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Resident Evil

99 minThriller, HorrorFSK 16
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Der Kurierfahrer Bryan nimmt einen scheinbar harmlosen Auftrag an: die Lieferung eines biomedizinischen Pakets. Was wie ein gewöhnlicher Arbeitstag beginnt, wird zur Hölle auf Erden. Eine Nacht, kein Ausweg – und ein Horror, der alles verschlingt.

Feierabend. Eigentlich müsste Bryan (Austin Abrams) dringend mit seiner Freundin reden, denn der Kurierfahrer hat noch eine seltsame Lieferung von Krankenhaus zu Krankenhaus, bis ins leicht abgelegene Raccoon City, zu überbringen. Durch den Schnee, die Landstraße entlang, mit einem nicht gerade wintertauglichen Kleinwagen. Doch wenn die Kohle stimmt, muss die Freundin warten. Es geht also in die Dunkelheit, und durch das Schneetreiben wird der Handyempfang nicht gerade besser.

Das sind ideale Randbedingungen für Grenzerfahrungen im Kino. Und so fackelt Regisseur Zach Cregger in „Resident Evil“ nicht lange und lässt, als das Publikum und Bryan noch an nichts Böses denken, eine für den Winter höchst unpassend gekleidete Frau wie beim Wildwechsel über die verschneite Straße huschen. Der geschockte Autofahrer glaubt aufgrund der Blutlachen im Eis und am Kotflügel, dass er Mist gebaut hat. Doch er täuscht sich, denn das, was folgt, liegt gänzlich außerhalb seiner Verantwortung. Dabei versucht er selbst in aussichtsloser Lage zwischen Fatalismus und Wahnsinn noch die Contenance und seine Liefertasche zu behalten.

In Abwesenheit der ballernden Heldin

„Resident Evil“ lässt als Videospiel-Reihe seit 1996 in immer neuen, inzwischen elf Varianten seine Fans durch untotes Leben ballern. Mit seinem „Survival Horror“ hat es zahlreiche Spieler in seinen gruselig-ekligen und über die Jahre immer blutigeren Bann gezogen. Seit 2002 ist dieses Prinzip auch Teil der Kino-Blockbuster-Kultur. Bemerkenswerterweise mit deutschem Geld und zumeist unter der Regie und Autorenschaft des Briten Paul W.S. Anderson wurde Milla Jovovich als Alice zum Inbegriff einer Heldin, die auch in apokalyptischen Szenarien immer genug Coolness und Munition hat, um all den widerlichen Kreaturen den Garaus zu machen und der Menschheit (zumindest bis zum nächsten Teil) ein wenig mehr Zeit vor dem drohenden Untergang zu verschaffen. Alice wird es schon richten, konnte man sich in sechs Teilen von 2002 bis 2016 denken und der Heldin ihren Lauf lassen. Das ändert sich nun – nach einem belanglosen Ableger von 2021 („Resident Evil: Welcome to Raccoon City“) – mit dem neuen Film grundlegend.

Im neuesten „Resident Evil“ ist nichts mehr zu sehen von Helden mit großen Waffen und eingebauter Unsterblichkeit. Hier schlittert Bryan zunehmend verzweifelt in Richtung Raccoon City, nicht wissend, dass von seiner Lieferung die Zukunft der Menschheit abhängen wird. Auch Zuschauer, die nie eines der Spiele gespielt oder einen der Filme der Reihe gesehen haben, können ohne weiteres einsteigen. Lediglich ein paar Referenzen werden eingestreut, ein paar Orte scheinen bekannt, aber das ist letztendlich fürs Filmerlebnis egal. Erleben kann man in „Resident Evil“ eine Menge. Das Unheil beginnt schon recht schnell nach der kurzen Exposition. Der Durchschnittstyp Bryan arrangiert sich mit seinen Sommerreifen auf dunklen Landstraßen, führt mit schlechtem Empfang unerquickliche Gespräche mit seiner Freundin, erlebt unerklärliche Dinge und zweifelt an seinem Realitätssinn, spätestens als er die angefahrene Frau lethargisch, aber lebend im Schnee entdeckt und versucht, sie mitsamt seiner Lieferung ins Krankenhaus zu fahren.

Gespür für Timing und Horror im Kleinen

Es ist dem jüngst nach „Weapons“ zur Hoffnung des Horrorkinos aufgestiegenen Regisseur Zach Cregger und seinem alles andere als den strahlenden Helden spielenden Hauptdarsteller zu verdanken, dass das „Reboot“ der eigentlich abgenudelten Reihe über weite Strecken zu einem Ereignis wird. Cregger hat ein sicheres Gefühl für Timing, das unheimliche Situationen durch trockene, aber nicht aufgesetzte Dialoge zugleich skurril und fesselnd werden lässt. Er hat Gespür für Horror im Kleinen und braucht eigentlich nur eine durch den Schnee hastende zierliche mittelalte Frau, um auf – und vor – der Leinwand für pures Entsetzen zu sorgen. Er weiß, wie man Licht und vor allem Schatten setzt, um gerade das besonders schrecklich erscheinen zu lassen, was man nur erahnt oder gar nur hört.

Mit seinem Nichthelden Bryan hat er einen „Slacker“ gefunden, der es schafft, in seiner Unbedarftheit nie zu nerven, sondern weiß, wie man Verzweiflung zwar zeigen kann, aber mit dem nötigen Adrenalinschub auch in unvermutete Akrobatik übersetzt. Er ist ein Typ, dem man glaubt, dass er gegen die unglaublichsten Horrorwesen antreten kann, wenn ihm nun einmal nichts anderes übrigbleibt. Bis zur Ankunft in Raccoon City bekommt er keine Erklärung, was gerade passiert, und so wird man als Zuschauer zur Identifikation mit Bryan gedrängt, der sich durch einen Nebel aus Eis, Schnee, Zombiehunden und anderen Aliens seinen Weg bahnt.

Bis in die 28. Etage des Krankenhausturms

Mit dem Verlassen des Landes und dem Erreichen der Stadt wird der Film allerdings ein anderer. Hier wird er eher schon zu jener Videospielverfilmung, die man erwartet hat. Bryan muss, von Zombies und anderen Kreaturen begleitet, durch die Stadt zum Krankenhausturm in die 28. Etage gelangen. So weit, so (vermeintlich) unmöglich. Der existentialistische Horrortrip gerät nun zum puren Popcornkino, das aber dank der Macher noch so viel Leben in sich trägt, dass das Spektakel weiterhin spannend bleibt und – bei allem Schrecken – auch ein wenig Spaß macht.

Dass in den letzten Minuten von „Resident Evil“ schließlich alles nur noch „over the top“ und eher albern als fesselnd ist, dürfte eher den Produzenten um Constantin Film (das für alle Teile der Reihe verantwortlich zeichnet) geschuldet sein. Denen ist sicher aufgefallen, dass der Film – über weite Strecken ein wunderbar grimmiger Solitär – unbedingt noch mehr Spektakel und vor allem eine Schnittstelle zu weiteren Teilen benötigt. Das ist schade, denn schlechte andere „Resident Evils“ gibt es beileibe genug. Davon braucht es in der Zukunft keine weiteren.

Veröffentlicht auf filmdienst.deResident EvilVon: Jörg Gerle (17.9.2026)
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