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Slanted

102 minKomödie, Science Fiction, Thriller
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Joan Huang, eine unsichere chinesisch-amerikanische Teenagerin, die verzweifelt dazugehören möchte, unterzieht sich einer experimentellen transrassischen Operation, um weiß zu werden – in der Hoffnung, zur Abschlussballkönigin gekrönt zu werden und endlich die Anerkennung ihrer Mitschüler zu gewinnen.
  • Veröffentlichung10.09.2025
  • Amy Wang
  • Vereinigte Staaten (2025)
  • 7.4/10 (105) Stimmen

Ausgangspunkt für „Slanted“ ist eine beliebige High School in einer amerikanischen Kleinstadt. Schüler und Schule dienen dem Film dann als Material für eine Demonstration von jugendlichem Rassismus. An die wird ziemlich exaltiert herangegangen: In Farben und Szenenbild sieht der Film vorerst aus wie ein 1990er-Jahre-Werbevideo; die Menschen sind liebreizend fürs Auge und im Umgang. Zumindest solange sie sich mit ihresgleichen umgeben, mit weißem Mittelstand. Sollte allerdings ein chinesisches Immigrantenmädchen in dieser Umgebung auftauchen, ändert sich das Strahlen spontan in Verachtung.

So weit, so abgedroschen. Das Genre des High-School-Films hat alle Ideen, die man mit Schule verbinden kann, schon hinlänglich abgedeckt, so auch die der intoleranten Jugendlichen, die ihre Fremdenfeindlichkeit in der Schule ausleben. Immerhin zeigen sie die dort noch öffentlich – zu echten Heuchlern werden sie erst als Erwachsene; dahingehend zeigt „Slanted“ ein paar Beispiele. Aber in der Schule, da wird Joan, eben das chinesische Mädchen, noch ganz offen ausgegrenzt, das ist fast schon erleichternd.

In vollem Klischee also erzählt der Film von Joans Leben auf der Clarksville High School. Mittlerweile ist sie in der Abschlussklasse, mit dem unbedingten Ziel, Prom-Queen zu werden. Ihre beste Freundin Brindha, ebenfalls sichtlich ohne amerikanische Wurzeln, kann darüber nur lachen, die Chancenlosigkeit ist unübersehbar. Aber Joan ist besessen von der Idee, genauso zu sein wie die bösen weißen Mädchen, innerlich wie äußerlich. Und daraus schließlich macht Regisseurin Amy Wang einen Film, der das Klischee nur als amüsante Kulisse nutzt. Dahinter zieht sie einen Horrorfilm auf, der vielschichtig, trashig und erstaunlich dystopisch ist.

Mit „ethnischer Modifizierung“ zum Erfolg?

Allerdings muss man sich in „Slanted“ oft fremdschämen, was auf Dauer anstrengend wird, weil es jede Situation, fast jeden Protagonisten betrifft. Man schämt sich für die White-Supremacy-Girls, für den systemischen Rassismus in den Schulen, man schämt sich vor allem für Joan und ihren fehlenden Selbstwert. Der Film begleitet sie bei ihrer Prom-Queen-Kampagne, zeigt ihre demütige Haltung gegenüber Olivia, dem beliebtesten Mädchen der Schule, und führt sie nach einer langen halben Stunde endlich ins Studio von Doktor William Singer. Sehr dubios, dieses Studio, nur über Handy-Werbung in Joans Leben getreten, ansässig hinter der Fassade eines leerstehenden Friseurs.

Ethno-Synch heißt der Laden, am hinteren Ende erstreckt sich ein Bambusgarten, der in einen Operationssaal führt. Dort lässt Amy Wang dann mit Hingabe alles raus, was weiße Heuchelei so anbietet. Kitschige Videos über die wirtschaftlichen, politischen, persönlichen Nachteile, wenn man dem Herrschaftsideal nicht genügt, sowie das Versprechen, hier mit solchen Härten des Immigrantenlebens abschließen zu können. Denn Dr. Singer, Bio-Ingenieur, hat einen Weg gefunden, das Äußere jedes Kunden so zu verändern, dass er ab jetzt aussieht wie weiße Mittelschicht. „Ethnic Modification“ heißt die Methode, die Singer operativ umsetzt – ein Frankenstein der näheren Zukunft.

Ausgesprochen lustig ist die Umsetzung, denn Wang nimmt für die Operierten einfach komplett andere Schauspieler – so kommt die Chinesin Joan, bisher gespielt von Shirley Chen, als rosafarbene McKenna Grace aus Frankensteins Labor heraus. Gruselig macht es den Film auch, denn ab da fürchtet man sich vor den Ideen, die er als nächstes haben wird. Die Story jedenfalls mäandert ins rein Fiktive, was der Film nicht ansatzweise zugibt. Völlig ernsthaft erzählt er weiter von Joans Leben, die jetzt Jo heißt und massenhaft neue Freunde findet, auch das ist so absurd wie unterhaltsam wie schmerzhaft.

Auf der Blonde-Mädchen-Erfolgswelle bis hinein in den Abschlussball

Formal hält Wang sich gern an den Kitsch, man sieht viel milchigweißes Lächeln und Blumenkohl und goldenes Haar. Aber inhaltlich versucht sie über weite Strecken keinesfalls, den üblichen Schmäh von Selbsterkenntnis und inneren Werten zu erzählen. Anstandslos reitet sie die Blonde-Mädchen-Erfolgswelle bis hinein in den Abschlussball. Schmerzhaft ist das, weil es die allseitige Intoleranz den ganzen Film über bestätigt, dem täglichen Rassismus in die Hände spielt, weil es unerbittlich zeigt, wie weit ein Leben sich über die Hautfarbe definiert.

Wobei Wangs Film nach der Frankenstein-OP irgendwann eine Wendung nimmt, die letztlich zu einem ganz neuen Blick auf die Gesellschaft führt. Er lässt ahnen, dass Doktor Singer seine Kleinstadt deutlich weiter verändert, als man es überhaupt feststellen kann. Die Realität wird unzuverlässig, die Frage stellt sich, ob man inzwischen womöglich in „Men in Black“ ist und alle Menschen nur Fassade. Damit hätten Hautfarben, das ist die Transzendenz von „Slanted“, sowieso keinerlei Bedeutung mehr. Außer, und an diesem Schlenker arbeitet Amy Wang ausführlich, außer Frankenstein unterläuft bei seinen OPs eine Panne. Dann entsteht ordentlich Body-Horror, und zwar so eklig, wie er sein soll.

Veröffentlicht auf filmdienst.deSlantedVon: Doris Kuhn (25.6.2026)
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