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Filmkritik
Palumbien erzittert. Der Trupp finsterer Söldner, der durch den Dschungel schleicht, könnte auf einen weiteren Staatsstreich aus sein – das fiktive südamerikanische Land, das der belgische Comickünstler André Franquin Anfang der 1950er-Jahre erfand, hat im Laufe der Zeit ja schon viele politisch turbulente Zeiten gekannt. Doch das Ziel dieser Schwerbewaffneten ist nicht der Umsturz, sondern das „seltenste Tier der Welt“: wie ein kleiner gelber Affe mit schwarzen Punkten anmutend, ausgestattet mit einem meterlangen, vielseitig einsetzbaren Schwanz. Dazu nesterbauend, eierlegend, mit rudimentärem Wortschatz („Huba!“), aber außergewöhnlicher körperlicher Kraft und einem Speiseplan von Früchten und Nüssen bis zu Piranhas, die es verputzt, als wären es Fischstäbchen – kurz: das Marsupilami.
In seiner Seltenheit weckt das Naturwunder das Interesse profitgieriger Jäger, daran hat sich in all den Jahren nichts geändert, seit Franquin das Tier in die Serie „Spirou und Fantasio“ einführte und ihm ab den 1960er-Jahren eine eigene, bis heute von unterschiedlichen Autoren fortgeführte Abenteuercomic-Reihe bescherte. Wie schon viele überrascht auch die Söldner zu Beginn des Films „Marsupilami“ die wilde Entschlossenheit, mit der das Dschungelwesen sich und die Seinen verteidigt. Doch in diesem Fall reicht der geballte Marsupilami-Zorn nicht aus: Eins der birnenförmigen Eier fällt in die Hände der Angreifer.
Ein menschlicher Held mit Familienproblemen
Der Auftakt der Comicverfilmung von Philippe Lacheau stellt die Weichen für eine Rettungsmission, springt aber dann zunächst von Südamerika nach Frankreich, um den unvermeidlichen menschlichen Helden vorstellen. Dieser ist von erstaunlich fader Art: Der von Lacheau selbst gespielte David Ticoule ist ein unzuverlässiger und antriebsschwacher Loser, der wenig überraschend von seiner Freundin Tess (Élodie Fontan) verlassen wurde und verzweifelt darum ringt, wieder mit ihr und dem sechsjährigen Sohn Léo (Corentin Guillot) zusammenzukommen. Diesem Ziel kommt er unerwartet näher, als er sich einen verheerenden Fehler bei seiner Arbeit in einem Safaripark leistet. Als Kompensation für die entkommenen Tiere schickt Davids zwielichtiger Boss (Jean Reno) ihn nach Palumbien. Dort soll David ein Paket in Empfang nehmen und auf einem Kreuzfahrtschiff nach Europa schmuggeln – Exfreundin und Sohn werden großzügig in die Reise einbezogen, um alles unauffälliger wirken zu lassen.
Die Überredung der beiden, die Hinreise und Paketannahme gelingen David noch weitgehend reibungslos, während der Weg bis zum Schiff schon etliche Turbulenzen bereithält. Dabei bleibt die Titelfigur des Films (übermäßig) lange außen vor; stattdessen führen Lacheau und seine drei Co-Autoren menschliche Nebenfiguren ein, auf denen die Hauptlast der Komik liegen soll und die mit Lacheaus Kollegen von der Comedy-Gruppe „La Bande à Fifi“ besetzt sind: Julien Arruti als Davids gutmütig-schusseliger Kollege Stéphane, Tarek Boudali als abgehalfterter Schnulzensänger Ricky Salsa sowie Reem Kherici als Produzentin einer Reality-Fernsehshow über Zöllner, die in Raymond (Alban Ivanov) einen ebenso tumben wie übereifrigen „Star“ zu betreuen hat. Hinzukommt Pablito Camaron (Jamel Debbouze) als einzige wiederkehrende Figur aus „Auf der Suche nach dem Marsupilami“ (2012), dem von Alain Chabat inszenierten ersten Spielfilm um das Wundertier. War der tollpatschige Pablito darin bemüht, der Welt die Existenz des Marsupilamis zu beweisen, sieht er sich nun als dessen Beschützer und folgt der Spur des gestohlenen Eis. Auch in „Marsupilami“ bleibt ihm jedoch sein Pech treu, das ihn zum Hauptleidtragenden von grobem Slapstick-Humor macht.
Laut, schmerzhaft und nicht gerade raffiniert
Subtiler Witz war noch nie das Markenzeichen der „Bande à Fifi“-Gruppe, die mit ihren Filmen wie „Project: Babysitting - #epicfail“, „Alibi.com“ oder „Superheld wider Willen“ in Frankreich regelmäßig ein Millionenpublikum ins Kino lockt. Ihr Humor ist laut, schmerzhaft und nicht gerade raffiniert, auch wenn in ihren launigen Zitaten auf andere Kinofilme und in Parodien auf die Popkultur mitunter gelungene Pointen stecken. Das gilt auch für ihren „Marsupilami“-Film, der Anspielungen auf unter anderem „Im Rausch der Tiefe“, „Titanic“, „E.T.“ und „Top Gun“ bietet und generell Gags im Sekundentakt abfeuert, von denen viele allerdings schlicht nicht treffen.
Wenn „Marsupilami“ trotzdem einen kleinen Qualitätssprung gegenüber den bisherigen Leinwandversuchen der Komikertruppe darstellt, ist das fast ausschließlich dem agilen Tier zu verdanken, das schließlich doch noch den verdienten Platz im Zentrum der Handlung einnehmen darf. Einmal aus dem Ei geschlüpft, braucht das Marsupilami-Baby nicht lange, um das Kreuzfahrtschiff zu seinem Abenteuerspielplatz zu machen, dabei viel Schabernack zu treiben und sich ins Herz von Figuren und Zuschauern zu spielen. Das „Bibi“ genannte Jungtier verfügt nicht nur bereits über das komplette Reservoir an Marsupilami-Tricks, die in der überzeugenden Animation für viel Spaß sorgen. Durch seinen hohen Niedlichkeitsfaktor funktioniert Bibi auch als glaubwürdiger bester Freund des kleinen Léo. Die emotionale Bindung zwischen den beiden ist bald so eng, dass sie selbst die wiederholten Situationen, in denen das Kind die Kraft seines tierischen Spielkameraden ohne böse Absicht am eigenen Leib erfährt, mühelos übersteht.
Pelziger Sympathieträger mit dem Zeug zum Kinostar
Die Voraussetzungen für gelungene Familienunterhaltung sind tendenziell nicht schlecht: Der körperbetonte Slapstick, die Albernheiten und die Comicschurken kommen Kindern entgegen, während die parodistischen Elemente sich insbesondere an erwachsene Filmfans des 1980er- und 1990er-Jahre-Kinos richten. Doch oft setzen Lacheau und seine Mitstreiter auch auf extrem platte Einfälle, wenn Schotten ohne Unterwäsche, Männer auf dem Klo oder Pfefferspray-Attacken auf Kinder für Lacher sorgen sollen – was mit dem Marsupilami nun wirklich nichts mehr zu tun hat. Und umso bedauerlicher ist, weil der Film in seinen besten Momenten durchaus zeigt, dass der pelzige Sympathieträger das Zeug hat, um auch im Kino zum Star zu werden.







