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Gorgonà

95 minDramaFSK 16
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Griechenland in einer nicht all zu fernen Zukunft: Ressourcenknappheit hat das Land ins Chaos gestürzt. In den verbliebenen Städten streiten sich rivalisierende Banden um Wasser, Treibstoff und Frauen. Die junge Maria wächst in dieser von Männern dominierten Welt auf und kämpft um Anerkennung und ums Überleben. Sie sieht keinen Ausweg aus der Spirale der Gewalt, zumal sie von Bandenchef Nikos gegen den Willen seiner Handlanger zu seiner Nachfolgerin auserkoren wurde. Als die mysteriöse Sängerin Eleni in Marias Leben tritt, eröffnet sich ihr eine Alternative: Gemeinsam mit Eleni stellt sie sich dem patriarchalen System entgegen und versucht, sich im Namen aller Unterdrückten eine bessere Welt zu erstreiten.
Mit ihrem Spielfilmdebüt GORGONÀ zieht die griechische Filmemacherin eine Parallele zwischen veralteten Machtstrukturen und der allgegenwärtigen Umweltzerstörung. In einer an George Millers MAD MAX erinnernden Dystopie erzählt sie von der befreienden Kraft weiblicher Solidarität.

Ein sehnsüchtiges Klagelied untermalt die Impressionen eines maroden Industriegebiets im dystopischen Griechenland. Das Areal ist einer der kleinen Stadtstaaten, die in der zerfallenen Welt der nahen Zukunft als Überlebensbündnisse um knappe Ressourcen konkurrieren. Angeführt vom psychopathischen Nikos (Christos Loulis) lebt die patriarchal organisierte Gemeinschaft vom Öl aus der intakten Raffinerie im Herzen der Siedlung, das gegen Lebensmittel und Frauen getauscht wird. Für ein Fass Öl wird zum Auftakt die Sängerin Eleni (Aurora Marion) auf einem Floß angeliefert, leicht bekleidet und den Blicken der Männer ausgesetzt.

Die Machtverhältnisse sind klar verteilt, aber brüchig. Weil Nikos sterbenskrank ist, muss seine Nachfolge geregelt werden. Weit oben in der Gunst des Befehlshabers steht seine Geliebte Maria (Melissanthi Mahut), die zum Ärger der betont maskulinen Mitbewerber als einzige Frau am Auswahlverfahren teilnimmt. In der neu hinzugekommenen Eleni findet sie bald eine starke Verbündete, um die männliche Dominanz nicht nur zu überleben, sondern aus den Angeln zu heben.

Öl und irre Männer regieren die Welt

Ums Öl und um die Regentschaft irrer Männer geht es auch in der stilbildenden „Mad Max“-Reihe von George Miller. Und vor allem ab „Mad Max: Fury Road“ fügte Miller seiner Endzeitvision eine emanzipatorische Note hinzu. Wohl davon inspiriert, lotet die griechische Regisseurin Evi Kalogiropoulou die Rolle der Frauen in einem postapokalyptischen Patriarchat aus, wo archaische Verhältnisse gelten und die pure männliche Gewalt regiert. Immer wieder müssen die Frauen die Annäherungsversuche der Männer abwehren – oder sie taktisch für sich nutzen.

Das unverhohlene Begehren ist ein omnipräsenter Machtfaktor, der die Inszenierung des gesamten Films durchtränkt. Von Anfang an zeigt Kalogiropoulou, die zuvor Kurzfilme und Musikvideos inszeniert hat, sämtliche Darstellerinnen als knapp bekleidete Models vor Ruinen. In Unterwäsche im Bett, am Fenster, bei Klimmzügen, in aufreizender Kleidung oder gänzlich hüllenlos. Auch an Make-up mangelt es in dieser Apokalypse nicht. Einen Höhepunkt erreicht die Softerotik, als Maria und Eleni in einer ausgedehnten Sequenz miteinander intim werden.

Morden mit magischem Blick

Kalogiropoulou führt vor, was sie kritisieren will; doch so ganz geht die Rechnung nicht auf. Anders als viele ihrer männlichen Kollegen, die ihre Obsessionen in Filme verpacken, zeigt Kalogiropoulou aber auch mal unbekleidete Herren. Und es gibt einen Twist: Maria wendet ihren eigenen Blick ganz buchstäblich gegen die Männer. Als sie Eleni beim Liebesspiel mit einem Anderen beobachtet, schwillt die Musik dramatisch an und in ihren Augen flackert ein mysteriöses Funkeln auf. Nach und nach etabliert Kalogiropoulou Marias nicht näher erklärten magischen Blick, der mordet. Ein eher loser Bezug zur griechischen Mythologie rund um die Gorgone Medusa, deren Schlangenhaupt der Anführer Nikos auf den Bauch tätowiert hat.

Vielleicht braucht es aber auch einen anderen Maßstab für die Einordnung von „Gorgonà“. Evi Kalogiropoulou schöpft aus dem B-Film-Kosmos der 1970er-Jahre. Schon der Pistolenschuss, mit dem die Titeleinblendung unterlegt ist, weist in diese Richtung. Die auf dem Kinoplakat entsprechend in Szene gesetzten Protagonistinnen Maria und Eleni führen das aus einschlägigen Genrefilmen bekannte Motiv der „Chicks with Guns“ fort, Rachegelüste inklusive. Und ein Film, der wie ein Groschenroman funktioniert, darf und soll natürlich Sensationen aller Art beinhalten. Wenn Maria mitten im Akt eine Pistole streichelt, bringt Kalogiropoulou den Zusammenhang zwischen Begehren und Gewalt knallig plump, aber eben B-Film-gemäß auf den Punkt.

Wurzeln im Exploitationfilm

Ihr Film entwickelt immer dann einen gewissen Charme, wenn er seine Wurzeln als Exploitationfilm mit solchen Momenten offen zur Schau trägt. Formal stechen auch die nächtliche Neonbeleuchtung, Spiegelungen der Sonne in der Kameralinse, der Sand, der Staub und die wiederkehrenden Aufnahmen der Ölraffinerie hervor, die von allem unbeeindruckt immer weiter pumpt. Schnelle Zooms zu wuchtigen Synthie-Samples oder der fatalistische Kopfschuss, den sich ein Fußsoldat während einer Schießerei spontan selbst versetzt, gehören zu den kleinen Extravaganzen, von denen der Film mehr vertragen hätte.

Letztendlich verliert sich der in fünf Kapitel unterteilte Genremix aber in einem Mischmasch aus ebensolchen B-Kino-Anklängen und einem drögen Arthouse-Anstrich, dem ein konsistentes Fundament fehlt. Das Szenario bleibt zu künstlich, um längerfristig in den Bann zu ziehen, die Distanz zu den Figuren wird nie wirklich überwunden. Eine halbgare Dystopie, die zwischen den Stühlen sitzt.

Veröffentlicht auf filmdienst.deGorgonàVon: Christian Horn (16.6.2026)
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