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Filmkritik
„Belleville Cop“ – das klingt nach „Beverly Hills Cop“, und das deutsche Filmplakat imitiert bewusst den zweiten Teil der Trilogie. Weil hier ein schwarzer und ein weißer Polizist zusammenarbeiten müssen und einer von ihnen sich zudem in einem fremden Umfeld bewegt, nennt der Titeldarsteller noch „Lethal Weapon“ als Vorbild, gerne wäre er auch so wie „Dirty Harry“.
Natürlich fallen einem noch andere Filme ein, „Nur 48 Stunden“, „Bad Boys“ und, wegen des Drehorts, „Miami Vice“. Doch die Vielzahl der Bezugspunkte hilft bei den Überlegungen nicht weiter. Denn die Vorbilder dienen nicht als liebevolle Hommage oder ironische Persiflage, sie werden weder umgedeutet noch in einen neuen Zusammenhang gestellt. Regisseur Rachid Bouchareb zitiert nach Belieben und versucht so, das Publikum mit dem, was es an Versatzstücken kennen kann, abzuholen. Doch der Vergleich mit den Vorbildern fällt ernüchternd aus.
Eine Kokain-Route von Afrika nach Miami
Bouchareb erzählt die Geschichte von Baaba Keita, einem schwarzen Polizisten, der sich im multikulturellen Pariser Stadtteil Belleville mit seiner dominanten Mutter und seiner zickigen chinesischen Freundin Lin herumschlagen muss. Ausgerechnet bei einem Versöhnungsessen mit Lin wird Baabas Freund Roland, der in Florida einer Kokain-Schmuggelroute zwischen Afrika und Miami auf der Spur war, vor ihren Augen erschossen. Wer bislang glaubte, sich in einer Komödie zu befinden, wird durch die skrupellose Brutalität dieser Szene eines anderen belehrt.
Um die Mörder und ihre Hintermänner dingfest zu machen, fliegt Baaba nach Miami, die quengelnde Mama im Schlepptau. Dass sie gleich am Flughafen von einem Chauffeur mit Limousine abgeholt werden und dann in einer Villa am Strand unterkommen, ist nur eine der Unglaubwürdigkeiten, die der Film zumutet.
Damit der französische Flic sich an US-amerikanische Gepflogenheiten hält, wird ihm der Police Detective Ricardo zur Seite gestellt. Der hat allerdings keine Lust auf anstrengende Ermittlungen und will erst recht nicht den Babysitter für den eigenmächtigen Franzosen spielen. Baaba recherchiert trotzdem. Die Spur führt zu einer afrikanischen Wohltätigkeitsorganisation und in höchste Botschaftskreise.
Vieles bleibt fragmentarisch
Gegen Ende verlegt der Film den Schauplatz in einen fiktiven afrikanischen Staat, in dem es häufiger zu unfreiwilligen Regierungswechseln kommt. Sehr viel Sinn macht das alles nicht. Die Inszenierung vermag die Disparatheit der Elemente nicht harmonisch zusammenzufügen. Vieles bleibt fragmentarisch, einige Szenen werden ausführlich vorbereitet, aber nicht zu Ende erzählt. Überdies lenken die Streitereien mit Mutter und Freundin von der eigentlichen Kriminalhandlung ab, für deren Fortgang die Macher kein Interesse zeigen. Am Ende gibt es einen banalen Showdown auf einem Flugplatz in Afrika.
Den Witz der Vorbilder, auf den sich Bouchareb zu Beginn noch bezog, sucht man vergeblich – kein origineller Esprit, keine schlagfertigen Wortspiele, stattdessen nur Kalauer. Der visuelle Humor beschränkt sich hingegen auf die kunterbunten Hawaii-Hemden der Titelfigur. Dafür fängt die Kamera immer wieder die Skyline von Miami ein, mit Strand und Meer im Hintergrund. Eine zusätzliche Attraktion, die von der Schwäche des Konzepts ablenken soll, ansonsten aber keine dramaturgische Funktion erfüllt.
Titeldarsteller Omar Sy muss nach einigen missglückten Komödien aufpassen, dass er sein Charisma nicht in albernen Filmen wie diesem verschleißt. Die ganze Zeit nur zu grinsen, um kein Misstrauen zu erwecken, ist dann doch zu wenig.










