Szene aus Hypnotic
Filmplakat von Hypnotic

Hypnotic

94 min | Action, Thriller, Mystery | FSK 16
Tickets
Szene 1 aus Hypnotic
Szene 2 aus Hypnotic
Szene 3 aus Hypnotic
Szene 4 aus Hypnotic
Szene 5 aus Hypnotic
Szene 6 aus Hypnotic
Szene 7 aus Hypnotic
Szene 8 aus Hypnotic
Szene 9 aus Hypnotic
Szene 10 aus Hypnotic
Nachdem die Tochter eines Detectives auf mysteriöse Weise verschwunden ist, leidet er unter vollständigem Gedächtnisverlust bezüglich des Vorfalls. Ein geheimnisvoller Hypnotiseur, der Menschen in kürzester Zeit zu willenlosen Sklaven machen kann, scheint Informationen über den Fall zu besitzen. Doch bevor der Detective weitere Schritte unternimmt, muss er gemeinsam mit einer Wahrsagerin vor der Polizei fliehen.

Filmkritik

„Hypnotic“ beginnt mit der Großaufnahme eines sich öffnenden Auges. Detective Danny Rourke (Ben Affleck) sitzt bei seiner Psychiaterin und war für einen kurzen Augenblick abwesend. Die Therapie macht er, um sich daran zu erinnern, warum seine Tochter vor einiger Zeit spurlos verschwand. Doch er sieht immer nur dieselbe weichgezeichnete und lückenhafte Rückblende. Bis ihn seine Psychiaterin wieder durch das Klopfen ihres Kugelschreibers in die Wirklichkeit zurückholt.

Der Protagonist aus Robert Rodriguez’ neuem Film driftet zwischen Gegenwart und schummriger Erinnerung. Sein Blinzeln vermittelt, dass er sich weder ganz in der einen noch in der anderen Welt befindet. Als Zuschauer ist man sich deshalb zunächst nicht sicher, ob man Dannys Wahrnehmung überhaupt trauen kann. Als der Detective mit seiner Einheit einen Bankraub vereiteln soll, taucht dann auch ein rätselhafter Fremder (William Fichtner) auf, dem es scheinbar gelingt, Menschen mit nur wenigen Worten zu willenlosen Sklaven zu machen. Bevor auch er spurlos verschwindet, hinterlässt er am Tatort ein Foto von Dannys Tochter.

Der vermeintlichen Wirklichkeit ist nicht zu trauen

Mit der Zeit stellt sich jedoch heraus, dass es weniger Dannys Perspektive ist, der wir misstrauen müssen, als der vermeintlichen Wirklichkeit als Ganzem. Von der Wahrsagerin Diana (Alice Braga) erfährt der Detective, dass es sich sowohl bei dem Fremden als auch bei ihr um sogenannte „Hypnotics“ handelt: Von der Regierung rekrutierte Hypnotiseure, die mit nur einem Satz, einer Geste oder bestimmten Tonlage ihr Gegenüber komplett manipulieren können. Von einer Umgestaltung der Realität ist dabei die Rede, und später wird diese Fragilität sichtbar, wenn sich Teile des Bildes in Schlieren auflösen. Und auf einmal befindet sich Danny in einer Lagerhalle, in der sein urbanes Umfeld plötzlich als Ansammlung primitiver Kulissen entlarvt wird.

Die Handlung von „Hypnotic“ ist zu verworren und wendungsreich, um sie annähernd wiedergeben zu können. Verraten kann man, dass sich die anfänglich eher an einen Film noir erinnernde Handlung zunehmend in Richtung Science-Fiction bewegt. Dabei setzt Rodriguez darauf, dass man seine etwas alberne Prämisse einfach glaubt. Als sich Danny und die Wahrsagerin etwa auf der Flucht vor der Polizei befinden, braucht es von Diana jeweils nur ein paar Worte, um einen Sheriff oder Grenzbeamten außer Gefecht zu setzen. Dass etwas lediglich behauptet und dann durchgezogen wird, gehört zu den charmanten Dreistigkeiten, die sich „Hypnotic“ herausnimmt. Andererseits gibt es im Film aber auch immer wieder ausführliche Erklärungsversuche, um jede noch so abstruse Wendung zu legitimieren.

Überwiegend in schummrigen Innenräumen

Als überwiegend in schummrigen Innenräumen angesiedeltes B-Movie mit einem notorisch unterkühlten Ben Affleck hat „Hypnotic“ durchaus seinen Reiz. Besonders das Spiel mit der trügerischen Wahrnehmung sorgt für einige virtuose Momente. Als das flüchtende Paar etwa in einem Hotelzimmer unterkommt, ist sich Danny nicht ganz sicher, ob er gerade selbst unter Hypnose steht und im Auftrag des rätselhaften Fremden Diana umbringen soll. Durch langsame Zooms, abrupte Schnitte und eine irreal farbige Beleuchtung folgt die Szene einer unzusammenhängenden Traumlogik. Eine Schere, die Danny gerade weggelegt hat und zur Mordwaffe werden könnte, befindet sich auf magische Weise plötzlich wieder in seiner Hand.

Gegen Ende wirkt es schließlich konsequent, dass sich bei der Geschichte anfänglich alles ein bisschen zu widerstandslos ineinandergefügt hat. Doch je öfter „Hypnotic“ sein Szenario als Illusion entlarvt und die Vorhersehbarkeit der Geschichte mit etwas plumpen Manövern kaschieren will, desto irrwitziger werden auch seine Versuche, dem Film noch halbwegs einen Sinn zu geben. Die ohnehin nur grob skizzierten Figuren spielen dabei nur eine sehr untergeordnete Rolle. Vielmehr erweist sich „Hypnotic“ als vorwiegend von Twists befeuerte Erzählmaschine, die irgendwann derart heiß läuft, dass man auch als wohlwollender Zuschauer kapitulieren muss.

Erschienen auf filmdienst.deHypnoticVon: Michael Kienzl (20.1.2024)
Vorsicht Spoiler-Alarm!Diese Filmkritik könnte Hinweise auf wichtige Handlungselemente enthalten.
Über Filmdienst.de Filmdienst.de, seit 1947 aktiv, bietet Filmkritiken, Hintergrundartikel und ein Filmlexikon zu neuen Kinofilmen aber auch Heimkino und Filmkultur. Ursprünglich eine Zeitschrift, ist es seit 2018 digital und wird von der Katholischen Filmkommission für Deutschland betrieben. filmdienst.de