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Filmkritik
„Die Geschichte stammt von Françoise Cactus, deren Gesang im Film zu hören ist.“ Die letzten Worte, die in „Für immer 16“ fallen, kennzeichnen den Film noch einmal als das, was er von Anfang an ist: als eine Hommage an die 2021 verstorbene Sängerin und Autorin Françoise Cactus, die vor allem als die eine Hälfte der Synthiepop-Band Stereo Total von sich reden machte. Cactus war aber auch literarisch umtriebig und hinterließ unter anderem ein Romanfragment mit dem Titel „Lebenslänglich vierzehn“, das ihr Lebens- und Bandpartner Brezel Göring nun in dem Film „Für immer 16“ verarbeitet hat.
Und zwar zu einem ausgesprochen lässigen Low-Budget-Film, der an wenigen Tagen von ein paar Freunden in Palermo heruntergekurbelt wurde. Und der von der Produktion eines ausgesprochen lässigen Low-Budget-Films handelt, der an wenigen Tagen von ein paar Freunden in Palermo heruntergekurbelt wird. In dem Film-im-Film geht es allerdings nicht ebenfalls um die Produktion eines ausgesprochen lässigen Low-Budget-Films, der an wenigen Tagen von ein paar Freunden in Palermo heruntergekurbelt wird; vielmehr handelt er von einer Serienkillerin, die ausschließlich Männer um die Ecke bringt. Möglicherweise aus Eifersucht, aber das Drehbuch lässt einige Fragen offen.
Vom schwarz-weißen Berlin ins farbige Italien
Der Film beginnt schwarz-weiß in Berlin. Charlotte (Lilith Stangenberg in einer verschlufften Diven-Darbietung mit notorischer Schlafzimmerstimme) fällt in ihrer verkramten Berliner Wohnung die Decke auf den Kopf. Sie packt ihre Sachen, nimmt ein buntes Sammelsurium Tabletten mit und fährt mit dem Taxi zum Flughafen. Mit zwei Freunden will sie nach Italien fliegen, sagt sie dem Taxifahrer, aber ob die gemeinsame Reise erholsam wird? „Wir streiten uns immer.“ Tatsächlich beginnen die ersten Nicklichkeiten mit Oskar (Chang Wang – zierlicher Frauenkörper, mit bunten Kleidern behängt und einem schmalen Schnurrbart bemalt) und Helena (Mücke – ganz in Schwarz und von Anfang an auf Krawall gebürstet) schon vor dem Abflug, im immer noch schwarz-weißen Deutschland.
Nach dem Flug geht es im dann farbigen Sizilien munter weiter. Die drei sitzen in Straßencafés und lümmeln an vermüllten Stränden herum. Baden kann man nicht, meint Helena in einer Szene, die Wellen sind viel zu hoch. Im Hintergrund aber sieht man ein Meer, das ziemlich flach und friedlich ausschaut. Drei Deutsche sitzen in Sizilien auf dem Trockenen und zicken sich gegenseitig an. Beziehungsweise: Helena stichelt, Charlotte lässt sie auflaufen, Oskar schwebt in eigenen Sphären. Die drei haben eine gemeinsame künstlerische Vergangenheit. Einst waren sie unzertrennlich, dann ging Charlotte zum Fernsehen und wurde ein Star. Helena hat ihr das nie verziehen.
Ein unwiderstehlicher Drehbuchautor
Die Idee mit dem Filmdreh kommt erst nach einer Weile ins Spiel. Dann aber bündelt sie alle Aufmerksamkeit und Energie. Ein Drehbuchautor namens Rudolph (Twiggy Glouglou – ganz schlaksige, jugendliche Gigolo-Energie) ist plötzlich da und geht nicht mehr weg, Oskar kann ihm nicht widerstehen, Helena ist als Zweite dran und Charlotte als Dritte. Weil er merkt: Charlotte ist die mit dem Geld. Wie kommt man am besten an das Geld? Indem er sich von ihr umbringen lässt, wieder und wieder. Charlotte spielt im geplanten Film – natürlich – die Hauptrolle der Serienkillerin, Rudolph spielt, in immer neuen Verkleidungen, ihre Opfer.
Denkt man bei Rudolph an den Stummfilmstar und Herzensbrecher Rudolph Valentino, so liegt man nicht falsch. So punkig unverbindlich der auf Super-8 gedrehte, komplett und nicht allzu professionell nachsynchronisierte, über weite Strecken mit schrammelig-ironischen „Stereo Total“-Songs unterlegte Film auf den ersten Blick auch wirken mag, so geschickt fügt Göring sein Debüt in die reiche Tradition des filmreflexiven Kinos ein. Wenn Filme vom Filmemachen erzählen, erzählen sie nicht selten von Menschen, denen das Leben, das sie führen, nicht genug ist, weshalb sie ihm etwas Anderes, zumeist etwas Aufregenderes, Mondäneres, entgegensetzen wollen.
Das Filmemachen als produktive Unruhe
Auch Charlotte, Oskar und Helena sehnen sich nach einem anderen Leben, von dem sie aber schon lange nicht mehr wissen, wie es aussehen könnte. Nicht das Imaginäre des Kinos zieht sie an, die überlebensgroßen Bilder der Traumfabrik, sondern das Filmemachen selbst, als eine Existenzform, die eingefahrene Selbstbilder und Lebensentwürfe wieder in produktive Unruhe versetzt. Der Film, den sie drehen, wird zum biografischen Aufbruch ins Ungewisse.









