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Filmkritik
Der Anfang ist fast idyllisch. Die portugiesische Steilküste, Sandbuchten, blauer Himmel, Windsurfer. Ein junges Mädchen zündet sich unbeholfen eine Zigarette an und kommt mit einem deutschen Jugendlichen ins Gespräch. Doch dann beendet sie fast panisch die Unterhaltung. Jeanne (Julia Hummer) ist keine normale Jugendliche. Sie lebt immer auf der Flucht. Ihre Eltern Hans (Richy Müller) und Clara (Barbara Auer) werden steckbrieflich als Terroristen gesucht.
Jeannes Heimat ist der Untergrund. Sie hat nie eine Schule besucht, niemals das streng abgezirkelte Dreieck Vater-Mutter-Kind verlassen. Diese Enge einer lebenslangen Zwangsgemeinschaft vermitteln die drei Schauspieler auf faszinierend beklemmende Weise: in den an RAF-Kader erinnernden Familiengesprächen, im Widerwillen, der sich im Gesicht der Tochter spiegelt, wenn sie am Knarren und Ächzen hört, dass sich die Eltern nach heftigem Streit wieder dem Geschlechtsverkehr hingeben.
Ein doppeldeutiger Titel
Der Titel des Films ist doppeldeutig: Zum einen meint er die innere Sicherheit eines Staates, den die ehemaligen Terroristen in den 1970er-Jahren durch Gewalt in die Knie zwingen wollten, und der Jahre danach immer noch versucht, die Terroristen von einst im Untergrund aufzuspüren. Zum anderen aber auch die zerbrechliche und klaustrophobische innere Sicherheit der drei Protagonisten, die immer fragwürdiger wird, je stärker sich Jeanne vom Kind zur jungen Frau entwickelt.
Die drei müssen Portugal verlassen, denn die Polizei ist ihnen auf der Spur. Da auch kein Geld mehr von ehemaligen Sympathisanten kommt, entscheiden sie sich Jahrzehnte nach der Flucht, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Dort wollen sie Geld auftreiben und sich dann in Brasilien eine neue Existenz aufbauen. Doch die Freunde von früher wollen von den ehemaligen Untergrundkämpfern nichts mehr wissen. Es gibt kein Geld und keine legalen Perspektiven. Misstrauen und Paranoia wachsen. Als Jeanne zufällig den jungen Mann aus Portugal wiedertrifft, nimmt die Katastrophe ihren Lauf.
Christian Petzold zeigt ein kaltes Deutschland: Die Grenze am Rhein erinnert an Heines Wintermärchen - Deutschland, bedrohlich und fremd, eine bleierne, erstarrte Gesellschaft, die der Film facettenartig in den Begegnungen der ehemaligen Terroristen mit ihren ehemaligen Freunden inszeniert: dem arrivierten Rechtsanwalt oder einem alkoholkranken linksliberalen Verleger - von der Protestgeneration ist nur noch wenig geblieben. Insgesamt herrscht eine große Verlorenheit vor.
Ein Leben im Schattenreich
"Die innere Sicherheit" ist ein Film ohne Hoffnung. Für Jeanne sind die Gleichaltrigen fremd. Eine der beeindruckendsten Szenen zeigt sie, wie sie sich heimlich in einen Schulraum schleicht. Die gelangweilten Schüler sehen die Schlusssequenz von „Nacht und Nebel“ (1955), und ein cholerischer Lehrer reklamiert brüllend die Abwesenheit seiner Schüler.
Regisseur Christian Petzold erzählt die Geschichte von Untoten. Clara und Hans existieren in einem Schattenreich und leben nur noch dafür, einem Polizeiapparat auszuweichen, der da zuschlägt, wo er ohnehin nichts mehr zu gewinnen hat. Dieses Schattenreich inszeniert der Film brillant über die distanzierte Kamera von Hans Fromm - über die Distanz zur Aktion, wenn etwa der Hubschraubereinsatz der Polizei aus dem weit entfernten Waldweg gezeigt wird, oder der Banküberfall nur über die starre Perspektive der Videoüberwachungskamera.
"Die innere Sicherheit" ist einer der konsequentesten und bedrückendsten Filme zum Thema deutscher Terrorismus, lyrisch-kalt, aber gerade in seiner Distanziertheit mitreißend. Petzold gehört zu der Generation, die mit der Hysterie des deutschen Herbstes, Steckbriefen und Fahndungsaufrufen, groß geworden ist; Co-Autor Harun Farocki studierte zusammen mit dem RAF-Gründungsmitglied Holger Meins, der später an den Folgen eines Hungerstreiks starb. Diese biografische Erfahrung zweier unterschiedlicher Generationen hat zur beeindruckenden Dichte des Films sicherlich beigetragen.

