Die Teufel - Director’s Cut










- Veröffentlichung16.09.1971
- RegieKen Russell
- Cast
- IMDb Rating7/10 (11885) Stimmen
Vorstellungen
Filmkritik
Kaum einer seiner Kollegen - das sei Regisseur Ken Russell zugestanden - besitzt gegenwärtig ein solches Übermaß an neurotischer Phantasie und trivialer Vermessenheit wie der 43jährige Brite, der seine Filme beharrlich zum wahnsinnigen, gigantischen Kitsch aufbläst; Russell ist ein Virtuose des Vulgären, ein blasphemisches, geschmackloses Monstrum, provozierend und lächerlich zugleich. Man sollte da mit künstlerischen und moralischen Urteilen nicht zu voreilig sein: schon seit dem späten Mittelalter gibt es (inzwischen längst als moralisch anerkannte) Kunstwerke, die weitaus blasphemischer oder auch "obszöner" sind als Russells Filme und denen "Geschmacklosigkeit" vorzuwerfen einfach töricht wäre. (Bosch z. B. ist wohl nie "geschmackvoll" gewesen!) Doch - und das ist das Fatale an den "Teufeln", Blasphemie und Geschmacklosigkeit sind Russells fanatisch verfolgtes Ziel, nicht seine Methode. Was aus Aldous Huxleys Roman "Die Teufel von London" unter Russells Regie entstand, ist nur ein unappetitlich-bombastisches Kitsch-Produkt, ein aufwendiger Sado-Pornofilm, viel zu oberflächlich, um den erhobenen Ansprüchen irgendwie gerecht zu werden, Russell fehlt jedes historische oder philosophische Bewußtsein. Bezeichnend ist schon die frappierende Ähnlichkeit der "Teufel" mit seinem letzten Opus über Tschaikowskij. Ganze Sequenzen ließen sich aus einem Film schneiden und in den anderen einmontieren, ohne daß ein Bruch entstehen würde. Für Russell besteht da offensichtlich kein Unterschied, ob er eine Künstlerbiografie in Genie-und-Wahnsinn-Manier erzählt oder politische Machtkämpfe und religiösen Fanatismus in der Zeit Richelieus beschreibt. Der Stoff dient ihm nur als Aufhänger für die spekulative Darstellung sexueller Neurosen, für die ihm jedes Mittel recht ist, mag es noch so verlogen, effekthascherisch und albern sein. Die Geschichte von Pater Grandier, der von politischen Intrigen seiner Landesherren und sexuellen Hysterien eines Nonnenklosters vernichtet wird, ist für Russell nur Anlaß zu einem blutrünstigen, schwülstig-obszönen Melodram, zum sadistischen Sex-Spektakel. Man mag sich von den "Teufeln" angewidert fühlen oder auch aus ironischer Distanz über den Kitsch lachen, nur Protest-Aktionen sind kaum berechtigt: sie messen dem Film ein Gewicht bei, das er nicht hat, sondern nur vortäuscht - und diese Vortäuschung ist das Ärgerlichste an ihm.

