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Poltergeist (2015)

94 minHorrorFSK 16
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Nachdem Eric Bowen (Sam Rockwell), Ehemann und Vater, seinen Job verloren hat, muss seine ganze Familie in eine andere Stadt ziehen. In ihrem neuen Heim beginnen sich schon bald seltsame Vorfälle zu häufen und Erics Frau Amy (Rosemarie DeWitt) glaubt, mit Toten sprechen zu können.
Schließlich überschlagen sich die Ereignisse endgültig, als die jüngste Tochter Madison (Kennedi Clements) auf unerklärliche Weise verschwindet und damit die ganze Familie in Panik versetzt. Bald ist allen klar, dass hier übernatürliche finstere Mächte im Spiel sind. Die letzte Hoffnung stellen eine Parapsychologin (Jane Adams), die Madisons Fall untersuchen soll, sowie der TV-Moderator Carrigan Burke (Jared Harris) mit seinem Fernsehteam von "Haunted House Cleaners" dar. Zusammen gehen sie den seltsamen und unheimlichen Geschehnissen im Hause der Bowens auf den Grund, um dem ganzen Spuk ein Ende zu setzen.

„Sie sind wieder da!“ Doch das „wieder“ aus einem der berühmten Dialogsätze der Filmgeschichte kann man getrost streichen. „Poltergeist“ ist keine Fortführung der drei „Poltergeist“-Filme aus den 1980er-Jahren, sondern ein „Reboot“, eine Neuinszenierung, die an den alten Erfolg anknüpfen – und das Original in gewisser Weise vergessen machen will. Die berühmte Geschichte von Steven Spielberg, die Tobe Hooper für einen Familienfilm recht fordernd und drastisch in Szene setzte (fd 23 664), wird, von Nuancen einmal abgesehen, noch einmal und in 3D erzählt. Eine nette, finanziell gebeutelte Familie (wackerer Arbeitervater, aufopferungsvoll-energische, emanzipierte Hausfrau, rebellische ältere Tochter, pubertierender Sohn und das mit Puppen spielende Nesthäkchen) zieht in ein neues Haus. Das ist erstaunlich günstig zu bekommen. Nachdem die Kartons hinter der Haustür gestapelt sind, weiß man auch, warum. Es ist nicht die elektrisch aufgeladene Luft von der nahen Hochspannungsleitung, die die Dinge in und um die Wandschränke in unnatürliche Bewegungen versetzt. Es sind die Seelen ruhelos Umherirrender, die einst unter der Friedhofserde ihr Heil finden sollten, bis windige Geschäftemacher den Boden mit Einfamilienhäusern entweihten. Da muss man halt mit leben, wenn man sich nicht mehr leisten kann, lautet der elterliche Vorschlag zur Güte. Doch als das Haus die kleine Madison verschluckt und der ängstliche Bruder ihre Spuren im Flachbildschirm entdeckt, ist das Maß voll. Paranormal geschultes Personal wird engagiert, um Madison aus den Klauen des Poltergeistes zu befreien; die Polizei würde ohnehin nichts glauben. Überdies will die Familie die unheilige Stätte verlassen, ehe noch jemand weiteres Schaden nimmt. Allerdings stellt sich Madisons Rettung schwerer dar, als es sich die drei universitären Geisterjäger vorgestellt haben. Da muss schon ein „Promi“ in Gestalt von „Häuser-Reiniger“ Carrigan Burke her. Der ist nicht nur ein Star der Branche, sondern verfügt auch über die „Waffen“ eines im Kampf gestählten alten Ghostbusters: Laptops, Plasma-Sensoren und Wärmekameras. Die Erfolgsproduzenten aus Hollywood gehen – vielleicht nicht ganz zu unrecht – davon aus, dass das Publikum die Kinoklassiker nicht (mehr) kennt und sich ältere Grusel-Sujets deshalb durchaus recyceln lassen. Dramaturgisch holpert der neue Film allerdings gewaltig. Was bei Hooper/Spielberg noch ein Schrecken verbreitender Wendepunkt war, nämlich die Erkenntnis, dass der Auslöser allen Unheils ein entweihter (Indianer-)Friedhof ist, wird in der Neuinszenierung von Gil Kenan schon zu Beginn in einem folgenlosen Nebensatz verraten. Dass Horror auch etwas mit den Bildern im Kopf der Betrachter zu tun hat, interessiert die Macher nicht. Ebenso wenig wie die geschickte, spannungssteigernde Dosierung des Schreckens. Ohne Vorspiel bricht das Grauen brachial-bombastisch in 3D über den Betrachter ein, obwohl die (Computer-)Effekte erstaunlicherweise nicht an das 33 Jahre ältere Original heranreichen. Spielberg und „Industrial Light & Magic“ hatten es 1982 verstanden, ausschließlich mit Lichteffekten wundersamen Schrecken zu kreieren (man erinnere sich nur an die ätherische Geisterprozession in der guten Stube der Freelings); was Monster oder Ekel und den damit verbundenen Suspense betraf, steuerte Hooper Meisterliches bei (etwa den Klauenbaum, der den Sohn zu verschlingen droht, oder die Matschgrube, in der sich die Gräber des Friedhofs entleeren und in die es tunlichst nicht zu fallen gilt). All das wird in der neuen Version zwar zitiert, verpufft aber folgenlos, weil der abgeklärten Inszenierung das Spielerische und auch die Vision fehlen. So hastet der neue „Poltergeist“ von einem behaupteten Höhepunkt zum nächsten, ohne auch nur einen einzigen wirklich auszuarbeiten. Es scheint fast so zu sein, als wünschten die Macher, dass das Publikum das „Original“ doch noch im Hinterkopf hat. Helfen würde das in jedem Fall, um die Sinn- und Handlungslücken mit Erinnerungen aufzufüllen. Das Schönste an einer solchen Art von „Neuverfilmung“ aber ist ohnehin, dass die Klassiker nicht gänzlich in Vergessenheit geraten.

Veröffentlicht auf filmdienst.dePoltergeist (2015)Von: Jörg Gerle (1.7.2026)
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