Zum Hauptinhalt springen

A Wolf Among the Swans

110 minDramaFSK 12
Tickets
Szenebild von A Wolf Among the Swans 1
Szenebild von A Wolf Among the Swans 2
Szenebild von A Wolf Among the Swans 3
Szenebild von A Wolf Among the Swans 4
Szenebild von A Wolf Among the Swans 5
Szenebild von A Wolf Among the Swans 6
Szenebild von A Wolf Among the Swans 7
Szenebild von A Wolf Among the Swans 8
Szenebild von A Wolf Among the Swans 9
Szenebild von A Wolf Among the Swans 10
„A Wolf Among the Swans“ erzählt die Geschichte von Thiago Soares, einem Jungen aus den Vororten von Rio de Janeiro, der dem Hip-Hop den Rücken kehrt und seinen Weg in die Welt des klassischen Balletts findet. Sein Lebensweg nimmt durch die turbulente Beziehung zu seinem Mentor, dem Kubaner Dino Carrera, unerwartete Wendungen. Unter dessen Anleitung entwickelt Thiago sein außergewöhnliches Talent und wird zu einem Star, als er Erster Solist beim Royal Ballet in London wird.

Filme, die sich mit Lebensgeschichten von Menschen auseinandersetzen, die es gegen viele Widerstände dennoch an die Spitze der Ballettkunst schaffen, gehören zu den reizvollsten Werken. Sie überzeugen meist nicht nur mit grandiosen Tanzdarbietungen, sondern erzählen auch vom starken Durchhalte- und Durchsetzungswillen der Protagonisten. Von ihrem Kampfgeist, ihrer Resilienz und ihrer Fähigkeit, im Tanz Emotionen sichtbar zu leben. „Nurejew - The White Crow“ von Ralph Fiennes zählt zu diesen Filmen, oder „Maos letzter Tänzer“ von Bruce Beresford. Zu dieser Palette gehört auch „Yuli“ von Icíar Bollaín, über den der in den Armenvierteln von Havanna aufgewachsene Carlos Acosta, der es zum Primo Ballerino des Royal Ballet London schaffte. Eine ähnliche Geschichte präsentieren Marcos Schechtman und Helena Varvaki in „A Wolf Among the Swans“, in dessen Zentrum der Brasilianer Thiago Soares (gespielt von Matheus Abreu) steht.

Abhängen mit der Hip-Hop-Clique

Soares ist 1981 in Rio de Janeiro geboren. Als man ihn im Film das erste Mal sieht, ist er 15 Jahre alt und haust im Garten seiner kinderlosen Tante in einer Art Schuppen. Er geht noch zur Schule und wird von der Tante zum Jobben in den Supermarkt geschickt. Am liebsten aber hängt Soares abends mit seiner Clique ab, einer Horde dem Hip-Hop frönender Jugendlicher, unter denen Soares einer der besten Performer ist. Das fällt auch anderen auf, und als sein bester Freund Julio ihn darauf stößt, dass sich als Balletttänzer regulär Geld verdienen lässt, lässt er sich dazu drängen, zum ersten Mal die Räume der Ballettschule zu betreten.

Obwohl die Leiterin (Margarida Vila-Nova) Soares freundlich begrüßt und ihm anbietet, dass er am nächsten Tag an einem Training teilnehmen darf, wofür sie sogar ein Tanzdress und Ballettschuhe zur Verfügung stellt, ist Soares überzeugt, mit Ballett nichts anfangen zu können. Doch dann entdeckt er beim Verlassen der Schule die junge Germana beim Training. Als sie ihn bittet, ihr kurz behilflich zu sein, willigt er spontan ein. Das ist nicht nur der Anfang einer Lovestory, sondern auch der von der Transformation eines Hip-Hoppers in einen klassischen Balletttänzer.

Ab dem folgenden Tag ist Soares mehr oder weniger regelmäßig in der Ballettschule anzutreffen. Er fällt zwar durch mangelnde Eleganz und rüde Umgangsformen auf und scheut sich auch nicht, den Lehrern zu widersprechen. Doch er besitzt gleichzeitig Charme und Charisma, und die Direktorin glaubt in ihm großes Potenzial zu erkennen. Sie stellt Soares dem kubanischen Ballettmeister Dino Carrera (Darío Grandinetti) vor, dem zwar Soares’ Verhalten nicht gefällt, der aber nach anfänglichem Zögern doch zustimmt, sein Mentor zu werden. 1998 verhilft Carreras Training dem inzwischen 17-jährigen Jugendlichen binnen weniger Monate zu der nötigen Fitness für seinen ersten Tanzwettbewerb in Paris.

Ein übergroßes Ego

Varvaki und Schechtman erzählen Soares’ Geschichte mit Fokus auf seinen widerspenstigen Charakter und sein übergroßes männliches Ego. Ins Bild geraten dabei immer wieder die harten und nicht selten aus dem Ruder laufenden Auseinandersetzungen zwischen Soares und Carrera, sowie zwischen Soares und der Leiterin der Tanzschule. Wiederholt wird auch die erotische Anziehung thematisiert, die Soares auf Tänzerinnen ausübt. Tatsächlich enthält „A Wolf Among the Swans“ nicht weniger als drei Sexszenen, deren einzige Funktion darin zu bestehen scheint, Soares’ Heterosexualität von Carreras’ Homosexualität abzugrenzen und zu betonen, dass Männer grundsätzlich alles tanzen können, wie im Film mehrfach betont wird. Ein Nebenstrang streift auch die in den 1990er-Jahren nach wie vor virulente Aids-Thematik und führt gegen Ende zu einer letzten, unerwartet berührenden Auseinandersetzung zwischen Soares und Carrera.

Relativ wenig Raum bekommt in „A Wolf Among the Swans“ das, was in anderen Filmen über große Tänzer und Tänzerinnen oft im Mittelpunkt steht: das innere Ringen der Protagonisten mit sich selbst und parallel dazu das nicht selten erschöpfende, aber zum Erreichen tänzerischer Höchstleistung unabdingbare körperliche Training. Der Film zeigt Soares über weite Strecken weniger als leidenschaftlichen Tänzer denn als maßlos von sich überzeugten und deswegen auch arrogant wirkenden jungen Mann, der Anweisungen seines Mentors ignoriert, schamlos Grenzen überschreitet und sein eigenes Verhalten kaum hinterfragt.

Schauspielerisch geht das weitgehend auf. Margarida Vila-Nova überzeugt in der Rolle der Tanzschulleiterin mit Ruhe und Warmherzigkeit. Der Argentinier Darío Grandinetti verkörpert Carrera mit einer Art gütiger Strenge, die neben bodenständigen Auseinandersetzungen auch Versöhnung zulässt. Die Rolle von Thiego Soares wurde Matheus Abreu anvertraut, der kein professioneller Tänzer und mit 1,80 Metern Körpergröße für einen Tänzer auch ziemlich groß ist. Zwar vermag er tänzerisch sowohl in den Hip-Hop- als auch in den Ballett-Szenen zu überzeugen. Doch etwas fällt in „A Wolf Among the Swans“ dennoch störend ins Auge. Der bei den Dreharbeiten 26 Jahre alte Abreu verströmt eine seinem Alter entsprechende männliche Reife. Diese schimmert allerdings auch in den Szenen durch, die Soares als fast zehn Jahre jüngeren Teenager zeigen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deA Wolf Among the SwansVon: Irene Genhart (4.5.2026)
Über filmdienst.de Filmdienst.de, seit 1947 aktiv, bietet Filmkritiken, Hintergrundartikel und ein Filmlexikon zu neuen Kinofilmen aber auch Heimkino und Filmkultur. Ursprünglich eine Zeitschrift, ist es seit 2018 digital und wird von der Katholischen Filmkommission für Deutschland betrieben. filmdienst.de