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Filmkritik
Der Fischer Antonio ist schon seit zwei Jahren tot, doch seine Tochter Andrea (Judith Fernández) spielt immer noch Dudelsack an seinem Grab. Früher hat sie in der Rondalla, dem Folkloreensemble des Ortes, musiziert. Doch die Lust an der Musik ist den Bewohnern des galizischen Dorfs vergangen, nachdem der Kapitän Antonio und sechs weitere Fischer bei einem Unglück auf offener See ums Leben kamen. Antonios Leiche wurde nie geborgen; sie liegt im Wrack des Kutters, der ihm und seiner Crew zum Verhängnis wurde, auf dem Meeresgrund. Nur zwei Mitglieder der Besatzung haben überlebt: Antonios bester Freund Luis (Javier Gutiérrez) und der alte Seebär Yayo (Carlos Blanco), der bei der Katastrophe ein Bein verlor.
Das Unglück hat die Menschen des kleinen Ortes nachhaltig verändert. Antonios jüngere Tochter Noa (Lola López) kämpft mit Verlustängsten und schläft in einer von einem Fischernetz umgebenen Koje. Auch ihre Mutter Carmen (María Vázquez) und Andrea sind traumatisiert. Carmen muss die Familie mit dem Verkauf von streng geschützten Spinnenkrabben über die Runde bringen, die sie vom Meeresfelsen klaubt. Andrea hat ihre Bewerbung bei der Musikhochschule zurückgezogen und ist im Dorf geblieben. Als ihr Jugendfreund Elias (Fer Fraga), der den Sprung ans Konservatorium geschafft hat, zurückkehrt, kommt es zu Spannungen.
Im Rhythmus traditioneller Klänge
Deshalb will Luis die Rondalla wiederbeleben, um das Dorf endlich aus seiner Schockstarre zu befreien. Carmen und die anderen Dörfler brauchen eine Weile, um sich mit dieser Idee anzufreunden, lassen sich dann aber überreden. Bei Andrea dauert die Überzeugungsarbeit länger, doch auch sie reiht sich schließlich in das Ensemble ein. Wenn das Dorf den Wettbewerb gewinnen würde, an dem alle Siedlungen der Gegend mitmachen, könnten die klammen Kassen wieder gefüllt werden. Außerdem stärkt das gemeinsame Musizieren, bei dem Zupf- und Blasinstrumente sowie Percussion in einer traditionellen Choreografie zusammen mit Fahnenträgern in einem Kreis agieren, das Zusammengehörigkeitsgefühl. Doch dann wird das Schiffswrack entdeckt, und alte Wunden brechen wieder auf.
Die raue Küste Galiziens ist der Schauplatz der temperamentvollen Tragikomödie von Daniel Sánchez Arévalo. Hier krachen die Wellen unbarmherzig ans felsige Ufer, kreischen die Möwen gegen den Wind, und stören keine Touristen das Dorfgefüge. Die Menschen leben vom Meer, auch wenn der Ertrag kärglich ist. Im Dorf kennt jeder jeden, und auch wenn sich Klatsch und Tratsch in Grenzen halten, sprechen sich Neuigkeiten schnell herum. Auch in ihrer Kommunikation haben sich die Bewohner der Natur angepasst: Es herrscht ein rauer, aber herzlicher Umgangston.
Alle versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen; der Raubfang von Spinnenkrabben gehört mit dazu. Als eine Art Running Gag bietet er Anlass für humorvolle Episoden, welche die finanzielle Situation des Ortes beleuchten und seine Bewohner charakterisieren. Denn mit sechs Kilo darf man sich nicht erwischen lassen, sonst drohen harte Strafen. Also beschränken die Menschen ihre illegalen Raubzüge auf 5,9 Kilo, was die beiden Polizisten Xoel und Xavi regelmäßig in Verlegenheit bringt. Vor allem Xoel (Tamar Novas) macht sich zum Gespött des Dorfs, weil er seinem fünf Minuten älteren Zwillingsbruder Xoel immer noch am Rockzipfel hängt, obwohl er schon 40 Jahre alt ist. Doch als Xavi bei der Rondalla des Nachbardorfs mitmachen will, droht es zum Bruch zwischen den Zwillingen zu kommen. Xoel hingegen lässt sich von dem brummigen Yayo in die Kunst des Fahnenschwingens einführen.
Ein überraschendes Geständnis
Anhand der Vorbereitungen auf den Rondalla-Wettbewerb skizziert der Film die Dynamik des Ortes und deckt Stärken und Schwächen der Rondalla-Teilnehmer auf. Aus der seit Kindheitstagen bestehenden Freundschaft zwischen Elias und Andrea könnte mehr werden, und auch Luis und Carmen stehen sich näher, als sie nach außen hin preisgeben wollen. Doch trotz aller positiver Entwicklungen, die mit der Wiederaufnahme der Rondalla verbunden sind, hängt das Schiffsunglück weiter als böses Omen über dem Küstenort, bis ein überraschendes Geständnis alles in ein anderes Licht taucht.
Anhand eines kollektiven Traumas erzählt „So klingt das Leben“, wie fragil menschliches Zusammenleben sein kann. Mit subtilen Ellipsen deutet der Film die seelischen und körperlichen Wunden der Figuren an, spart aber auch nicht mit humorvollen Episoden, die bisweilen sogar in Slapstick ausarten. Dass man nur gemeinsam und mit Mut zur Wahrheit weiterkommt, schildert der Film auch dank seines hervorragenden Ensembles unterhaltsam und lebensnah zugleich.






