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Filmkritik
„Achtung, in diesem Haus wurde jemand ermordet“: Ein Satz, den wohl niemals ein Immobilienmakler freiwillig in eine Verkaufsanzeige schreiben würde. Doch Gerüchte und Gruselgeschichten streuen oft weiter als jede Annonce – und schrecken potenzielle Käufer ab. Maklerin Natalie (Alicia Sanz) steht genau vor diesem Problem: Sie soll eine prachtvolle Villa verkaufen, die selbst Jahre nach einem Mord noch leer dasteht. Doch lediglich ein mysteriöser Interessent lässt sich zur offenen Besichtigung blicken. Der Mann trägt ein dunkles Geheimnis in sich, das das Leben der hochschwangeren Maklerin und ihr ungeborenes Kind bedroht.
Mit „Push: Haus in tödlicher Lage“ haben David Charbonier und Justin Powell ihren mittlerweile dritten Langfilm als Regie-Duo auf den Weg gebracht. Nach dem okkulten Horrorfilm „The Djinn“ bleibt das Duo dem Übernatürlichen treu, denn das verfluchte Anwesen offenbart der nichtsahnenden Maklerin bald seine wahre Natur. Die spanische Schauspielerin Alicia Sanz muss sich diesem Grauen allein stellen, denn es gibt kilometerweit keinen einzigen Nachbarn, und ihr Auto springt natürlich nach den ersten Erscheinungen just nicht mehr an.
Viele Möglichkeiten bleiben ungenutzt
In klassischer Home-Invasion-Manier spielt sich der Horrorthriller fast vollständig in und um das täuschend idyllische Gemäuer ab. Kameramann Daniel Katz versteht es, den Stimmungswechsel des hell ausgeleuchteten Anwesens bei Tag in ein verwinkeltes Gruselhaus bei Nacht zu inszenieren. Wenn Natalie allein durch die düsteren Flure schleicht und auf Spieluhren, Plattenspieler und Fahrstühle stößt, bedient sich „Push: Haus in tödlicher Lage“ üblicher Motive und Chancen für den Verlauf. Doch anstatt voranzukommen, dreht sich der Thriller zunehmend im Kreis. Die aufkommende Spannung stagniert bald angesichts einer Vielzahl gleich wirkender Räume und Flure, die zwar Natalies Desorientierung transportieren sollen, jedoch durch fehlende Dynamik schlichtweg ermüden.
Raúl Castillo als namenloser Eindringling mutiert im Filmverlauf zu einem austauschbaren Antagonisten, der durch seine bewusste Langsamkeit lediglich Slasher-Stereotypen à la Michael Myers nachahmt und trotz Gewaltspitzen kaum Gefahr ausstrahlt. Den psychologischen Terror des Invasoren, der das Opfer mehr und mehr in die Enge sowie die Zuschauer an die Sitzkante treibt, hat zuletzt etwa Milo Gibson in „Clawfoot“ markanter verkörpert.
Generische Home Invasion unter vielen
Die Kopplung mit dem hispanischen Hintergrund der beiden Figuren nutzt „Push: Haus in tödlicher Lage“ angesichts des tief verankerten Totenkultes nur oberflächlich. Aktuelle Genre-Filmemacher wie der mexikanische Regisseur Emilio Portes nutzten etwa in „Don’t Leave the Kids Alone“ dieses Motiv wesentlich effizienter und befeuerten die Fantasie der Zuschauer bis an ihre Grenzen.
Auch die Angst um Natalies Kind transportieren Charbonier und Powell nur rudimentär, was zu unfreiwillig komischen Szenen etwa bei einem Fenstersturz führt. Einen Tiefschlag wie im extrem expliziten Thriller „Inside“ erwartet hier zwar niemand. Dass sich das Duo jedoch kaum aus der generischen Home-Invasion-Komfortzone wagt, um eigene Aspekte oder Überraschungen zu setzen, macht „Push: Haus in tödlicher Lage“ letztlich zu einem schnell vergessenen Thriller unter vielen.


