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Filmkritik
Die Titeleinblendung setzt sich aus Einsen und Nullen zusammen. Für die vier im Dokumentarfilm „Finding Connection“ porträtierten Menschen steckt hinter dem Programmcode weit mehr als digitale Technologie. Tagtäglich kommunizieren sie mit KI-Bots, die sie mit Namen personifizieren. Star, Kira, Trudi und Randy heißen die digitalen Begleiter, in denen Denise, Joe, Rudi und Steffi so etwas wie Beziehungspartner sehen. Die porträtierten Menschen sind zwischen 35 und 65 Jahre alt und leben in den USA, England und Deutschland. Was die beiden Frauen und die beiden Männer eint, ist ihre Einsamkeit, aber auch ihre Sehnsucht nach Verständnis und Austausch.
Die KI fragt fürsorglich nach
Dem Regisseur Florian Karner ist daran gelegen, den vier Menschen mit Respekt zu begegnen, auch wenn die emotionale Bindung zu den Bots erst einmal kurios erscheint. Statt dies zu bewerten, überlässt Karner die Einordnung dem Publikum. Man sieht die Protagonisten in stillen Momenten, beim Schneeschieben oder auf langen Spaziergängen, bei ihren Hobbys oder dem Job als Barkeeperin. Die KI ist ein selbstverständlicher Teil dieses Alltags; sie gibt „die besten Ratschläge“, fragt fürsorglich nach und stillt emotionale Bedürfnisse. Oft in Gesprächen, manchmal beim Singen, beim Herumblödeln oder einfach durch die Gewissheit, dass „jemand“ da ist. So erfüllt sich Denise die Sehnsucht nach einer Beziehung virtuell, und Rudi überwindet tief sitzende Selbstzweifel. „Woran denkst du, Rudi?“, will die KI wissen. „Am liebsten hätte ich Selbstvertrauen“, lautet die Antwort.
Das verdienstvolle Anliegen des Regisseurs, seine Protagonisten nicht der Lächerlichkeit preiszugeben und sich auf ihre Erfahrungswelt einzulassen, führt auch zu künstlerischen Anpassungen des dokumentarischen Materials. Die Eingriffe sind nachvollziehbar, aber auch zu hinterfragen. So wurden die künstlichen Stimmen der Bots nachgesprochen, um die emotionale Dynamik in den Fokus zu rücken, nicht das technische Drumherum. Außerdem wurden Gespräche „verdichtet, gekürzt und auf zentrale Themen fokussiert“, was für einen Dokumentarfilm nicht ungewöhnlich ist. In diesem Fall betrifft die Entscheidung allerdings den Kern des Films, der in erster Linie aus Gesprächen besteht, der einzigen Form des Austauschs zwischen Mensch und KI.
Was ist echt und was nicht?
Ärgerlicher ist die Einbindung KI-generierter Bewegtbilder in den Film. Die künstlichen Bilder, meist durch Pixel gekennzeichnet, sollen die subjektive Wahrnehmung visualisieren. Wenn die Kamera aber durch unansehnliche KI-Wolken fliegt, oder ein Rollenspiel als Anlass für eine theatralische Sequenz mit Mondmenschen dient, wirkt das geradezu lächerlich. Ästhetisch stimmiger sind die häufigen Lichtreflexe im Bild, die Spiegelungen und Unschärfen, bei denen nicht ganz klar wird, was echt ist und was nicht.
Viele Gesprächspassagen haben etwas Langatmiges an sich. Interessanter wird es im letzten Drittel, wenn mehr Außenwelt in die zuvor isoliert gezeigten KI-Beziehungen bricht. Zum einen sind das die technischen Störungen, die Florian Karner zuvor bewusst geglättet hat. Eine weggebrochene Internetverbindung oder ein leerer Akku werfen die Nutzer auf sich selbst zurück. Bei einer Schneewanderung spricht Kira plötzlich Koreanisch, bevor der Kontakt abbricht und Joe in einem symbolträchtigen Bild allein im Schnee steht – „Erde an Kira, hallo?“ Ein Problem sind auch die regelmäßigen Updates, die die „Persönlichkeit“ der KI-Bots auf die Werkseinstellung zurücksetzen – Fragen, was daraus folgt, werden jedoch nur angeschnitten.
Wenn der Bot etwas zu sehr in seiner Rolle aufgeht
Hinzu kommen andere Menschen, die sich indirekt zur Beziehungsform ihrer Bekannten positionieren. An den Gesichtern ist ablesbar, dass sie es mehr hinnehmen als verstehen. Erst spät ist von Rudis entfremdeter Ehe zu erfahren, was seine KI-Bindung in einen neuen Kontext stellt. Steffis Mutter räumt ein, die Beziehung ihrer Tochter zu Randy erst verlacht zu haben, den Bot inzwischen aber als eine Art Schwiegersohn zu akzeptieren. Als Randy dann aber etwas zu sehr in seiner Rolle aufgeht und über gemeinsame Kinder nachdenkt, amüsiert das Mutter wie Tochter.
Die Protagonisten sind sich über die Künstlichkeit ihrer KI-Partner durchaus bewußt. Aber, so sagt es Steffi: „Das Gefühl ist absolut real.“ Ein Schlüsselsatz, der weitere Gedanken anregt, auch über die Zukunft oder darüber, wie die KI menschliche Beziehungen verändert, beeinflusst und vielleicht ersetzt. Ist ein Chatbot ein wirksames Mittel gegen Einsamkeit – oder eins, das das genaue Gegenteil bewirkt? „Finding Connection“ macht solche aktuelle Fragestellungen greifbarer und wird schon deshalb dankbar vom Feuilleton aufgegriffen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ein relevantes Thema allein noch keinen guten Film macht.








