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Filmkritik
Nachdem Susan Seidelman mit der Low-Budget-Produktion "New York City Girl" auch international großen Erfolg verbuchen konnte, ist nun ihr Hollywood-Debüt nicht weniger gut gelungen. Sie erzählt von der großen Sehnsucht nach Leben und Gefühlen. Da ist zunächst Roberta. Sie lebt als frustrierte Ehefrau des Badewannenverkäufers Gary in Fort Lee, einer der endlosen Vorstädte New Yorks. Ihren Alltag vergeudet sie zwischen Schönheitssalon und vollautomatischer Einbauküche. Voller Sehnsucht liest sie die privaten Kleinanzeigen in ihrer Zeitung, die für Roberta ein Zeichen für die von ihr so sehr vermißten tieferen Gefühle darstellen. Eine Anzeige springt ihr besonders ins Auge: "Susan... verzweifelt gesucht". Roberta beschließt, die Spur dieser Susan aufzunehmen. Susan ist das genaue Gegenteil von Roberta. Sie lebt ständig auf Achse, riskiert viel und verzichtet auf jede Sicherheit; sie macht, was sie will, nichts anderes. Als Roberta Susan zum ersten Mal treffen will, verliert sie bei einem Unfall ihr Gedächtnis. Der Filmvorführer Dez hält sie für Susan und nimmt sie bei sich auf.
Auch ein Killer auf der Suche nach Susan jagt nun plötzlich Roberta;so beginnt eine spannende Geschichte voller Verwicklungen und Verwechslungen. Am Ende kommt es in einem heruntergekommenen New Yorker Nachtclub zum großen Showdown mit Happy-End. Nur Gary bleibt enttäuscht zurück. Er hat Roberta an Dez verloren, in den sie sich mit Haut und Haaren verliebt hat.
Die recht komplizierte Story des Films wirkt an einigen Stellen konstruiert und märchenhaft, doch darüber hilft die Inszenierung hinweg. Susan Seidelman hat ein sicheres Gefühl für gutes Timing. Lange Kameraeinstellungen korrespondieren mit extrem harten Schnitten. Spannungsmomente und Szenen mit viel Witz wechseln sich ab. Überhaupt liebt Seidelman die scharfen Kontraste. Immer wieder setzt sie die bonbonfarbene Welt der Vorstadt gegen die in grün-gelbes Licht getauchten Bilder der Originalschauplätze in New York City. Susan wird von Madonna verkörpert. Auf Madonna, den derzeitigen amerikanischen Superstar, ist die gesamte Werbung des Films zugeschnitten. Und Madonna-Fans kommen auf ihre Kosten: Madonna zeigt ihr bekanntes schlampig-schönes Outfit und räkelt sich wie in ihren Musikvideos vor der Kamera. Doch von Rosanna Arquette wird sie glatt an die Wand gespielt. Rosanna Arquette ist Roberta. Dieser verletzlichen Person gehören alle Sympathien des Zuschauers bei ihrer Wandlung von der gelangweilten Gattin zur selbstbewußten, liebenden Frau. Auch die Nebenrollen sind sehr gut besetzt. In einer kurzen Szene als Zeitungskäufer tritt Richard Edson auf, der Hauptdarsteller Eddie aus dem seelenverwandten Film "Stranger Than Paradise". Susan Seidelman hat die Möglichkeiten, die Hollywood bietet, zu nutzen verstanden, aber dennoch den Charme und die Unkonventionalität einer unabhängigen Produktion erhalten.









