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Eine Stürmische Affäre

98 minKomödieFSK 12
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Der Seismologe Rocco ist ein eigentlich glücklich verheirateter Mann in seinen besten Jahren, der seine Freitagabende mit Schach-Boxen verbringt – bis er eines Tages die junge Mutter Lea kennenlernt und nicht lange zögert, eine Affäre mit ihr zu beginnen. Doch die eifersüchtige Journalistin gibt sich nicht mit diskreten Treffen in Hotelzimmern zufrieden, sondern dringt immer tiefer in Roccos Privatleben ein. Als die obsessive Stalkerin auch noch heimlich dessen Ehefrau, eine Psychotherapeutin, aufsucht, wird aus der Affäre ein Spiel mit dem Feuer.

Der Seismologe Rocco (Adriano Giannini) und die deutlich jüngere Autorin Lea (Pilar Fogliati) leben seit Langem mit ihren Partnern in einer Beziehung – und fühlen sich doch bedrückend allein. Ihn sieht man in „Eine stürmische Affäre“ zunächst, wie er sich bei der kuriosen Sportart Schachboxen austobt; sie, wie sie in ihrer sterilen Wohnung einen toten Goldfisch in der Toilette beerdigt. Ihre Wege kreuzen sich nachts in einer Nachbarschaftsbar. Weil Lea ein paar Gin Tonic zu viel hat, fährt Rocco sie wie ein Gentleman nach Hause. Eins führt zum anderen, und eine heimliche Affäre nimmt ihren Anfang.

Unerfüllte Sehnsucht

Die italienische Drehbuchautorin Ludovica Rampoldi interessiert sich in ihrem Regiedebüt weniger für das Feuer, das zwischen den beiden Protagonisten entfacht wird, sondern mehr für die unerfüllte Sehnsucht, die dieses Verhältnis erst möglich macht. Rocco führt mit seiner Frau Cecilia (Valeria Golino), einer Psychologin, eine zwar herzliche, aber doch zunehmend distanzierte Beziehung. Ähnlich ergeht es Lea, die mit dem Schauspieler Andrea (Andrea Carpenzano) liiert ist, dem die Frauenherzen zufliegen; sie verdächtigt ihn deshalb schon lange, dass er fremdgeht. Der Film gibt dafür zunächst kein Indiz, weshalb die von Selbstzweifeln geplagte Autorin ein wenig paranoid wirkt.

Rampoldi lässt lange Zeit in der Schwebe, worauf sie eigentlich hinauswill. Mal verströmt der Film mit seinem Blick auf menschliche Irrungen sowie seiner verspielten Musik etwas Beschwingt-Komödiantisches, mal verdichtet er sich zum ernsthaften Beziehungsdrama oder liebäugelt mit Thriller-Anleihen, die alles in einer Katastrophe münden lassen. Leas schleichend übergriffiges und grenzüberschreitendes Verhalten erinnert von der Ausgangssituation an Adrian Lynes „Eine verhängnisvolle Affäre“, in dem eine psychisch instabile Frau ihrem verheirateten Liebhaber das Leben zur Hölle macht. Auch Lea drängt sich zunehmend in Roccos Privatleben; sie folgt ihm auf Hochzeiten von Freunden und begibt sich ohne sein Wissen bei seiner Frau in Behandlung. Sie bleibt im Film lange Zeit undurchsichtig, zieht aber offensichtlich die Fäden in dieser Geschichte und hat dabei ein obsessiv unberechenbares Flackern in den Augen.

Alles läuft auf ein Desaster zu

Die Welt, wie sie Rampoldi präsentiert, wirkt nicht nur optisch glatt. Die Figuren hätten das Potenzial, vielschichtiger und markanter zu sein, als sie im Film dargestellt werden. Bevor sich die Natur der unterschiedlichen Beziehungen facettenreicher ausfalten kann, flüchtet sich „Eine stürmische Affäre“ ins Diffus-Poetische. Dann erklingen Songs von Depeche Mode oder Tom Waits oder werden vielsagende Metaphern eingesetzt, statt den inneren Kämpfen der Protagonisten auf die Spur zu kommen. Ein Terrarium voller Ameisen, das Rocco nach einer Studie, mit der er herausfinden wollte, ob Insekten die Erschütterung eines Erdbebens spüren, in seiner Wohnung aufbewahrt, wird zum Sinnbild für Menschen, die sich unwissentlich auf ein Desaster zubewegen. Ein ähnliches Bild greift der Film in Leas Wohnung auf, wo ein verglaster Innenhof es erlaubt, dass sie und Andrea sich sehen und doch voneinander getrennt sind.

Der Inszenierung gelingen immer wieder präzise Beobachtungen über unkontrollierbare menschliche Bedürfnisse und die Herausforderungen von festgefahrenen Langzeitbeziehungen. So stellt sie etwa die Frage, ob man als Paar irgendwann nicht mehr aus Leidenschaft, sondern aus Gewohnheit zusammen ist und ob Treue nicht eigentlich nur eine Ausrede dafür ist, sich nicht selbst kennenzulernen. Tatsächlich führt die Affäre von Rocco und Lea letztlich zu einer belebenden Wirkung auf ihre bestehenden Paarbeziehungen. Mit einem Mal fällt Cecilia auf, wie gut ihr Mann eigentlich aussieht. Der schaut daraufhin etwas beschämt zu Boden, weil er weiß, dass seine neue attraktive Aura mit dem Ausbruch aus der Routine zu tun hat.

Der Wind der Illusionen

Roccos zweiter Frühling ist auch auf eine verspätete Midlife-Crisis zurückzuführen. Sein bester Freund, der sich gerade noch ein Motorrad gekauft hatte, wurde durch einen Schlaganfall gelähmt. Deshalb begibt sich Rocco mit dem Gefährt wie auch mit dem Verhältnis zu Lea auf eine Art Verjüngungskur. „Eine stürmische Affäre“ wäre vermutlich ergiebiger, wenn er sich mehr auf seine Figuren als auf die gelegentlich etwas angestrengte Handlungskonstruktion konzentriert hätte, die auf einen enthüllenden Twist hinausläuft.

Der Film endet mit dem ernüchternden und doch optimistisch interpretierten Fazit, dass vielgestaltige individuelle Sehnsüchte zwangsläufig mit der Ordnung einer Paarbeziehung kollidieren. Und die Affäre? Dafür hat Rampoldi eine weitere Metapher in petto. Sie ist wie der Gegenwind bei einer Bootsfahrt: schön und belebend, aber letztlich eine Illusion, weil es dabei nicht der Wind ist, der sich bewegt, sondern nur wir selbst.

Veröffentlicht auf filmdienst.deEine Stürmische AffäreVon: Michael Kienzl (4.8.2026)
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