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The Furious

113 minActionFSK 18
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Nachdem seine Tochter von einem skrupellosen Verbrechersyndikat entführt wird und die korrupte Polizei untätig bleibt, nimmt Wang Wei (Xie Miao) ihre Rettung selbst in die Hand. Auf seiner Suche trifft er auf den kompromisslosen Journalisten Navin (Joe Taslim), der seit dem mysteriösen Verschwinden seiner Frau einen persönlichen Feldzug gegen das Netzwerk führt. Getrieben von Verlust und Vergeltung geraten die beiden Männer in einen brutalen Strudel der Gewalt – und stellen sich einer übermächtigen Organisation, die keine Zeugen hinterlässt.

Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird. Dieses Zitat hat Regisseur Kenji Tanigaki wörtlich genommen, wenn er seinen stummen wie lange namenlosen Protagonisten (Xie Miao) bei einem hitzigen Dreikampf im Kühlhaus einen Eisblock mitsamt einem darin eingeschlossenen Peiniger zertrümmern lässt. Es sind Szenen wie diese, mit denen „The Furious“ den Puls bei den Zuschauer dauerhaft nach oben treibt.

Der chinesische Martial-Arts-Spezialist Xie Miao schlüpft in die Rolle eines Vaters, der unscheinbarer nicht sein könnte. Das Leben des stummen Mannes dreht sich darum, über die Runden zu kommen. Als Handwerker hangelt er sich durch Gelegenheitsjobs, stumm, wenngleich freundlich. Einziger Lichtblick in seinem drögen Alltag scheint seine Tochter Rainy (Enyou Yang), die den Einsiedler für kurze Zeit besucht und mit ihm neben der Arbeit lacht und scherzt. Doch nach einem Streit läuft das Mädchen direkt in die Arme von Menschenhändlern, die es kurzerhand entführen. Da der Vater von der offen korrupten Polizei keine Hilfe erhält, nimmt er die Suche nach den Entführern in die eigenen Hände. Dabei bekommt er Unterstützung durch den Investigativjournalisten Navin (Joe Taslim), dessen Frau nach einer gefährlichen Recherche verschwunden ist.

Blutige Fäuste und entfesselte Kameras

„The Furious“ ist ein Hongkong-Actionfilm der alten Schule, der sich die moderne Filmtechnik zunutze macht. Der gelernte Stuntman und Regisseur Kenji Tanigaki hat mit Kameramann Meteor Cheung und Stunt-Choreograf Kensuke Sonomura ein erfahrenes Action-Team um sich geschart. Die Handlung passt auf einen Bierdeckel, die Hauptfigur bedient das bekannte Underdog-Motiv etlicher Martial-Arts-Geschichten: Ein mysteriöser, friedfertiger Niemand, der im Ausnahmezustand ungeahnte Kräfte freisetzt. Die flache, wenngleich sympathische Ausgangslage stört jedoch nicht, der Hauptfokus von „The Furious“ liegt ohnehin auf den handgemachten Kampfeinlagen. Und die haben es in sich: In endlos scheinenden Abfolgen von Schlägen, Tritten und Sprüngen manövrieren sich die Kämpfer durch Nachtclubs, Lagerräume und Treppenhäuser.

Schnelligkeit und Härte dominieren das Kampfgeschehen. Fäuste dreschen auf Körper ein, die sich unter der Dauerkanonade krümmen und winden. Anders als in vergleichbaren Rache-Exzessen wie „The Raid“, „Taken“ oder „John Wick“, treten Xie Miao und Joe Taslim als gnadenloses Tag-Team auf. Der Vorteil gegenüber der Einmann-Armee ist schnell ersichtlich: Mehr Fäuste, mehr Sprünge, mehr Tempo. Die entfesselte Kamera klebt an den Kämpfern, die jenseits der irdischen Physik übereinander herfallen. Jeder Hieb entfaltet eine brutale Wucht, die den Gegner zum Bluten und den Zuschauer zum Zucken bringt.

Wuxia-Kunst trifft auf Hongkong-Wahnsinn

„The Furious“ setzt jedoch keinesfalls auf plumpes Kampfgetümmel, sondern perfekt inszenierte Kampfkunst im Geiste traditioneller Wuxia-Filme – mit einem Hauch Hongkong-Wahnsinn, wie ihn einst die Shaw Brothers über die Videotheken in der Welt brachten. Da können bekannte Kampfsport-Arten nicht mithalten, wie Xie Miao an zwei gnadenlos unterlegenen MMA-Kämpfern demonstriert.

So sind die Kämpfer nicht bloß übermenschlich stark und beweglich, sondern können selbst wuchtige Schwinger mit dem Vorschlaghammer wegstecken. Brian Le stellt ein Paradebeispiel dar: Trotz einfältiger Natur und plumper Statur, katapultiert sich der glatzköpfige Gegenspieler immer wieder wie ein menschlicher Torpedo auf das Vater-Journalisten-Duo und liefert im Kühlhaus einen der denkwürdigsten Kämpfe des modernen Martial-Arts-Kinos.

Ähnlich wie bei einem Brawler-Videospiel bewegen sich die Figuren aus „The Furious“ von Level zu Level, wo bereits neue Horden von Gegnern auf sie warten. Der Film schürt beim Zuschauer so jedoch eine Erwartungshaltung: Das nächste Level muss das eben gesehene immer übertreffen, noch brutaler, noch wilder werden. Diese Erwartung kann Kenji Tanigaki nicht bis zum Ende durchhalten.

Ein überzogenes Finale

Ein Grund hierfür sind die häufigen Szeneriewechsel. Iko Uwais in „The Raid“ musste sich sinnbildlich vom Erdgeschoss eines Hochhauses bis zum Endgegner hocharbeiten, was den Belohnungseffekt verstärkte. Bei „The Furious“ fühlt es sich nach 90 der rund 110 Minuten an, als hätte man den Endkampf schon gesehen. In den Atempausen lenkt der Actionfilm den Blick auf Tochter Rainy, die sich als Anführerin der entführten Kinder etabliert und ihren eigenen Kampf gegen die Gangster führt.

Das eigentliche Finale auf der Polizeiwache gegen den Bandenanführer Pak Lung (Joey Iwanaga) mitsamt Bodyguard-Bogenschütze Tak (Yayan Ruhian) entfaltet durch die vorherigen Höhepunkte nur eine mäßig befriedigende Wirkung, zumal der Anführer abseits einiger cholerischer Ausbrüche kaum prägnante Bösewicht-Momente liefert. So fällt „The Furious“ am Ende einen Tick zu lang aus, bevor die Welt wieder in Ordnung scheint und der Zuschauerpuls wieder zur Ruhe kommt.

Veröffentlicht auf filmdienst.deThe FuriousVon: Steffen Buchmann (29.10.2026)
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