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Jimmy and Stiggs

80 minScience Fiction, HorrorFSK 18
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Szenebild von Jimmy and Stiggs 1
Ein Shitstorm an schlechten Nachrichten lässt den arbeitslosen Filmemacher Jimmy Lang in eine unkontrollierte Sauftour geraten, in deren Verlauf er behauptet, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Aus Angst, dass sie zurückkommen, kontaktiert er seinen alten Freund Stiggs, damit er ihm hilft, sich für den Krieg zu rüsten. Als die Sonne untergeht, gerät das Duo in eine halluzinatorische Explosion aus Außerirdischen, Drogen, Alkohol und einem totalen Gemetzel.

Rot, blau, lila, orange. Die Wohnung von Jimmy Lang (Joe Begos) ist punktuell beleuchtet wie eine Geisterbahn. Der arbeitslose Filmemacher hastet durch die Räume, während auf seinem Handy eine frustrierende Nachricht nach der anderen eintrifft. Er brüllt ins Telefon, zieht mehrere Lines von einem Kokainhaufen und brüllt noch lauter.

Es ist beachtlich, wenn man sich das an den Abspann angefügte Behind-the-Scenes-Material von „Jimmy and Stiggs“ anschaut. Denn beim Schauplatz des mittellosen Regisseurs handelt es sich um die echte Wohnung von Joe Begos, der für seine experimentellen und funktionalen Low-Budget-Horrorfilme bekannt ist. Eli Roth, ausführender Produzent und Präsentator des Films, weist ihn darauf hin, dass sich noch rote Farbe an seinen Wänden befindet. Begos scheint gewissermaßen in seinem eigenen Film zu leben.

Die Perspektive verschiebt sich

Dieses Gefühl, sich nicht von den Aufnahmen lossagen zu können, übertragt sich auf die Zuschauer, wenn der Film mit einer Person-of-View-Aufnahme eröffnet: Der mit Rauschebart und langer Mähne gezeichnete Metalhead wechselt munter Koks und Whisky ab, während er seinen ehemaligen besten Freund Stiggs (Matt Mercer) anruft und ihn in seinem Wahn beleidigt. Die farblich ausgeleuchteten Aquarien, die Schwarzlichter und anderen indirekten Lichtquellen wird man in den 90 Minuten nicht mehr los, irgendwann verschiebt sich aber die Perspektive und man sieht den aufgeputschten Jimmy nun von der Kamera verfolgt.

Ein Poster von „Cannibal Holocaust“ hängt im Wohnzimmer von Jimmy und kündigt jene Grenzüberschreitung auch hier an. Sein Horrortrip, ausgelöst von dem üppigen Drogencocktail, lässt ihn bald glauben, dass Aliens seine Wohnung heimsuchen und ihn entführen wollen. Zu Hilfe kommt ihm schließlich Stiggs, auch wenn ihm Jimmy in seinem paranoiden Tobsuchtsanfall nicht vertraut. Durchgehend kommunizieren sie nur mittels gebrüllter Beleidigungen und Vorwürfe, vereint werden sie dabei zumindest in ihrem Wahn, die kleinen außerirdischen Eindringlinge auf möglichst brachiale Weise zu erlegen: Sie zertrümmern sie auf kantigen Möbelstücken oder trennen ihren Kopf vom Torso. „Jimmy and Stiggs“ entwickelt sich zwischen flackernden Neonröhren zu einer chaotischen Alien-Jagd auf Kokain und Alkohol, für die beiden Ex-Kumpel der persönliche Treibstoff.

Immer tiefer in den Sumpf der eigenen Unterwelt

Dabei liefern sie sich durchweg auch ein Psycho-Duell, konkurrieren darum, wer häufiger ein „fuck“ in seinem Sprachgebrauch unterbringen kann, und scheinen ihre Fehde nur durch die zwischenzeitlichen Auseinandersetzungen mit den Aliens beizulegen. Dabei geraten sie immer tiefer in einen wabernden Sumpf ihrer eigenen, räumlich gewordenen Unterwelt, obwohl sie sich nach wie vor nur in einer Wohnung aufhalten, bis Jimmy sich schließlich in einem schleimigen Kontrollraum wiederfindet. Erneut wechselt die Perspektive auf seine Sicht, um auch der Zuschauerschaft die Desorientierung einzupflanzen.

Auch wenn sich die Kämpfe samt konfus umherirrenden Kameraeinstellungen repetitiv anfühlen, schafft „Jimmy and Stiggs“ eine plastische Atmosphäre, die nicht nur von den expliziten praktischen Effekten und den außerirdischen Körperteilen lebt, die das Apartment zieren, sondern auch von der zunehmend klaustrophobischen Inszenierung. Zermürbt wird man nämlich auch mit elektronisch-atonalen Hintergrundgeräuschen und der vom Rausch aufgepeitschten Schulterkamera, die Joe Bagos auf sich bugsiert hat oder sie durch die engen Zimmer manövriert.

In der Rastlosigkeit liegt die Kraft

Manchmal täte es dem unübersichtlichen Durcheinander gut, innezuhalten. Gleichzeitig liegt gerade in dieser Rastlosigkeit die impulsive Kraft des Films. „Jimmy and Stiggs“ ist ein Strobo-Splatter als unkontrollierte Lockdown-Simulation, die den Rausch nicht nur als Antrieb, sondern auch als verzweifelten Ausdruck begreift. Ein Horrorfilm auf Drogen, experimentell und unbarmherzig, voll Spielfreude und zugleich gewissenlos. Man darf selbst entscheiden, ob man sich darauf einlassen möchte.

Veröffentlicht auf filmdienst.deJimmy and StiggsVon: Felix Knorr (4.9.2026)
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