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Der Duft von wildem Thymian

103 minDrama, Lovestory
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Die eigensinnige Farmerin Rosemary hat es sich in den Kopf gesetzt, das Herz ihres verschrobenen Nachbarn Anthony zu erobern. Der scheint jedoch ganz andere Dinge im Kopf zu haben und nimmt die Avancen seiner schönen Verehrerin überhaupt nicht wahr. Die meiste Zeit verbringt er mit seinem Vater Tony, dessen ungnädiger Plan es ist, die Familienfarm an seinen amerikanischen Neffen Adam zu verkaufen. Doch was soll dann aus Anthony werden? Es wird Zeit, dass sich der Eigenbrötler entscheidet, wie und mit wem er den Rest seines Lebens verbringen will...
  • Veröffentlichung01.01.2023
  • John Patrick Shanley
  • 5.2/10 (127) Stimmen

Wo die Hügel stattgrün, die Kühe wie aus der Kerrygold-Werbung und die Maiden rothaarig und eigensinnig sind, da ist – nicht das echte Irland!! Der jüngste Film von Autor und Regisseur John Patrick Shanley, eine auf der grünen Insel spielende Romanze, hat beim irischen Publikum einen regelrechten Shitstorm ausgelöst, weil sie fröhlich auf jede Authentizität pfeift; besonders erbost hat man sich über die völlig unpassenden Akzente einiger Schauspieler*innen, etwa über den der (Londoner) Hauptdarstellerin Emily Blunt. Diese Einwände gegen den Film sind natürlich völlig richtig - dürften jenseits von Irland allerdings nur wenige Zuschauer stören.

Irland als Sehnsuchts-Projektionsfläche

Schon beim dem Film zugrunde liegenden Bühnenstück „Outside Mullingar“, das ebenfalls der irisch-stämmige US-Amerikaner Shanley geschrieben hat, unterschieden sich die eher negativen Reaktionen aus Irland von den oft positiven Kritiken aus den USA, wo das Drama 2014 am Broadway Premiere hatte: Die Irland-Klischees, die Shanley bedient, stießen dort nicht bitter auf, stattdessen schaute man eher auf den allgemein-menschlichen Gehalt, bei dem es um Verwurzelung, Familie und die Verwirrungen der Liebe geht. Statt des realen Irlands prägt die Verfilmung die Irland-Sehnsucht eines Iro-Amerikaners (in der Handlung gespiegelt durch die Figur eines von Jon Hamm verkörperten, irisch-stämmigen US-Geschäftsmanns, der mit dem Traum von einer Farm in Irland liebäugelt), wofür die Familiengeschichte des Autors/Regisseurs den Input liefert. Außerdem scheint „Der Duft von wildem Thymian“ stark beeinflusst vom verklärenden Irland-Film eines anderen Iro-Amerikaners, John FordsDer Sieger“ aus dem Jahr 1952 – Shanley drehte nicht nur wie Ford vor allem im County Mayo, sondern greift auch diverse Motive aus dem älteren Film auf, bis hin zu der legendären Liebesszene im Regen.

„Mondsüchtig“ lässt grüßen

Dem Drehbuch merkt man Shanleys Expertise in Sachen romantische Komödie an, die ihm einst einen „Oscar“ für sein Drehbuch zu „Mondsüchtig“ einbrachte. Wobei „Der Duft von wildem Thymian“ einmal mehr davon profitiert, dass das im Zentrum stehende Liebespaar (gespielt von Emily Blunt und Jamie Dornan) von einer Reihe starker Nebenfiguren flankiert und ergänzt wird; was in „Mondsüchtig“ die lebenskluge Olympia Dukakis war, ist hier Christopher Walken als kauzige Vater-Figur, der das vielleicht anrührendste Liebesgeständnis des Films vorbehalten bleibt. Und wie in „Mondsüchtig“ wird auch hier wieder effektvoll klassische Musik verwendet (diesmal eine Liebe der weiblichen Hauptfigur zu „Schwanensee“), um die Gefühle der Figuren augenzwinkernd zu kommentieren und zugleich zu überhöhen.

Wer gehört wohin – und zu wem?

Blunt spielt die junge Farmerin Rosemary Muldoon, die seit Kindertagen romantische Gefühle für den Sohn der benachbarten Reillys, Anthony (Jamie Dornan), hegt. Als erwachsener Mann hat dieser nun auch ein Auge auf die tatkräftige, bodenständige Frau geworfen, ist sich allerdings seiner selbst viel zu unsicher, zu scheu und zu unzufrieden mit sich und seiner Situation, um es zu wagen, jenen couragierten Annäherungsversuch zu starten, auf den Rosemary wartet. Seit dem Tod seiner Mutter lebt Anthony allein mit seinem bärbeißigen Vater (Christopher Walken) auf der gemeinsamen Farm und hadert damit, wo er eigentlich hingehört; der Vater spürt das und plant nun kurzerhand, das Anwesen an seinen Neffen aus den USA (Jon Hamm) zu verkaufen. Was Anthony wiederum auch nicht passt, der sich trotz allem mit der Farm verwurzelt fühlt. Als auf der Nachbarsfarm Rosemarys Vater stirbt und auch sie herausgefordert ist, sich zu fragen, wo sie denn eigentlich hin will mit sich und ihrem Leben, kochen Reibereien, Missverständnisse und Sehnsüchte zwischen den Figuren hoch und sorgen für ähnliche Turbulenzen wie das wechselhafte irische Wetter.

Der Zauber des wilden Thymians

Shanley balanciert das Ganze zwischen genüsslichem Herzschmerz und Komik aus, getragen von Darstellern, die keinerlei Anspruch auf „Irischkeits“-Authentizität machen können, aber die Gefühlswirren ihrer Charaktere so verkörpern, dass man problemlos mit ihnen schmachten und aufs Happy End hoffen kann. Dass auf dem Weg dorthin wenig äußeres Konfliktpotenzial da ist – die Hindernisse, die sich dem Glück entgegenstellen, existieren lediglich in den sturen Köpfen der Figuren – gibt dem Ganzen eine angenehm unaufgeregte, sanfte Atmosphäre. Ähnlich wie in „Mondsüchtig“ der Song „That’s Amore“ den Tonfall vorgab, ist es hier der im Titel herbei zitierte Folksong „Wild Mountain Thyme“, der den atmosphärischen roten Faden liefert. Auch er ist tatsächlich kein Stück traditionelle irische Volksmusik, sondern die erst im 20. Jahrhundert erdachte, auf Inspiration aus Schottland zurückgreifende Ballade eines nordirischen Musikers. Schön ist er trotzdem.

Veröffentlicht auf filmdienst.deDer Duft von wildem ThymianVon: Felicitas Kleiner (19.5.2026)
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