gefühlig oder ernst werden soll, hebt im Hintergrund sofort die Musik an, damit auch jeder merkt, dass es gerade wichtig wird. Das ist in gewisser Weise auch dringend nötig, denn zwischen den Figuren wird fast nie eine Dynamik oder Verbundenheit spürbar. Selbst Martina Gedeck wirkt so, als verstehe sie nicht so ganz, warum es sie in diese Ecke der Alpen, die als Rocky Mountains herhalten müssen, verschlagen habt.
Mit einem Wort: Es ist alles sehr langweilig. Aber das sind müßige Klagen gegenüber der kalkulierten Zielsetzung des Films. Mit zwei Beiträgen zur Reihe „Die Schule der magischen Tiere“ hat Sven Unterwaldt jr. gezeigt, dass er computeranimierte Tiere hinreichend vorlagengetreu auf die Leinwand bringen kann. Mit „Woodwalkers 2“ liefert er wie bestellt ab und erzählt getreulich die Geschichte weiter, die einem jugendlichen Publikum aus der Buchreihe von Katja Brandis bekannt ist. Große Sorgen um den Erfolg muss er sich nicht machen: „Woodwalkers“ hielt sich 2024 in einem mit großen Produktionen gut gefüllten Weihnachtsgeschäft wochenlang ganz oben in den Kinocharts. Auch diesem Film wird es im etwas luftigeren Jahresanfangsgeschäft wohl gut ergehen, allen Mängeln zum Trotz.










