Vorstellungen
Filmkritik
Ein traumatisierter kleiner Junge wandert durch ein zerstörtes Land, allein, verängstigt, verstummt durch das erlittene Leid – von den Bildern aus Fred Zinnemanns kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Drama »The Search« (»Die Gezeichneten«) hat sich dieses am unauslöschlichsten ins Gedächtnis gebrannt. Keine Überraschung, dass es auch im freien Remake des Klassikers eine vorrangige Rolle spielt, auch wenn dieses im Tschetschenien von 1999 spielt. Zu Beginn werden die Eltern des neunjährigen Hadji von russischen Soldaten getötet, der Junge kann knapp entkommen. Was folgt, ist eine hilflose Suche nach einem friedlichen Zufluchtsort, bei der Regisseur Michel Hazanavicius (»The Artist«) dem Zuschauer ungeschminkte Bilder des zweiten Tschetschenien-Kriegs zeigt, der zu den großen blinden Flecken der jüngeren Geschichte gehört. Hazanavicius, der bislang Komödien drehte, zeigt sich als durchaus versierter Kriegsfilmregisseur, auch wenn er sich mitunter etwas grobe melodramatische Effekte leistet. Einseitige Verurteilungen kann man ihm jedoch nicht vorwerfen: Ein Handlungsstrang zeigt einfühlsam die Genese eines jungen Russen vom Soldaten wider Willen zum Kämpfer ohne Mitgefühl, auf der anderen Seite erleben eine wohlmeinende EU-Mitarbeiterin und eine Vertreterin des Roten Kreuzes das Desinteresse ihrer Vorgesetzten an dem Konflikt. Ebenso wie die Kriegspolitik des damals frisch ernannten Ministerpräsidenten Putin klagt der Film somit auch die westliche Gleichgültigkeit an.



