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Scream - Schrei!

111 minAnimation, MusikFSK 18
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Nach einer Reihe mysteriöser Todesfälle in ihrer Kleinstadt wird eine unkonventionelle Gruppe von Freunden unter der Führung von Sidney Prescott das Ziel eines maskierten Killers. Während die Zahl der Opfer steigt, beginnen Sidney und ihre Freunde über die 'Regeln' von Horrorfilmen nachzudenken – da sie plötzlich selbst in einem solchen gefangen sind.

Wes Craven, der ungekrönte König des amerikanischen "slasher-movies" und Schöpfer der Albtraumfigur Freddie Krueger, die er nach ihrer (filmischen) Geburt 1984 ("Night-mare - Mörderische Träume", fd 25 237), sechs Kino-Fortsetzungen und zahlreichen TV-Serials selbst "zu Grabe getragen" hatte ("Freddy's New Nightmare", fd 31 161), erfüllte mit seinem neuesten Horrorfilm alle Erwartungen - zumindest an der Kasse. Mit über 100 Millionen Dollar Einspielergebnis avancierte er in den USA zum erfolgreichsten Horrorfilm seit "Der Exorzist", (fd 18 987). Der Plot von "Scream" bietet auf den ersten Blick keine Überraschungen: Ein Killer im schwarzen Umhang und einer leicht verfremdeten, entfernt an Munchs Gemälde "Der Schrei" erinnernden Totenmaske tötet in einer kalifornischen Kleinstadt eine College-Schülerin und ihren Freund. Während die Polizei im dunkeln tappt und der ganze Ort rätselt, wer der Mörder ist, sucht der sich sein nächstes Opfer: Caseys Klassenkameradin Sidney. Die entgeht nur knapp dem Anschlag, weil in letzter Sekunde Deputy Dewey und überraschenderweise auch ihr Freund Billy auftauchen. Billy wird daraufhin als Tatverdächtiger festgenommen. Als Sidney am nächsten Tag erneut von dem Unbekannten in der Schule attackiert wird, scheint seine Unschuld jedoch bewiesen. Mittlerweile hat sich auch die Sensationsreporterin Gale Weathers auf den Fall gestürzt, wurde doch vor einem Jahr Sidneys Mutter vergewaltigt und ermordet. Sidney hatte damals einen der Liebhaber als Täter identifiziert, während Gale nach wie vor von dessen Unschuld überzeugt ist. Da die Schule wegen der schrecklichen Ereignisse vorerst geschlossen wird und die Polizei eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, treffen sich die Teenies des Ortes zu einer Horrorfilm-Party in einem abgelegenen Haus. Während Deputy Dewey das Anwesen observiert, Gale eine versteckte Kamera im Haus installiert und Sidney und Billy sich wieder näherkommen, schlägt der Killer erneut zu.

Während Wes Cravens Inszenierung in den eingefahrenen Bahnen des klassischen B-Movies dahindümpelt, sie allenfalls durch den Einsatz des CinemaScope-Formates ein wenig aufmöbelt - wobei ihm und seinem Kameramann keine wirklich aufregenden Bilder einfallen -, versucht das Drehbuch sich in "Medienkritik". "Scream" nimmt die Beziehung zwischen Film und seinem Publikum auf und vor der Leinwand aufs Korn: Die amerikanischen College-Schüler um die Siebzehn herum, die wieder einmal ziemlich unglaubwürdig von Mittzwanzigern dargestellt werden, scheinen außer Sex, Popcorn und Horror-Videos keine Freizeitinteressen zu haben. Der Killer nutzt das zu einem perfiden Mörder-Spiel aus: Caseys Freund wird auf bestialische Weise vor ihren Augen ermordet, weil sie am Telefon die Frage nach dem Namen des Mörders aus "Freitag, der 13." falsch beantwortet. Sie selbst wird in "Schweigen der Lämmer"-Manier ausgeweidet, weil sie nicht errät, durch welche Tür ihr Mörder eindringt. Warum sie sich dieses Gespräch überhaupt aufzwingen läßt, bleibt genau so unerfindlich wie später Sidneys Reaktion auf den Anruf des Killers. Sie findet seine Stimme auch noch sexy und läßt sich auf die Veranda locken, obwohl sie weiß, was Casey zugestoßen ist.

Und in der Schule bleibt sie, trotz eines unguten Gefühls, allein in der Toilette, damit der Zuschauer in den Genuß der nächsten Attacke des Serienkillers kommt. So bezieht die Inszenierung ihren Spannungsaufbau letztlich aus dem dümmlichen Verhalten der Opfer und einer unheilschwangeren Musik. Man mag darin parodistische Ansätze sehen, besonders wenn im Finale der "Scary movie"-Fan Randy bei der Video-Party dem Opfer auf dem Bildschirm zuruft, es möge sich doch endlich umdrehen, während hinter ihm selbst schon der Totenkopf-Killer das Messer schwingt, oder wenn Sidney eben jenen Fernseher mit den Worten "Stirb in deinen Träumen" auf den Kopf des Killers fallen läßt. Aber diese Szenen bleiben, wie auch das genreübliche "Wiederauferstehen" des Killers, auf Gag-Niveau hängen, "brechen" das Genre nicht wirklich. Das liegt vor allem auch daran, daß Craven letztlich mehr die groben Strickmuster des Horrorfilms als die subtileren Spielarten des Psychothrillers bedient. Um eine mehr innere Spannung aufzubauen, hätte es natürlich auch psychologisch durchgezeichneter Charaktere bedurft. So nimmt man keinerlei Anteil am Schicksal der "flachen" Personen, wartet nur auf den nächsten "Taschenspieler"-Trick. Eigentlich ist es wie mit dem berühmt-berüchtigten Hütchenspiel: wenn man genau hinschaut (und mitdenkt), engt sich der Täterkreis sehr schnell (auf zwei Personen) ein. Alle anderen Ablenkungsmanöver sind dermaßen durchsichtig, daß man sie ohnehin schnell fallen läßt. Und einen Täter aus dem "Hut zaubern", den man vorher gar nicht eingeführt hat, das erlaubt sich nicht mal der drittklassigste Film. Was bleibt, ist der übliche (Sound-)Ritt auf den Nerven des Zuschauers und das lustvolle Zelebrieren eines Spiels, das in der Realität schon zu den täglichen (Horror-)Schlagzeilen gehört: Das Töten von Menschen aus purem Spaß. Aber anders als Hanekes "verwandter" "Funny Garnes" (fd 32 731) vermittelt "Scream" dem Zuschauer nicht die Leiden der Opfer, sondern nur den (zweifelhaften) Unterhaltungswert solcher abwegigen Fantasien.

Veröffentlicht auf filmdienst.deScream - Schrei!Von: Rolf-Ruediger Hamacher (1.6.2026)
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