Vorstellungen
Filmkritik
Die Buchreihe um Conni, das freundliche Mädchen mit dem rot-weiß geringelten Shirt und dem roten Haarband, hat den Alltag in der deutschen Kinderbuchlandschaft erfasst wie kaum eine andere Reihe und damit großen Erfolg gehabt. Doch Alltag als Abenteuer zu erzählen – etwa, wenn es darum geht, Rad fahren oder schwimmen zu lernen, das erste Mal im Kindergarten zu übernachten oder zum Arzt zu gehen – das stellt eine Kinoproduktion vor Probleme: Im Film muss dann eben das ganz gewöhnliche Leben doch immer eine Spur außergewöhnlicher sein. Der neue Conni-Film trägt dies schon im Titel. Nicht etwa „Conni entdeckt einen Kranich im Garten“. Sondern „Abenteuer mit Kranich Klaus“.
So beginnt die Geschichte auch nicht in Connis Kinderzimmer, sondern hoch über den Wolken. Die Kamera folgt einer Gruppe von Kranichen, die gerade in Formation Richtung Süden fliegen. Sanfte Musik. Und dann ein Unglück. Ein Vogel verheddert sich in einer Stromleitung, stürzt ab und landet verletzt just im Garten von Connis Familie.
Aus der Nachbarschaft droht Ungemach
Doch davon ahnen Connis Eltern noch nichts. Weil Onkel Albert sich das Bein gebrochen hat, sind die beiden gerade im Aufbruch, um ihn zu unterstützen. Zwei Tage werden sie mit Connis jüngerem Bruder weg sein. In dieser Zeit passt Connis Opa auf seine Enkelin auf, die zudem Übernachtungsbesuch von ihren Freunden Anna und Simon bekommt. Die Kinder staunen nicht schlecht, als sie plötzlich den Kranich im Garten entdecken, und nehmen ihn bei sich auf. Während sie durch einen Peilsender auf dem Rücken des Tiers Kontakt mit einer Tierschützerin aufnehmen können, droht aus der Nachbarschaft Ungemach. Der penible Herr Oswald ist wütend, weil sein Rosengarten verwüstet wurde und ahnt, dass dies irgendwie mit Conni zu tun hat.
„Meine Freundin Conni - Abenteuer mit Kranich Klaus“ orientiert sich eng an den Wahrnehmungsbedürfnissen sehr junger Kinobesucher und setzt mehr auf lange Einstellungen und Beobachtungen als auf dramatische Action. Damit bietet er tatsächlich einen guten Gegenpol zu aktuellen Family-Entertainment-Produktionen, die vor allem auf Überwältigung setzen.
Obwohl das Erzähltempo angemessen ist, wirkt die beabsichtigte Alltäglichkeit allerdings aufgesetzt und absolut nicht organisch. Eine Kissenschlacht zwischen den Kindern etwa, die Singszenen, die Interaktionen zwischen Eltern und Kindern. Sie müssen sein, weil sie dramaturgisch notwendig sind, aber nicht, weil sie sich aus den Situationen ergeben. Dadurch fühlt sich vieles einfach kalt an – und genauso künstlich wie die 3D-Animationen. Diese orientieren sich zwar mit ihrem flächigen Stil an den Bilderbuchillustrationen und suchen damit die Nähe zur Vorlage, fühlen sich aber in ihren Bewegungen und Gewichtungen dennoch stets künstlich und ungelenk an. Mindestens ebenso merkwürdig ist das Figurendesign. Die cartoonhaft großen Augen des Kranichs haben mehr emotionale Ausdruckskraft als die realistischeren kleinen Augen der menschlichen Figuren und bringen ein Ungleichgewicht in diese Welt.
Kein Raum für eigene Gedanken
Ein junges Publikum, Kinder bei ihrem ersten Kinobesuch allemal, wird all das vielleicht nicht bemerken. Anknüpfungspunkte an ihre Lebenserfahrungen bietet die Geschichte dafür zuhauf, wenn sie von Familien, Freundschaft, Fürsorglichkeit, Tierliebe und Tierschutz, auch ein wenig von Streit und Versöhnung erzählt. Aber nur weil ein Kinderfilm Themen-Checklisten abarbeitet, bedeutet das nicht, dass er auch gelungen ist. Zumal dann nicht, wenn er seinem Publikum kaum etwas zutraut. Sobald die Kinder im Garten verstreuten Müll entdecken, muss auch die Aussage „Was ist denn da passiert?“ folgen. Der Film lässt keinen Raum für eigene Gedanken und freie Blicke, jeder Dialog ist didaktisch. Das lässt sich auch nicht durch eine turbulente Verfolgungsjagd zwischen einem Kind auf Skates und einem Kranich in einem Kinderwagen überspielen – was mit dem angestrebten Realismus wiederum nicht mehr viel zu tun hat.
„Meine Freundin Conni - Abenteuer mit Kranich Klaus“ ist ein zwiespältiger Film geworden. Einerseits mit einem Gespür dafür, was Kindern wichtig ist und was junge Kinder im Kino brauchen, andererseits aber zu sehr dem pädagogischen Duktus verhaftet und ästhetisch zu oberflächlich. Dafür drängt er eine Frage auf: Ist es wirklich so schwer, über alltägliche Situationen zu erzählen, die sich auch echt anfühlen? Wie das funktionieren kann, ganz ohne Dramatik, aber mit einem Hauch von Poesie und Schönheit, zeigen Slice-of-Life-Geschichten aus Animes schon lange.










