Zum Hauptinhalt springen

Christine

Tickets
Szenebild von Christine 1
Szenebild von Christine 2
Szenebild von Christine 3
Szenebild von Christine 4
Christine, die bei einem Kleinstadt-Nachrichtensender in Florida arbeitet und immer die klügste Person im Raum ist, will unbedingt die Nachrichten präsentieren. Als aufstrebende TV-Journalistin mit einem Auge für Nuancen und großem Interesse für soziale Gerechtigkeit liegt sie ständig mit ihrem Boss im Clinch, der nur auf Sensationsstorys aus ist, die die Quote nach oben treiben. Geplagt von Selbstzweifeln und einem turbulenten Privatleben, schöpft Christine neue Hoffnung, als ihr ein Mitarbeiter, der als Nachrichtensprecher arbeitet, seine Freundschaft anbietet – woraus sich jedoch nur eine weitere unerwiderte Liebe entwickelt. Als ihre Welt endgültig zusammenbricht, trifft Christine völlig desillusioniert eine drastische Entscheidung ...

Schnitzlers "Liebelei", ein kurz vor der Jahrhundertwende geschriebenes Stuck bittersüßer Wiener Empfindsamkeit, handelt von der Liebesbeziehung zwischen einem Burgermädchen und einem Galan, der gerade sein Verhältnis mit einer verheirateten Frau beendet hat. Was bei Schnitzler bloße Andeutung bleibt, spielt der Film breit als zusätzliche Handlung aus. Aus dem leichtfertigen Mann ist ein Leutnant geworden. Und was in dem Wort "Liebelei" zum Ausdruck kommt, nämlich die halb unbewußte Täuschung eines ehrlichen Gefühls, wurde zu einer sentimentalen Liebesgeschichte, wie sie die Courths-Mahler hätte erfinden können. Der Leutnant muß sich mit dem Gatten seiner früheren Geliebten duellieren und fällt. Zurück läßt er das süße Wiener Mädel, das nun seinerseits sich vom Balkon stürzt, als es die Fanfaren der Dragoner hört, die zum Dienst reiten. Schnitzler zeigt davon nichts, wie auch nichts von der früheren Liebesbeziehung des Verführers. Alles ist im Film vergröbert, ist in Handlung aufgespalten. Eine handfeste Geschichte ist so entstanden, für die es auch bezeichnend erscheint, daß die Freundin der Christine, die Mizzi, sich wie ein richtiges Flittchen aufführt. Wie ist überhaupt eine Freundschaft zwischen dem unberührten jungen Mädchen und dieser doch ziemlich ordinären Person denkbar? Den Regisseur dieses Films hat solche Ungereimtheit offensichtlich nicht gestört. Ebenso nicht die Geschmacklosigkeit, Christine beim Probesingen auf der Bühne ausgerechnet mit dem "Ave Maria" auftreten zu lassen. Nur ein Ziel wird erkennbar: Gefühlsfassade, woher auch immer sie bezogen werden kann. Dazu paßt die Besetzung der Hauptrolle, denn Romy Schneider versteht sich schon routiniert auf äußerliche Wirkung, auf eine falsche Lieblichkeit, der man ansieht, daß sie "gemacht" ist. Ihr fehlt das lyrisch Weiche. Selbst wenn sie bittere Tränen vergießt, spürt man die Bewußtheit. Von ihrem jungen Gegenspieler (es ist ein Franzose) läßt sich nur sagen, daß er wie ein uniformierter Liftboy wirkt. Auch ihm fehlt es sichtlich an der Fähigkeit, Empfindungen glaubhaft zu machen, beziehungsweise die von der Rolle her geforderte Leichtfertigkeit überzeugend als Empfindung zu tarnen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deChristineVon: L-nn (29.12.2025)
Über filmdienst.de Filmdienst.de, seit 1947 aktiv, bietet Filmkritiken, Hintergrundartikel und ein Filmlexikon zu neuen Kinofilmen aber auch Heimkino und Filmkultur. Ursprünglich eine Zeitschrift, ist es seit 2018 digital und wird von der Katholischen Filmkommission für Deutschland betrieben. filmdienst.de