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Filmkritik
Es könnte fast eine Komödie sein. Bear (Michael Johnston) will Nikki (Inde Navarette) seine Liebe gestehen. Doch die Rede, die er in der ersten Szene von „Obsession“ vorträgt, kommt nie bei der Noch-Freundin an. Erst lässt ihn der beste Kumpel Ian (Cooper Tomlinson) nicht zu Wort kommen, dann redet der Barkeeper dazwischen und später, als Bear endlich allein und ungestört mit Nikki ist, verlässt ihn erneut der Mut und kommt nicht wieder, als Nikki selbst sein Herumgedruckse nicht mehr erträgt und ihn konkret fragt, ob er Gefühle für sie habe. Es fehlt allein der „Comic Relief“. Denn Bear springt nicht über seinen Schatten und der Film badet ausgiebig im brutal zerdehnten Unbehagen.
Als ihn die Freundin schlussendlich stehen lässt, fällt dem Protagonisten der Wunschzweig ein, den er (eigentlich für Nikki) in einem Esoterikladen gekauft hat. Hastig zerbricht er den Zweig und wünscht sich Nikkis bedingungslose Liebe. Wenige Sekunden später steht die Freundin wieder an seinem Auto, verlangt die Nacht bei ihm zu verbringen. Bears Wunsch geht in Erfüllung. Das Unbehagen bleibt.
Etwas, was nicht ihm gehört
„Obsession“ ist eine Variation von W.W. Jacobs’ Kurzgeschichte „The Monkey’s Paw“. Es geht dennoch weniger um die Idee des „Careful what you wish for“ als um die Tatsache, dass sich Bear etwas genommen hat, was nicht ihm gehört. Er beansprucht die Liebe für sich, spricht Nikki jeden Anteil ab. Das Ergebnis muss ein Horrorfilm sein. Allein Bear sieht das anders. Er wischt das Unbehagen zur Seite, das bald nicht nur der beste Freund Ian und die platonische Freundin Sarah (Megan Lawless), sondern so ziemlich alle fühlen, die in die Nähe des neuen Paars kommen.
Denn Nikkis Liebe ist sichtbar forciert, wird von der Sonderbarkeit, die sich noch mit einem vermeintlichen Drogenrausch rechtfertigen lässt, allmählich zur bedrohlichen Zwanghaftigkeit: ihr Lachen ist zu laut, ihr Lächeln eine Grimasse und ihre Liebesbekundungen sind von bizarrer Verzücktheit. Bear kann das zunächst ignorieren, kann der Angebeteten seinen Willen aufzwingen, sie wieder und wieder seine Lieblingsfilme schauen lassen, ihrer angeblichen Libido nachgeben und die permanenten Ticks ignorieren, die Nikki immer deutlicher ihres eigenen Wesens entheben.
Doch der Schrecken klopft beharrlich und ist spätestens dort unverkennbar, wo der Bann, unter den Bears Wunsch Nikki gestellt hat, kurz bricht. Wie in fremder Umgebung erwacht wirkt die junge Frau: sie schreit, versucht zu fliehen, weint und fällt wenige Sekunden später in die somnambule Gefügigkeit zurück. Regisseur und Autor Curry Barker spielt Nikkis dämonische Besessenheit beharrlich gegen Bears Ignoranz aus. Seine Versuche, das eigene Gewissen zu unterdrücken, werden sukzessive von immer neuen grotesken Manifestationen der forcierten Liebe weggefegt. Bald fängt Nikki an zu lügen, lässt Bear keine Sekunde allein, gibt den eigenen Körper auf, verletzt sich selbst und droht für die scheinbare Liebe zu Bear zugrunde zu gehen.
Soziales Unbehagen schlägt in Wahnsinn um
Das soziale Unbehagen, das der Film anfangs noch so gekonnt moduliert, schlägt in völligen Wahnsinn um. Barker kostet ihn ausgiebig in Panikattacken, Schreien, gespenstischen Stillständen und blutigen Exzessen aus. Der Weg dorthin ist lang und Barker reiht vielleicht allzu beharrlich verwandte Situationen des Unbehagens aneinander, zugleich aber offenbart der Filmemacher sein Talent dafür, persönliche und soziale Grenzen zaghaft, deutlich und exzessiv zu übertreten. In „Obsession“ mischt sich Humor mit Fremdscham, Schrecken und hemmungsloser Brutalität auf immer wieder überraschende Art.
Das Ergebnis ist nicht von Eleganz und Kohärenz geprägt, sondern vielmehr von einem bitterbösem Spieltrieb, mit dem der Film sich an immer neuen, teuflischen Formen des Genres versucht. Eine der bizarrsten und zugleich besten zeigt Barker bei Bears Versuch, sich mit einem Anruf bei der Service-Hotline des Wunschzweig-Herstellers zu beschweren. Komisch ist die Szene zunächst, als sich ein gelangweilter, aber ethisch überraschend integrer Mitarbeiter seines Falls annimmt. Reversibel sei der Wunsch nicht und Bear habe schließlich genug Warnung mit der Packungsbeilage erhalten. Vielleicht würde es ihm helfen, einmal kurz mit der „echten“ Nikki zu sprechen. Wieder einmal ist „Obsession“ eine Komödie. Bis ein scheinbar endloser Schrei durch den Hörer dringt, gefolgt von Nikkis Flehen, sie bitte sterben zu lassen. Fast eine Komödie.










