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Der perfekte Schein - Der Fall Bojarski

128 minDrama, Krimi, HistorieFSK 16
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Im Frankreich der Nachkriegszeit verkörpert Reda Kateb den polnischen Flüchtling Jan Bojarski, der sich zum genialsten Geldfälscher seiner Epoche entwickelt. In seinem Hinterhof produziert er über anderthalb Jahrzehnte nahezu perfekte Banknoten – so überzeugend, dass sie selbst die Banque de France nicht vom Original unterscheiden kann.​​ Doch die Flut des Falschgelds ruft Kommissar Mattei (Bastien Bouillon) auf den Plan, dessen unerbittliche Jagd auf den unbekannten Meisterfälscher in ein nervenaufreibendes Katz‑und‑Maus-Spiel mündet, bei dem Bojarski immer größere Risiken eingeht – bis seine gesamte Existenz auf dem Spiel steht.

Man bezeichnet ihn als „Cézanne der Notenfälscher“. Die wenigen Blüten, die von Czesław Bojarski heute noch im Umlauf sind, erzielen auf Auktionen schwindelerregende Preise. Der Film „Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski“ erzählt aus dem Leben des auch unter dem Vornamen Jan bekannten Geldfälschers, der zu den besten Fälschern des 20. Jahrhunderts zählte.

Der 1912 in Polen geborene Bojarski studierte Ingenieurkunst und Architektur. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er zum Militärdienst eingezogen und landete in ungarischer Gefangenschaft. Anfang der 1940er-Jahre gelang ihm die Flucht nach Frankreich. Da er sich amtlich nicht ausweisen konnte, schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch. Mit dem Fälschen von Pässen und Passierscheinen verdiente er sich etwas dazu.

Blütenweißes Spezialpapier

Der Film über Bojarski setzt zehn Jahre später ein, mit einer in einem Wald spielenden Szene, in der eine Handvoll maskierter Ganoven einen staatlichen Werttransport überfällt. In dem von Polizisten auf Motorrädern eskortierten Panzerwagen befindet sich allerdings weder Gold noch Geld, sondern „bloß“ das für den Druck von Geldnoten benutzte Spezialpapier.

Diese Szene ist so gekonnt und actionreich wie in einem Heist-Movie inszeniert. Die Räuber setzen zunächst die beiden Motorradfahrer außer Gefecht. Während drei von ihnen mit dem Fahrer und seinen Begleitern kämpfen, knacken die anderen die gepanzerte Wagentür. Einer von ihnen zieht angesichts des blütenweiß vor ihm liegenden Papiers seine Maske hoch: Bojarski, ein von Reda Kateb elegant und meist sehr beherrscht, zwischendurch aber auch einfühlsam gespielter Mann. Tags darauf überschlagen sich die Tageszeitungen mit reißerischen Artikeln.

Der biografische Film von Jean-Paul Salomé führt vorerst aber nicht weiter, sondern blendet zurück. Er erzählt stark gerafft, wie Bojarski, der nicht nur ein einfallsreicher Erfinder, sondern auch ein begnadeter Pianist ist, in einer Bar Suzanne (Sara Giraudeau) kennenlernt. Die beiden verlieben sich, heiraten und bekommen zwei Kinder. Zunächst wohnen sie im Haus von Suzannes Eltern. Bojarski schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Nebenbei tüftelt er an Erfindungen wie einem modernen Füller, einem elektrischen Rasierapparat oder einer Kaffeemaschine, deren Patentierung ihm verwehrt ist, weil er keine Papiere besitzt.

Um seine finanzielle Lage zu verbessern, beginnt er. Geld zu fälschen, ohne seine Frau ins Vertrauen zu ziehen. Zunächst nutzt er eine Rumpelkammer in der Garage, in der auch sein polnischer Freund Anton (Pierre Lottin) arbeitet. Als die Polizei der Herkunft der Blüten auf die Schliche kommt und zum Sturm auf die Garage ansetzt, gelingt es Bojarski, unbeobachtet zu entkommen und etliche der zur Herstellung des Falschgeldes benötigten Utensilien und Maschinen zu retten. Fortan wohnt er mit seiner Familie in einem eigenen Haus in der Nähe von Paris. Unter dem Vorwand, selbständig zu arbeiten, richtet er sich im Gartenhaus eine Tüftler-Werkstatt und in einem verborgenen Untergeschoss eine nur von ihm betriebene Notenmanufaktur ein. Sein Doppelleben verkompliziert sich dadurch und lässt ihn zunehmend einsamer werden.

Eine süffige Mischung

Jean-Paul Salomé hat „Der perfekte Schein - Der Fall Bojarski“ als süffige Mischung aus biografischem Film, Heist Movie und Krimi über weite Strecken im Stil eines Film noir inszeniert. Der Film taucht tief in die Kunst der manuellen Notenfälschung ein und zeigt detailgenau, wie Papier zubereitet, Druckplatten geritzt, Noten gedruckt und getrocknet wurden. Er deckt aber auch auf, wie die französische Notenbank ständig neue Geld-Editionen in Umlauf brachte, um Geldfälschern das Handwerk zu legen. In den Jahren, in denen Bojarski als Fälscher tätig war, erschienen drei neue Ausgaben: die Edition Minerva und Herkules, von der Bojarski im Jahr 1950 1000-Francs-Scheine anfertigte, die Edition Erde und Meer, von der er 1958 5000-Francs-Scheine in Umlauf brachte; sowie nach Einführung des neuen französischen Franc 1959 die 100-Franc-Note der Edition Bonaparte. Seine Geldnoten waren nahezu perfekt, weshalb die wenigen noch heute existierenden Exemplare bei Auktionen so hohe Preise erzielen.

Der Kommissar, der Bojarski nachstellt, heißt André Mattéi (Bastien Bouillon). Der energiegeladene Ermittler weiß jahrelang nicht, wie Bojarski aussieht. In einer Szene sitzen die beiden plaudernd in einer Bar, ohne dass Mattei den Gesuchten erkennen würde. Die Inszenierung zeigt die Auseinandersetzungen der beiden Männer als spannendes Katz-und-Maus-Spiel, schildert zugleich aber auch die wachsende Einsamkeit beider Männer. Bei Mattei manifestiert sich das in Form gescheiterter Ehen. Etwas unklarer liegt die Sache bei Bojarski. Der fertigt nicht nur seine Noten im Alleingang in seinem Kämmerlein, sondern bringt die Fälschungen auch weitgehend selbst in Umlauf. Bis zum Ende des Films wird nie ganz klar, ab wann und inwieweit die von Sara Giraudeau verhalten gespielte Suzanne in seine Machenschaften eingeweiht ist oder zumindest etwas ahnt.

Schillerndes Porträt eines Fälschers

Obwohl der Fokus auf der Kunst des Notenfälschers und dem kriminellen Aspekt seines Doppellebens liegt, gelingt der Inszenierung auch die Schilderung von Bojarskis innerem Drama, dessen Lebensweg stark von den Ereignissen der Zeit geprägt ist. Ein fesselnder Film, der sich an französischen Klassikern wie „Der eiskalte Engel“, „Wenn es Nacht wird in Paris“ und „Rififi“ orientiert, aber auch Anlehnungen an Filme von Michael Mann und Francis Ford Coppola erkennen lässt. Im Kern aber entwirft „Der perfekte Schein - Der Fall Bojarski“ das schillernde Porträt eines genialen Fälschers.

Veröffentlicht auf filmdienst.deDer perfekte Schein - Der Fall BojarskiVon: Irene Genhart (31.7.2026)
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