



- Veröffentlichung01.01.2017
- RegieAntonio Campos
- ProduktionsländerFrankreich
- Dauer123 Minuten
- GenreDramaBiographie
- Cast
- IMDb Rating6/10 (11491) Stimmen
Vorstellungen
Filmkritik
Schnitzlers "Liebelei", ein kurz vor der Jahrhundertwende geschriebenes Stuck bittersüßer Wiener Empfindsamkeit, handelt von der Liebesbeziehung zwischen einem Burgermädchen und einem Galan, der gerade sein Verhältnis mit einer verheirateten Frau beendet hat. Was bei Schnitzler bloße Andeutung bleibt, spielt der Film breit als zusätzliche Handlung aus. Aus dem leichtfertigen Mann ist ein Leutnant geworden. Und was in dem Wort "Liebelei" zum Ausdruck kommt, nämlich die halb unbewußte Täuschung eines ehrlichen Gefühls, wurde zu einer sentimentalen Liebesgeschichte, wie sie die Courths-Mahler hätte erfinden können. Der Leutnant muß sich mit dem Gatten seiner früheren Geliebten duellieren und fällt. Zurück läßt er das süße Wiener Mädel, das nun seinerseits sich vom Balkon stürzt, als es die Fanfaren der Dragoner hört, die zum Dienst reiten. Schnitzler zeigt davon nichts, wie auch nichts von der früheren Liebesbeziehung des Verführers. Alles ist im Film vergröbert, ist in Handlung aufgespalten. Eine handfeste Geschichte ist so entstanden, für die es auch bezeichnend erscheint, daß die Freundin der Christine, die Mizzi, sich wie ein richtiges Flittchen aufführt. Wie ist überhaupt eine Freundschaft zwischen dem unberührten jungen Mädchen und dieser doch ziemlich ordinären Person denkbar? Den Regisseur dieses Films hat solche Ungereimtheit offensichtlich nicht gestört. Ebenso nicht die Geschmacklosigkeit, Christine beim Probesingen auf der Bühne ausgerechnet mit dem "Ave Maria" auftreten zu lassen. Nur ein Ziel wird erkennbar: Gefühlsfassade, woher auch immer sie bezogen werden kann. Dazu paßt die Besetzung der Hauptrolle, denn Romy Schneider versteht sich schon routiniert auf äußerliche Wirkung, auf eine falsche Lieblichkeit, der man ansieht, daß sie "gemacht" ist. Ihr fehlt das lyrisch Weiche. Selbst wenn sie bittere Tränen vergießt, spürt man die Bewußtheit. Von ihrem jungen Gegenspieler (es ist ein Franzose) läßt sich nur sagen, daß er wie ein uniformierter Liftboy wirkt. Auch ihm fehlt es sichtlich an der Fähigkeit, Empfindungen glaubhaft zu machen, beziehungsweise die von der Rolle her geforderte Leichtfertigkeit überzeugend als Empfindung zu tarnen.
