Vorstellungen
Filmkritik
Die Minions, jene kleinen, gelben Eierköpfe aus „Ich – Einfach unverbesserlich“, sind zurück. „Minions & Monster“ ist nach „Minions“ (2015) und „Minions - Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ (2022) bereits das dritte Spin-off, das ihren Namen im Titel trägt. Während „Minions“ die Behauptung wagte, dass die Chaoten älter als die Menschheit sind, erfährt man nun in einem furiosen Prolog, dass sie schon immer zur Filmgeschichte gehörten, von Beginn an. Nicht nur, dass sie in Eadweard Muybridges Bewegungsstudien eines Pferdes auftauchen – sie stehen auch auf dem Bahnsteig bei der berühmten Zugeinfahrt der Gebrüder Lumière, treten auf den nicht minder berühmten Gartenschlauch und schubsen bei Méliès die fröhlich winkenden Damen ins Raumschiff für „Die Reise zum Mond“.
Die Minions spotten der Schwerkraft
Zwischendurch wird klar, dass die kleinen Gesellen weiterhin auf der Suche nach einem gestandenen Bösewicht sind, dem sie dienen wollen. Doch vom Zyklopen auf einer einsamen Insel bis zur ägyptischen Mumie verschulden die Minions in ihrer Trotteligkeit stets das vorzeitige Ableben ihrer Herrinnen und Herren. Zufällig landen sie auch in Hollywood und bringen die Dreharbeiten zu einem Western gehörig durcheinander. Urkomisch, geradezu wahnwitzig ist diese Szene, weil sie in Tex-Avery-Manier der Schwerkraft spottet und die Notwendigkeit des Zufalls feiert. Die Minions hängen sich in dicken Trauben an Zugwaggons, Autos und Pferde; mit ihrer schieren Masse verschieben sie das Gleichgewicht und umkurven so Fußgänger und Hindernisse. Nur „als Gruppe, als Stamm, als Freunde“ sind sie stark, wie es einmal heißt.
Es geht also einmal mehr um den Zusammenhalt der unbekümmerten Chaoten. Später crashen sie auch noch die Dreharbeiten berühmter Slapstick-Komödien, von Chaplin bis Keaton. Man muss das gar nicht alles aufzählen, weil die Filme als Hommage im Abspann genannt werden. Slapstick und Minions – das passt wie die Faust aufs Auge.
Die Geschichte in der Geschichte
Die Regisseure Pierre Coffin und Chris Renaud haben mit diesen Szenen eine aufregende, einmal mehr makellos animierte Achterbahnfahrt voller Gags und Details geschaffen, die den Zuschauer überraschen und lauthals lachen lassen. Plötzlich sind die Eierköpfe erfolgreiche Filmstars. Doch mit dem Aufkommen des Tonfilms ist ihre Karriere – man erinnere sich an ihr romanisches Kauderwelsch – schnell vorbei. Das ist ein Problem, das schon Filme von „Du sollst mein Glücksstern sein“ (1952) bis zuletzt „Downton Abbey 2“ (2022) thematisiert haben. James und Henry, die beiden Außenseiter unter den Minions, wollen deshalb einen Monsterfilm drehen. „Ein supertoller Monsterfilm braucht ein supertolles Monster“, stellen sie fest, und damit beginnt, ein wenig umständlich vorbereitet, die eigentliche Geschichte des Films.
Die zahlreichen Anspielungen und Hommagen an die Kinogeschichte, nicht zu vergessen einzelne Persiflagen bedeutender Filme, dürften an jüngeren Zuschauern vorüberziehen. Doch das ist nicht schlimm, weil die Szenen der Vorbilder heute noch genauso komisch sind wie damals. Sie richten sich vor allem an Kinokenner, die die zahlreichen Verknüpfungen rasch herstellen und sich über die Fundstelle freuen. Auch aktuelle Filme wie „Babylon - Rausch der Ekstase“ sind dabei vor harscher Kritik nicht gefeit.
Liebeserklärung an die Filmgeschichte
Doch mit der Diskussion um einen Horrorfilm und dem Auftauchen des Supermonsters Irene, das für Kinder zu furchterregend ist, ändert sich die Stimmung des Films. Nicht nur, dass hier so einiges kaputtgeht – die Minions wehren sich plötzlich klug und waffenbewehrt gegen die wachsende Zerstörung. Ihre Tollpatschigkeit haben sie abgelegt. Entschlossen ziehen sie in den Kampf und verlieren damit ihre Unschuld. Die Nebenstränge um einen Außerirdischen namens Dort und ein grünes Minimonster namens Goomi, auf deutsch gesprochen von Tom und Bill Kaulitz, halten die Handlung bloß auf; die Liebesgeschichte zwischen Dort und einer Frauenrechtlerin ist unglaubwürdig und überflüssig.
Was bleibt, ist die furiose Liebeserklärung an die Filmgeschichte, die auch vor Horrorklassikern der 1950er-Jahre nicht Halt macht. Für cinephile Zuschauer ist „Minions & Monster“ im ersten Drittel wahrlich ein Fest.
