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Robin Hood - König der Diebe

143 minThriller, Krimi
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  • Veröffentlichung23.06.2023
  • Joshiy

Der Robin-Hood-Stoff hat eine lange, bis in die frühe Stummfilmzeit zurückreichende Tradition auf der Leinwand. Ob besetzt mit Douglas Fairbanks, Errol Flynn, Richard Todd oder gar mit Sean Connery, ob Abenteuerfilm, Komödie oder Parabel, es war stets die Geschichte eines aufrechten englischen Edelmanns im Kampf mit einem hinterlistigen Gegenspieler, hier dem Sheriff von Nottingham, und seiner Liebe zu der hübschen Maid Marian. Das Überraschendste an dieser neuen Filmversion, in Rekordzeit gegen den Konkurrenten "Robin Hood - Ein Leben für Richard Löwenherz" abgedreht, ist die Tatsache, daß er die vertrauten Figuren mit leichten, aber nicht unbedeutenden Veränderungen versieht. Der Sheriff von Nottingham ist in Alan Rickmans Verkörperung eine mephistophelische Karikatur des Bösen; Marian darf aus dem Klischee des liebreizenden Edelfräuleins ausbrechen und erscheint als höchst selbstbewußte Frau mit Intellekt und (auch handgreiflicher) Entschlossenheit; Robin selbst wird als ein im Herzen romantischer Held porträtiert, der sich durch die Umstände zum Rächer der Armen entwickelt. Die Wandlung der Charaktere wird nicht so weit getrieben, daß dem Film dadurch auch ein gewandelter Sinn zuwachsen würde, doch die Nuancierungen im Licht heutiger Kino-Idole und Leinwand-Mythen verleihen der abenteuerlichen Story einen zusätzlichen Reiz. Dazu gehört auch die Figur von Robins schwarzem Weggefährten Azeem, den er vom Kreuzzug nach Jerusalem mitbringt, eine Inkarnation des aufrechten, moralisch integren Freundes, bedachtes Zugeständnis an die fürs amerikanische Filmgeschäft immer bedeutsamer werdende farbige Bevölkerung.

Nach dem Ausbruch aus dem morgenländischen Kerker bewegt sich die Story in gewohnten Bahnen: Robins Konfrontation mit dem Tod des Vaters und seine erste Begegnung mit dem machtlüsternen Sheriff von Nottingham. Die weiteren Stationen: Flucht in die Wälder von Sherwood und zunächst noch recht unwirsche Bekanntschaft mit Little John und seinen Männern, Organisation der Armen und Flüchtigen zu einer effektiven Widerstandsbewegung, die Verteidigung des Verstecks gegen die Truppen des Sheriffs, die Befreiung der Gefangenen und der Maid Marian und schließlich die Abrechnung mit dem Bösewicht, Hochzeit mit Marian und die Rückkehr des Königs Richard Löwenherz.

Was darf man von einem Abenteuerfilm wie diesem schon anderes erwarten als perfekte Unterhaltung? Da die Stationen der Handlung so oder ähnlich sattsam bekannt sind, Überraschungen im Ablauf der Story also von vornherein nicht zu gewärtigen sind, konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf Schauwert und Artistik. Und in dieser Hinsicht hat Kevin Reynolds` "Robin Hood" einiges zu bieten. Das naive Spektakel des Kampfes gegen die Reichen für die Armen, hier eher abgewandelt zum symbolhaften Kampf gegen das Böse für die Guten, profitiert nicht unwesentlich von den Errungenschaften des Fantasy-Films der 70er und 80er Jahre. Die Höhepunkte sind in der perfekten Inszenierung weit weniger Pfeil-und-Bogen-Mär althergebrachter Konvention als eine Kombination aus Indiana Jones und Luke Skywalker mit primitiven Waffen. Was den Kampfinstrumenten an spektakulärer Wirksamkeit fehlt, wird durch Phantasie in der Rekonstruktion des Umfelds wettgemacht. Die kleinen Tricks beim Überfall auf einen schwerbewaffneten Pferdekarren oder die Stunts bei der Befreiung von zehn "Waldmenschen" von der bereits um ihre Hälse gezurrten Galgenschlinge kombinieren den hohen Stand heutiger Special Effects mit fabulösem Einfallsreichtum. Daß sich der Film dabei selbst nie ganz ernst nimmt, gerät ihm fraglos zum Vorteil. Alan Rickmans genüßliche Basil-Rathbone-Parodie und die märchenhafte Hexenküche der alten Wahrsagerin, in der er sich Mut und Sicherheit zu holen versucht, sind Exempel für den parodistischen Unterbau, der in einer furiosen Schlußszene vollends zum Durchbruch kommt. Die in den USA unter den Kritikern ausgefochtene Fehde, ob Kevin Costner ein idealer Robin Hood ist, kann man getrost auf sich beruhen lassen. Der Film hat genug Schauwerte, um Costners (bewiesenermaßen publikumswirksame) Melancholie zu überbrücken. Und wer sagt denn, daß die auftrumpfende Heldengebärde der Fairbanks und Flynns die einzig legitime Art ist, den legendären Freiheitshelden darzustellen?

Veröffentlicht auf filmdienst.deRobin Hood - König der DiebeVon: Franz Everschor (28.5.2026)
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