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Filmkritik
„Real Steel“ ist ein Film für kleine Jungs und wäre wohl doch lieber ein Film für angegraute Männer. Seine Hauptattraktion sind Actionszenen, in denen sich Kampfroboter, die wie Nebenfiguren der „Transformers“-Reihe aussehen, gegenseitig zu Schrott hauen. Das Hauptaugenmerk der Regie gilt derweil einem Subplot, der einen abgehalfterten Ex-Boxer auf Umwegen den Quasi-Triumph von „Rocky“ (fd 20 250) nacherleben und zum besseren Mensch werden lässt. Das passiert zwar in einer nahen Zukunft, doch der Ton ist von Nostalgie bestimmt. Der Plot basiert auf einer Kurzgeschichte von Richard Matheson, die schon 1963 mit Lee Marvin für die legendäre Fernsehreihe „The Twilight Zone“ verfilmt wurde. Die Prämisse lautet, dass in der Zukunft nur noch Roboter im Boxring gegeneinander antreten, wobei diese in John Gatkins’ Drehbuch zu überlebensgroßen Stahlkolossen ausgewachsen sind, die mittels avancierter Computertechnik ferngesteuert werden. Deshalb nutzt es dem Protagonisten Charlie, der mehr schlecht als recht von seinen rostigen Kämpfern lebt, als ihm vorübergehend sein Sohn Max anvertraut wird: Der Zehnjährige, von dessen Existenz der ebenso verantwortungslose wie unvernünftige Kerl bis zum plötzlichen Tod der Kindsmutter nichts wusste, entpuppt sich nämlich als Games-Fan mit Technikfaible. Weil der bärbeißige Charlie den Jungen jedoch nur deshalb in seine Obhut nimmt, um dem reichen Ehemann seiner Ex-Schwägerin Geld abzupressen, muss Max sein Bedürfnis nach Zuneigung freilich auf eine antiquierte Kampfmaschine projizieren, die er gegen den Willen des Vaters vom Schrottplatz schleppt. Einige Szenen lassen sich so deuten, als schlummere in dem stummen Blechmann künstliche Intelligenz und als bringe er quasi-menschliche Gefühle für seinen kleinen Freund auf. Solche Andeutungen mag man dem Einfluss von Steven Spielberg als ausführendem Produzenten zuschreiben, doch dieser Aspekt wird nicht weiter entwickelt. Das Gleiche gilt auch für näher liegende Themen, doch in einem Film, der mit prügelnden Robotern kleine Jungs ins Kino locken will, kommt es darauf auch nicht an. Zwar kümmert sich der Plot kaum um Charlies Traumatisierung, und auch die Romanze zwischen Charlie und Bailey, der Tochter seines toten Boxtrainers, wird auffallend nachlässig entwickelt. Doch sobald Max’ Roboter eine überraschende Kampfkarriere startet und als Katalysator der Vater-Sohn-Beziehung fungiert, greifen die Plot-Elemente wie gut geölte Räder einer Maschine ineinander; keine Nebenfigur wird eingeführt, die nicht später noch Verwendung fände. Worauf es ankommt, ist, dass die computeranimierten Kampfszenen geradezu perfekt funktionieren; eine Steigerung des Realitätseffekts ist kaum noch vorstellbar. Regisseur Shawn Levy scheint mit dem spektakulären Ergebnis gleichwohl nicht so recht zufrieden zu sein. In den Dialogen verwendet er viel Zeit darauf, in der Vergangenheit des echten Boxsports zu schwelgen, dessen Faszination sich aus Aspekten speist, die kleinen Jungs (und Robotern) wesensfremd sind. Statt auszumalen, wie die nahe Zukunft aussehen mag, beschwört er durch die Auswahl der Handlungsorte – ein Nachkriegsmotel, das mit seiner geschwungenen Leuchtreklametafel wie ein Klischee seiner Ära wirkt; ein antiker Backsteinklotz aus der Frühzeit des Hochhausbaus – lieber ein längst vergangenes Amerika herauf. Obwohl die Handlung mehrheitlich im Südwesten des Landes angesiedelt ist, wurde auch in Detroit und Umgebung gedreht, also in der Region, die exemplarisch ein untergegangenes Industriezeitalter repräsentiert. Man könnte fast glauben, dass Levy sich heimlich eine umgekehrte „Transformers“-Wandlung für seine Roboter wünschte, die sich in altmodische Limousinen zurückverwandeln, wie Detroit sie einst vom Fließband rollen ließ.

