Terminator 2 - Tag der Abrechnung

137 minScience Fiction, ActionFSK 16
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10 Jahre sind seit den Ereignissen des ersten Terminators vergangen, als Sarah Connor erneut mit der Gefahr aus der Zukunft konfrontiert wird. Denn ein neuer Terminator ist auf die Erde zurückkehrt. Sein Ziel: den jungen John Connor zu eliminieren, bevor er eines Tages zum Anführer des menschlichen Widerstandes gegen die Terrorherrschaft der Maschinen aufsteigt. Sarah tut alles um ihren Sohn zu schützen und sie ist nicht allein: Die Rebellen aus der Zukunft haben ihnen einen Verbündeten geschickt - ein umprogrammierter Terminator der alten Generation soll John Connor um jeden Preis beschützen.
Rückkehr der Kultfilme: "Terminator 2 - Tag der Abrechnung" läuft ab 4. April 2023 im Rahmen des BEST OF CINEMA im Kino, wie er noch nie zu sehen war: Das Studio Studiocanal und die Produktionsfirma DMG Entertainment haben den Film mit Unterstützung von James Cameron und seiner Firma Lightstorm Entertainment aufwendig restauriert. Dafür wurde das Originalnegativ von Deluxe LA in 4K gescannt und von Technicolor Hollywood digital bearbeitet.

Ein Actionfilm wird umgepolt: Arnold Schwarzenegger versucht in der Fortsetzung von „Terminator“ den Jungen, der einst den Aufstand gegen die Maschinen anführen soll, vor der Auslöschung durch ein neueres Terminator-Modell zu beschützen.

Kann ein gewalttätiger Film die Botschaft vom Wert des menschlichen Lebens vermitteln? Genau dieses Paradox macht „Terminator 2“ von James Cameron so interessant. Im ersten „Terminator“-Film wurde eine von Arnold Schwarzenegger gespielte Killermaschine aus der Zukunft auf die Erde geschickt, um Sarah Connor zu töten, deren ungeborener Sohn einmal zum Anführer des Widerstandes gegen die Maschinen-Herrschaft werden soll. Es lag in der Natur des Terminators, zu zerstören und zu töten, um quasi retrospektiv die Zukunft zu verändern. Darauf war er programmiert.

In der Fortsetzung wird der Schwarzenegger-Terminator nun umgepolt. Er ist nun nicht mehr das neueste Modell, wohl aber das einzige, das Connors Sohn John im Jahre 2029 zur Seite steht, um den zehnjährigen Jungen zu beschützen. Nach dem erfolglosen Angriff auf das Leben von Johns Mutter haben die Maschinen jetzt einen neuen Plan zur Korrektur der Geschichte. Der Abgesandte, der John nach dem Leben trachtet, ist ein weiterentwickeltes Modell, dessen Grundstoff nicht blinkender Stahl ist, sondern Flüssigmetall. Das gestattet dem neuen Terminator (Robert Patrick), in Sekundenschnelle jede gewünschte Gestalt anzunehmen und seine Opfer dadurch zu täuschen.

Was man in „Terminator 2“ vor sich hat, ist also der Kampf zweier Killermaschinen gegeneinander, ein auch nicht mehr ganz frisches Konzept (siehe „Robocop 2“). Doch anstatt das martialische Spiel aus dem ersten „Terminator“-Films zu potenzieren, indem nun zwei gewissenlose, aufs Töten programmierte Maschinen das Geschehen beherrschen, polt Cameron auch die moralische Codierung um.

Entsetzt über die Reaktion

Hinter diesem Twist steht, wenn man Selbstäußerungen des Regisseurs glauben kann, eine tiefe Irritation über die Reaktionen des Publikums. Cameron, der damals erst 29 Jahre alt war, als er „Terminator“ (1984) drehte und dadurch nach den Lehrjahren in der Werkstatt von Roger Corman zum gefragten Hollywood-Regisseur aufstieg, hat schon in „Aliens“ (1986) und „The Abyss“ (1989) bewiesen, dass ihn nicht mehr nur die technische Realisation von Gewaltakten interessiert, sondern vielmehr die intimeren Dimensionen menschlicher Konflikte und Beziehungen.

Die Auswirkungen, die seine „Terminator“-„Fantasie von Stärke und Gewalt“ auf die Zuschauer und die Filmindustrie hatte, betrachtete er inzwischen offenbar mit Distanz. Das Publikum habe sich mit der Maschinenfigur geradezu identifiziert und in ihr nicht mehr das Böse gesehen, sondern die im Leben so häufig vermisste Chance, Überlegenheit bis über jene Grenze hinaus zu beweisen, wo einen nichts mehr stoppen kann. Die revisionistische Ideologie, die im Terminator plötzlich den Helden erblickt, und die Vorbehaltlosigkeit, mit der sich die Hollywood-Industrie auf Nachahmungen gestürzt hat, beunruhigten Cameron und veranlassten ihn, den neuen Film mit einer moralischen Irritation zu versehen, die „dem Zuschauer helfen soll, für sich selbst den Begriff von Recht und Unrecht neu zu definieren“.

Moralische Lektion mit komischer Konsequenz

Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ beginnt wie eine konsequente Fortsetzung des Vorgängerfilms, den er in vielen Aktionen imitiert. Doch sobald der Schwarzenegger-Terminator sein Schutzobjekt, den zehnjährigen John (Edward Furlong), gefunden hat, werden die automatisierten Kampfprinzipien der Maschine zum ersten Mal in Frage gestellt. John zeigt sich entsetzt, dass der Terminator jeden Gegner einfach tötet, obwohl dazu gar keine Notwendigkeit besteht. Er versucht, dem Maschinenwesen das Unrecht seines Handelns klarzumachen, doch der Cyborg versteht ihn nicht. Als John schließlich entdeckt, dass der Terminator von seinem eigenem, also Johns erwachsenen Ich so programmiert wurde, dass er seinen Anweisungen gehorchen muss, befiehlt er ihm kurzerhand, keine Menschen mehr zu töten. Was der Film zunächst (nicht ungeschickt) dadurch beantwortet, dass der Terminator künftig allen Gegnern nur noch in die Beine schießt.

Von einem anderen Ende her wird das Thema weitergeführt. Sarah Connor (Linda Hamilton) ist aufgrund ihrer Visionen einer atomaren Katastrophe, die von den Maschinen angefacht wird, in einer Nervenheilanstalt gelandet. Sie ist von der Idee besessen, die Katastrophe zu verhindern. Als sie mit Hilfe des Terminators der Anstalt entkommt, kennt sie deshalb nur ein Ziel: den Wissenschaftler, durch dessen Arbeit die Computer in der Zukunft Macht über die Menschen erlangen, zu töten (sozusagen die Parallele zum Auftrag der Killermaschinen).

Sie dringt mit Waffengewalt in dessen Haus ein; doch als sie vor ihm steht, kann sie ihn nicht töten. „Was ist der Sinn des Überlebens, wenn man verliert, was man zu schützen versucht? Warum den Kampf gegen die Maschinen gewinnen, wenn man darüber seine Menschlichkeit verliert?“ (James Cameron)

Ethik & Maschinenhirn

Linda Hamilton ist eine Schauspielerin, die genau das auch ohne Worte sichtbar machen kann. Obwohl der Film vom Wettlauf der beiden gegensätzlich programmierten Maschinen beherrscht wird, und obwohl der technische Aufwand der Kampfszenen und die Tricktechnik immer wieder die Aufmerksamkeit des Publikums beanspruchen, geht das unterschwellige Thema nicht verloren. Es steigert sich an der Schwarzenegger-Figur sogar aus der zunächst bloß komischen Komponente zu einem spannenden Konflikt: Wie wird das Maschinenhirn damit fertig werden, dass es durch die permanenten Vorhaltungen eines zehnjährigen Jungen zum ersten Mal zum Nachdenken aufgefordert wird? Die Antwort erfährt man erst in der letzten Szene des Films.

Ist „Terminator 2“ also eine konsequente moralische Umkehrung des martialischen Prinzips des Vorgängers? Wohl kaum. Denn obwohl der Regisseur mit großer und glaubwürdig motivierter Konsequenz die fatale Bewunderung der gewissenlosen Killermaschine kontert, entwirft er auf der Gegenseite ein in seiner Faszination nicht minder verführerisches Bild des Top-Modells einer neuen Terminator-Generation. Dieser neue Terminator wird zwar eindeutig als das böse Element gekennzeichnet, vermag aber durch die verblüffende Realisation seiner übermenschlichen Fähigkeiten über weite Strecken der von Cameron selbst zitierten Gefahr nicht zu entgehen, dass er seinerseits zur Identifikation mit der in ihm verkörperten Überlegenheit einlädt.

Der Wert menschlichen Lebens

Ihm gestattet Cameron nach wie vor, die von moralischen Skrupeln unbelastete Tötung von Menschen mit allen erdenklichen, tricktechnisch erneut perfekt ins Bild gesetzten Mitteln. So bewegt sich „Terminator 2“ weiterhin auf der Grenze zwischen moralischer Differenzierung und der von einem 90-Millionen-Dollar-Budget nicht nur geförderten, sondern wohl auch geforderten Auskostung von Gewalttaten.

Die beabsichtigte Katharsis bleibt in diesem Dilemma stecken. Immerhin wäre es aufschlussreich, die Antwort der Zuschauer auf die allerletzte Frage des Films zu erfahren, ob sie – analog zur Schwarzenegger-Maschine - den Wert des menschlichen Lebens schätzen gelernt haben.


Von einem anderen Ende her wird das Thema weitergeführt. Sarah Connor ist wegen ihrer Visionen von einer riesigen atomaren Katastrophe, die von den Maschinen angefacht werden wird, in eine Nervenheilanstalt eingeliefert worden. Sie ist besessen von dem Gedanken, die Katastrophe verhindern zu müssen. Als sie mit des Terminators Hilfe der Anstalt entkommt, kennt sie deshalb nur ein Ziel: den Wissenschaftler, durch dessen Arbeit dereinst die Computer Macht über die Menschen erlangen werden, rechtzeitig umzubringen (sozusagen die Parallele zum Auftrag der Killermaschinen). Sie dringt mit Waffengewalt in das Haus des Wissenschaftlers ein; doch als sie vor ihm steht, kann sie ihn nicht töten. "Was ist der Sinn des Überlebens, wenn man verliert, was man zu schützen versucht? Warum den Kampf gegen die Maschinen gewinnen, wenn man darüber seine Menschlichkeit verliert?" (Cameron) Linda Hamilton ist eine Schauspielerin, die genau das auch ohne Worte sichtbar machen kann. Obwohl der Film beherrscht ist vom Wettlauf der beiden gegensätzlich programmierten Maschinen, obwohl der technische Aufwand der Kampfszenen und die Tricktechnik immer wieder die Aufmerksamkeit des Publikums beanspruchen, geht das unterschwellige Thema nicht verloren. Es steigert sich an der Schwarzenegger-Figur sogar aus der zunächst bloß komischen Komponente zu einem spannenden Konflikt: Wie wird das Maschinenhirn damit fertig werden, daß es durch die permanenten Vorhaltungen eines zehnjährigen Jungen zum ersten Mal zum Nachdenken aufgefordert wird? Die Antwort darauf erfährt der Zuschauer erst in der letzten Szene des Films.

Ist "Terminator 2" also eine konsequente moralische Umkehrung des martialischen Prinzips des ersten Films? Wohl kaum. Denn obwohl der Regisseur mit großer und auch glaubwürdig motivierter Konsequenz die fatale Bewunderung der gewissenlosen, nie aufgebenden Killermaschine kontert, entwirft er auf der Gegenseite ein in seiner Faszination nicht minder verführerisches Bild des Top-Modells einer neuen Terminator-Generation. Dieser neue Terminator wird zwar eindeutig als das böse Element gekennzeichnet, vermag aber durch die verblüffende Realisation seiner übermenschlichen Fähigkeiten über weite Strecken der von Cameron selbst zitierten Gefahr nicht zu entgehen, daß er seinerseits zur Identifikation mit der in ihm verkörperten Überlegenheit einlädt. Ihm gestattet Cameron nach wie vor, die von moralischen Skrupeln unbelastete Tötung von Menschen mit allen erdenklichen, tricktechnisch natürlich auch wieder perfekt ins Bild gebrachten Mitteln. So bewegt sich der Film fortgesetzt auf der Grenze zwischen moralischer Differenzierung und der von einem 90-Millionen-Dollar-Budget nicht nur geförderten, sondern sogar geforderten Auskostung von Gewaltaktionen. Die beabsichtigte Katharsis bleibt in diesem Dilemma hoffnungslos stecken. Immerhin wäre es aufschlußreich, die Antwort der Zuschauer auf die allerletzte Frage des Films zu erfahren, ob sie - wie die Maschine - den Wert des menschlichen Lebens schätzen gelernt haben.

Veröffentlicht auf filmdienst.deTerminator 2 - Tag der AbrechnungVon: Franz Everschor (25.6.2026)
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