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Hook

142 minKomödie, Abenteuer, FamilieFSK 6
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Peter Pan hat Nimmerland den Rücken gekehrt. Schon vor Jahren ist der Junge, der niemals erwachsen werden wollte, in die „normale“ Welt zurückgekehrt. Peter Banning ist mittlerweile ein seriöser und leicht reizbarer Anwalt. An seine Kindheit als verwegener Held kann er sich kein bisschen mehr erinnern. Sein alter Erzfeind Captain Hook jedoch hat nichts vergessen. Noch immer sinnt er auf Rache, seit er im Kampf gegen Peter eine Hand an ein gefräßiges Krokodil verloren hat. Hook entführt die beiden Kinder von Peter in die verborgene Welt. Fee Glöckchen gelingt es, Peter zurück nach Nimmerland zu führen. Zunächst ist er völlig überfordert mit der Situation. Doch mit Hilfe der „verlorenen Jungs“ gewinnt er schließlich seine kindliche Fantasie zurück. Gemeinsam stellen sie sich dem entscheidenden Kampf gegen den schurkischen Piratenkapitän.
  • Veröffentlichung25.03.1992
  • Steven Spielberg
  • 6/10 (192016) Stimmen

Wer nach "Die Farbe Lila" (fd 25 656) und "Always" (fd 28 201) dachte, Steven Spielberg werde allmählich erwachsen, sieht sich getäuscht. Der Untertitel des "Peter Pan"-Stücks von James M. Barrie, das Spielbergs neuem Film als Anregung gedient hat, lautet "The Boy Who Wouldn't Grow Up" (Der Junge, der nicht aufwachsen wollte). Auch Spielberg will nicht erwachsen werden. Noch weiter als in seinem Erfolgsfilm "E.T. -Der Außerirdische" (fd 23 743) flüchtet er sich mit "Hook" in die irrationale Welt einer forcierten Rückkehr zu jugendlicher Phantasie und Unschuld. Doch es reicht ihm nicht, "Peter Pan" neu zu erfinden, nein, er muß ihm die ganze naive Unausgegorenheit seines eigenen komplexbeladenen Erwachsenseins auflasten und entstellt das leichtgewichtige Märchen von dem Jungen, der ins "Nimmerland" der kindlichen Abenteuer fliegt, zu einem bombastischen Kino-Schinken der aufgedonnerten Aktionen und der therapiereifen Schuldgefühle.

Die langwierige und langweilige Umständlichkeit der Exposition macht die Verkorkstheit der Story gleich zu Beginn des Films überdeutlich. Spielbergs Peter Pan ist kein kleiner Junge mehr, sondern ein Erwachsener, ein geschäftiger Konzern-Anwalt, der über dem Beruf das Privatleben vergißt und den erst die Ereignisse zur allmählichen Einkehr zwingen müssen. Die Vorgänge, von denen er sich zur Besinnung bringen läßt, sind phantastischer Natur. Um sie mit der Realität in Beziehung zu setzen, entwickeln Spielbergs Autoren ein ebenso kompliziertes wie dümmliches Geflecht aus Gegenwartshandlung und Reminiszenzen des Barrie-Stoffes, das eine gute halbe Stunde benötigt, bis der erwachsene Peter endlich als zunächst noch recht lahmer und flugunfähiger Peter Pan in Aktion treten kann. Die auch Märchen innewohnende Logik überspringt Spielberg dabei mehr als einmal und hält zur Erläuterung der dramaturgischen Stolpersteine den Verweis auf die magischen "Augenblicke zwischen Traum und Erwachen" bereit. Offenbar in einem solchen Augenblick hat Captain Hook, Peter Pans Gegner im Nimmerland, des Anwalts Kinder entführt. Um sie zurückzubekommen, muß sich Peter an seine eigene Jugend erinnern und sie erneut lebendig werden lassen; denn nur so vermag er, auch als Erwachsener das Nimmerland zu erreichen. Tinkerbell, die kleine gute Fee des Peter-Pan-Märchens, ist ihm dabei eine große Hilfe.

Im Reich der Phantasie angekommen, hält sich Spielberg nicht lange mit Subtilitäten auf, sondern inszeniert eine überbordende Aktionsoper, für die der Titel "Indiana Jones trifft den Fliegenden Holländer" angemessener gewesen wäre. Bei Peters unbeholfenen Versuchen, das Fliegen zu erlernen und dem Hook pari zu bieten, fallen ihm eine Reihe hübscher, zeitweilig auch mit ironischen Schlaglichtern versehene Details ein. Doch was immer auch an märchenhaften Konstellationen wiederbelebt wird, erstickt in dem Ballast tausender Kubikmeter Holz und hunterttausend Liter Farbe zu einem attrappenhaften Disneyland-Abenteuer, in dem kein Klischee und kein Kitsch ausgelassen werden. Wer jedoch denkt, daß es schlimmer nicht mehr kommen könne, der warte erst das Ende ab! Obwohl voraussehbar und deshalb mitnichten überraschend, demonstriert Spielberg die ganze Unglaublichkeit semer naiven Fabel dann in der Schlußszene, die sozusagen wieder "nach dem Erwachen", also in der "Realität" spielt. Der Yuppie-Vater demonstriert die Abwendung vom beruflichen Engagement, und die über Filmlänge zu passiven Statistenrollen verdammten Kinder fliegen ihm um den Hals.

Märchen pflegen für gewöhnlich der Realität einen Spiegel vorzuhalten und im Spiegelbild Dinge sichtbar zu machen, die dem Blick normalerweise versperrt sind. Spielbergs Märchen vom erwachsenen Peter Pan verkleistert Realität und gaukelt naive Wunschvorstellungen als allmächtige Heilbilder ungleich komplexerer Gegenwartsprobleme vor. Er tut damit weder seinem jugendlichen noch seinem erwachsenen Publikum einen Gefallen. Das Schlimmste aber ist, daß er es nicht einmal weiß. Denn Spielberg, das verrät diese mißlungene Peter-Pan-Version überdeutlich, will nicht erwachsen werden.

Veröffentlicht auf filmdienst.deHookVon: Franz Everschor (5.6.2026)
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