Zum Hauptinhalt springen

Herrscher der Zeit

78 minAnimation, Abenteuer, Science FictionFSK 6
Tickets
Szenebild von Herrscher der Zeit 1
Szenebild von Herrscher der Zeit 2
Szenebild von Herrscher der Zeit 3
Szenebild von Herrscher der Zeit 4
Szenebild von Herrscher der Zeit 5
Szenebild von Herrscher der Zeit 6
Szenebild von Herrscher der Zeit 7
Szenebild von Herrscher der Zeit 8
Szenebild von Herrscher der Zeit 9
Szenebild von Herrscher der Zeit 10
Nach einem Raumschiffabsturz auf dem Planeten Peridede ist der siebenjährige Piel plötzlich auf sich allein gestellt. Auf dem unwirtlichen Planeten sieht er sich immer wieder den Angriffen von Riesenhornissen ausgesetzt, die schon seine Eltern töteten. Seine einzige Hoffnung ist das Funkgerät, das ihm sein Vater überließ. Er hält Kontakt zu seinem väterlichen Freund Jaffar, der mit seiner Crew bereits auf dem Weg ist, um Piel zu retten. Auf dem Weg nach Peridide lauern einige Gefahren auf die rettende Crew und eine unerwartende Überraschung.

Eine Geschichte des französischen Science-Fiction-Autors Stefan Wul hatte schon bei René Lalouxs Zeichentrickfilm "Der wilde Planet" Pate gestanden. Dieser Film folgt dessen Roman "Das Waisenkind von Perdide" und ist von "Moebius", einem renommierten Zeichner anspruchsvoller Comics gestaltet worden. Es ist die Geschichte des achtjährigen Jungen Piel, der bei einem Unfall auf dem Planeten Perdide zum Waisenkind wird. Claude, der Vater, kann gerade noch einen Hilferuf ins All absetzen, den sein Freund Jaffar auffängt. Während der kleine Piel nun auf dem seltsamen fremden Planeten viele Gefahren überstehen muß, vor allem dem Zugriff der gefürchteten Hornissen von Perdide zu entkommen sucht, macht Jaffar sich auf die Suche nach Perdide. Dazu braucht er die Hilfe des alten Silbad, der als galaktischer Vagabund auf dem Planeten Devil`s Ball heimisch geworden ist. Silbad hat nämlich einmal auf Perdide gelebt. Er verspricht zu helfen. Die beiden brechen zur Rettungsaktion auf, der sich auch noch zwei blinde Passagiere - bizarre Gnome namens Yud und Jad - anschließen, die Jaffar später aus der Falle der Xuls auf Gamma 10 heraushelfen, zunächst aber eine Menge Unsinn anstellen, sozusagen für den Humor zuständig sind. Schließlich werden unsere Freunde von einem gigantischen Magnetfeld angezogen und finden sich wieder im Innern eines gigantischen Hospital-Planeten, der von den sogenannten "Meistern der Zeit" betrieben wird. Hier kommen sie dem Rätsel der Zeit und der Lösung für die Rettung des kleinen Piel endlich näher. Die "Meister der Zeit" haben den Planeten Perdide kolonisiert, allerdings indem sie ihn 60 Jahre in der Zeit zurückgestellt haben: der kleine Piel und der Greis Silbad sind ein und dieselbe Person. Der Alte war zu seiner eigenen Rettung herbeigeeilt, die natürlich längst geschehen war.

Dieses verwirrende Spiel mit dem Zeitbegriff, mit dem die Geschichte von dem "Waisenkind von Perdide" als Kreis geschlossen wird, enthält die Pointe, aber zugleich auch das hauptsächliche Problem der Geschichte. So schön diese Kreisstruktur sein mag und die klassische Paralellmontage der Abenteuer des kleinen Jungen, der die Rettung erwartet, und der Erlebnisse der Retter originell auflöst, so problematisch ist sie bei einem auch für ein Kinderpublikum gedachten Film für das Aufnahme- und Verständnisvermögen zumindest der kleineren Kinder. Die betörende Synthese von Alter und Kindheit, die hier angeboten wird, ist doch eine recht komplizierte "philosophische" Konstruktion. Freilich zieht die Geschichte von den "Meistern der Zeit" und dem Waisenkind von Perdide vor allem in Grafik und Animation alle Register dessen, was in Europa derzeit an Zeichentrick gehobenen Anspruchs möglich ist. Eine vielfältige, spannende Abenteuergeschichte mit bizarren Wesen und ebensolchen Gefahren wird dramaturgisch pointiert erzählt und ist grafisch einfallsreich umgesetzt. Da gibt es keine simplen Ballereien und schließlich gibt es neben dem endlosen Weltraum noch die überschaubaren, nicht weniger spannenden Abenteuer des achtjährigen Piel auf dem Planeten Perdide, mit dem man sich identifizieren kann. Die grafischen Prunkstücke der Geschichte aber sind die kosmischen Kobolde Yul und Jad, die einem nach all den schleimigen "creatures" in diversen Science-Fiction-Filmen so richtig ans Herz wachsen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deHerrscher der ZeitVon: Karl Klusen (26.6.2026)
Über filmdienst.de Filmdienst.de, seit 1947 aktiv, bietet Filmkritiken, Hintergrundartikel und ein Filmlexikon zu neuen Kinofilmen aber auch Heimkino und Filmkultur. Ursprünglich eine Zeitschrift, ist es seit 2018 digital und wird von der Katholischen Filmkommission für Deutschland betrieben. filmdienst.de