Vorstellungen
Filmkritik
Schon die Eingangssequenz des Films rafft geschickt zusammen, was ihn im Ganzen charakterisiert: Spannung, Aufregung und Härte in einer kriminalistischen Gefahrenzone, weich vermischt mit Herz und entspannt durch Überlistungsspaß und Typenkomik. Dazu kommt, daß sich der Effekt verdoppelt in den kräftigen Rangeleien zwischen einer korrekten Polizeibürokratie und dem bulligen Kripokommissar Rizzo, mit Spitznamen "Plattfuß" (Bud Spencer), der außerhalb der Legalität erfolgreiche Eigentore schießt und dafür sorgt, daß es nicht an knisternder Stimmung fehlt. Sein erster Punktsieg ist die Verhaftung eines Farbigen, der vom Dach eines Hochhauses in Neapel in die Gegend ballert. Rizzo stoppt, um sein Leben zu schonen, den Schießbefehl seines Vorgesetzten und überwältigt den Tobsüchtigen mit Grips und Vertrauen auf seine schlagkräftige Wunderwaffe, die knallharten Fäuste seiner Zweizentnerstatur. Sie bringen reihum alles k. o. auf die Matte, ohne einen Schuß abgeben zu müssen. Er läßt den kleinen Fischen Luft und Vorteile, auch mit Tips gegen die eigene Polizei, und macht sich schließlich die hauseigene Mafia Neapels zunutze, die nicht ungern Schützenhilfe leistet, wenn eine neue Marktkonkurrenz im Anmarsch ist. Auf diese Weise gelingt es Rizzo gerade noch rechtzeitig, einen gefährlichen Rauschgiftring zu stoppen, ehe er sich in Neapel ansiedeln kann.
Die turbulente Keilerei im Schiffslagerraum mit bocksteifgefrorenen Fischen als Wurfgeschossen ist ein Höhepunkt der im Komikstil überzogenen Aktionen, bei denen Schädel und Knochen krachen. Mit diesen Kintop-Gags wird das insgesamt brutale Grandmuster seiner Realitätswirkung weitgehend entzogen. Das Problem liegt anderswo: Nachdem der Film Rizzo alle Sympathien zuspielt, favorisiert er einen Faustrechthelden und seine illegalen Übergriffe. Er ist den im zulässigen Polizeirahmen operierenden Kollegen immer um eine Nasenlänge voraus, besitzt eine reine, gegen Korruptionsversuche kugelsichere Weste, in seinem persönlichen Einsatz stecken Mut, Phantasie, Berufserfahrung und hinter seinem bulligen Wesen verbirgt sich eine Menge Gemüt und trockener Humor. Was seine Gegenspieler im Kripokommissariat dagegen aufzubieten haben, ist eher ärgerlich. Die penetrante Korrektheit seines Chefs begünstigt die Übeltäter und erweckt sogar den Verdacht der Komplizenschaft. Erwachsene werden dieses Image nicht im rechtfertigenden Sinne auf Rizzos Schläger-Soli und sonstige Eskapaden übertragen und "Plattfuß"-Kommissaren eine Chance wünschen, zudem die Kulisse Neapels den artfremden Effekt verstärkt. Bei einer bestimmten Gruppe männlicher Jugendlicher, für die Bud Spencer längst zur imponierenden Identifikationsfigur geworden ist, ist jedoch zu befürchten, daß mit der emotionalen Begeisterung für den Star auch die in seiner Rolle liegende bedenkliche Selbstanmaßung geschluckt wird. So bereitet die Altersfreigabe der FSK ab 16 Jahren Mißbehagen.
