Zum Hauptinhalt springen

Supergirl

110 minAbenteuer, Science Fiction, ActionFSK 12
Tickets
Szenebild von Supergirl 1
Szenebild von Supergirl 2
Szenebild von Supergirl 3
Szenebild von Supergirl 4
Szenebild von Supergirl 5
Szenebild von Supergirl 6
Während Superman auf die Erde geschickt wurde und von unglaublich liebevollen Eltern aufgezogen wurde, blieb Kara auf Krypton zurück. Die ersten vierzehn Jahre ihres Lebens lebte Kara allein auf einem Stück Krypton, das vom Planeten weggetrieben wurde.
  • Veröffentlichung25.06.2026
  • Craig Gillespie
  • Vereinigte Staaten (2026)
  • Untertitel, Audiodeskription
  • 6/10 (496) Stimmen

In vielerlei Hinsicht ist Kara Zor-El (Milly Alcock) alias Supergirl eine ideale Heldin für unsere Zeit. Als Teenagerin musste sie miterleben, wie ihre Elterngeneration ihre Heimatwelt zerstörte und als junge Frau flüchtet sie sich nun in kleine Rebellionen und große Partys, um mit dem daraus resultierenden emotionalen Chaos zurechtzukommen. Ihr Leben ist ein nie enden wollender, intergalaktischer „Brat Summer“, denn laute Musik und starker Alkohol machen es einfacher, den Weltschmerz wegzutanzen. An Karas 23. Geburtstag, den sie auf einem fernen Planeten mit ihrem Hund Krypto feiert, findet das Weltraum-Barhopping jedoch ein jähes Ende. Die dreizehnjährige Ruthye (Eve Ridley) sucht nach Verbündeten, um den Mörder ihres Vaters zu finden und ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen.

Kara hat wenig Interesse daran, sich in diesen Rachefeldzug reinziehen zu lassen, bis der besagte Killer Krem (Matthias Schoenaerts) ihr Schiff stiehlt und ihren Hund vergiftet. Die einzige Hoffnung für den treuen Gefährten ist ein Gegengift, das der Übeltäter bei sich trägt. Ohne Transportmittel und weiterhin leicht alkoholisiert, begibt sich Kara mit Ruthye auf die Suche nach Krem, um sein Leben zu beenden und das ihres Hundes zu retten. Zwischen ihnen stehen lediglich die halbe Galaxie und Krems Bande an Räubern, Mördern und Mädchenhändlern. Es entspinnt sich ein interplanetarer Roadtrip, voller Abenteuer, Gefahren und der Frage, was es braucht, damit zwei „Girls“, denen eine normale Kindheit geraubt wurde, erwachsen werden können.

Spannender als „Superman“

Wer dem Irrglauben erliegt, dass es sich bei „Supergirl“ nur um einen weiblichen „Superman“-Abklatsch handelt, wird vom Film direkt eines Besseren belehrt: Nichts könnte der jungen Frau egaler sein als „Truth, Justice, and the American Way“. Bereits in der ersten Szene pinkelt Krypto symbolträchtig auf ein Foto des All-American-Heroes und für den Rest der Laufzeit darf sich der „Mann aus Stahl“ lediglich einige Male als besorgtes Familienmitglied zu Worte melden. Weder seine Person noch sein letzter Filmauftritt sind für Karas Geschichte von größerer Relevanz. Und das ist auch gut so, denn dieses Supergirl ist in vielerlei Hinsicht interessanter als ihr großer Cousin.

Während Superman bereits als Baby den sterbenden Planeten Krypton verlassen konnte und eine amerikanische Kleinstadtjugend in Kansas verbrachte, blieb Kara bis ins Teenager-Alter bei ihrer Familie. Sie musste, im Gegensatz zu ihm, bewusst die Entscheidung treffen, ihre Eltern auf einer zum Untergang verdammten Welt zurückzulassen – nur ihren Hund konnte sie retten. Das Trauma, das sie mit sich trägt, kennt ein Superman nicht und keine übermenschlichen Kräfte können ihr dabei helfen, es zu heilen. Die Herausforderung, der sich der Film stellen muss, ist es, dieser zerrissenen Figur gerecht zu werden. Eine Superheldin zu erschaffen, die sowohl für endlosen Spaß und eine wilde Jugend als auch für emotionale Zerbrechlichkeit und eine verlorene Kindheit steht.

Regisseur Craig Gillespie legt jedoch eindeutig mehr Wert auf unterhaltsames Popcornkino als auf eine reflektierte Charakterstudie. Er lässt es ordentlich krachen und handelt introspektivere Momente eher als Pflichtaufgabe ab. Glücklicherweise verhindert Hauptdarstellerin Milly Alcock, dass die vielschichtige Titelfigur dem actionlastigen Spektakel komplett zum Opfer fällt. Mit viel Charme und Energie erweckt sie die heldenhaften und verletzlichen Seiten Supergirls gleichermaßen zum Leben und ist damit derart erfolgreich, dass sogar ihre Reisepartnerin Ruthye oft an den Rand gespielt wird. Einzig der Gastauftritt von Jason Momoa als intergalaktischer Kopfgeldjäger Lobo kann Alcock in Sachen Leinwandpräsenz Konkurrenz machen.

James Gunn lässt grüßen

Obwohl James Gunn bei „Supergirl“ nicht Regie führte, sondern lediglich Produzent war, trägt der Film die Handschrift des DC-Studio-Chefs. Actionszenen werden regelmäßig mit heiterer Pop-Musik ironisch gebrochen und ergötzen sich an spektakulären Zeitlupen. Die Titelheldin verlässt die Erde, um wilde Abenteuer im Weltraum zu erleben, verzichtet aber nicht auf ihren treuen Walkman mit der Retro-Playlist. Alles fühlt sich an, als landete „Supergirl“ irgendwo zwischen „Superman“ und „Guardians of the Galaxy“. Das ist kein schwerwiegender Vorwurf, denn James Gunn hat schließlich seinen Job bei DC gerade deswegen bekommen, weil er so häufig unter Beweis gestellt hat, dass er ein Händchen für überzeugende Superhelden-Action mit Ohrwurm-Musik hat.

Auch bei „Supergirl“ sorgt dieser Stil, insbesondere im Finale, für einige Höhepunkte, aber dennoch ist es auffällig, wie eigene Akzente von Craig Gillespie nur leise durchklingen. Nur in wenigen, kurzen Momenten findet er den Mut, von Gunns Blaupausen abzuweichen. Ausgerechnet eine Heldin, die sich so vehement gegen etablierte Konventionen stellt, bekommt damit einen Filmauftritt, der sich nur unmerklich von den großen Franchises der letzten Jahre abhebt.

Nicht so gut wie die Comicvorlage

„Supergirl“ ist ein brauchbarer Sommerblockbuster, der seinen Genrekonventionen leider etwas zu treu bleibt. Wie viel ungenutztes Potential im Film steckt, wird jedoch erst klar, wenn man einen Blick auf die großartige Comicvorlage „Woman of Tomorrow“ wirft. Auch hier wird die Geschichte von Kara und Ruthye erzählt, aber alles ist ein wenig ausgefeilter als in der Filmadaption. Der Comic nimmt sich die Zeit, um die Freundschaft zwischen Ruthye und Kara zu entwickeln und über Verlust und Trauer zu reflektieren. Moralische Grauzonen werden stärker betont und die Actionszenen sind seltener, aber dafür umso bombastischer.

Der Film muss für maximales Popcorn-Kino alles etwas straffen und ständig in Bewegung bleiben. Das macht ihn enorm kurzweilig, aber beraubt ihn seiner Gravitas. Dass trotz aller Abstriche ein kurzweiliges Filmerlebnis geboten wird, ist Supergirl und Lobo zu danken – und das, obwohl Lobo in der Comic-Version nicht einmal vorkam. Das weckt die Hoffnung, dass es für sie im DC-Universum noch wesentlich interessantere Geschichten zu erzählen gibt. Selbst wenn James Gunn versucht, der Heldin am Ende doch eine Fußfessel anzulegen und ihr die Erde als Heimat schmackhaft zu machen. Wahrscheinlich für kommende „Superman“-Sequels. Ein komplett falscher Impuls: So gerne man mehr von Alcocks Supergirl auf der Leinwand sehen will, ihre Figur ist zu wild und zu spannend für Metropolis – James Gunn sollte sie fliegen lassen.

Veröffentlicht auf filmdienst.deSupergirlVon: Christoph Dobbitsch (22.7.2026)
Über filmdienst.de Filmdienst.de, seit 1947 aktiv, bietet Filmkritiken, Hintergrundartikel und ein Filmlexikon zu neuen Kinofilmen aber auch Heimkino und Filmkultur. Ursprünglich eine Zeitschrift, ist es seit 2018 digital und wird von der Katholischen Filmkommission für Deutschland betrieben. filmdienst.de